Anwesende: Matthias Augustin, Friedhelm Bertulies, Regine Choi, Ralf Deutsch, Liane Garnatz, Birgit Granzow, Frank Grünert, Christoph Haurand, Karl Peter Herbst, Mechthild Hirthe, German Hoch, Anita Kapshammer, Inken Kienert, Kim Su-bin, Alexander Kneider, Armin Kohz, Michael Krapp, Bernhard Lang, Michael Menke, Katrin Mensing, Birgit Mersmann, Martin Maurach, Aruna Pego, Reinhold Rauh, Cornelia Roth, Karen Schramm, Thomas Schwarz, Marcus Stein, Thomas Ulbrich, Mattheus Wollert, Irmgard Yu-Gundert, Dirk Zurmühlen (32 Mitglieder)
Hans-Jürgen Gierlich (Leiter der Sprachabteilung des Goethe-Instituts), Rainer Müller (Deutsche Botschaft), Uwe Schmelter (Leiter des Goethe-Instituts Seoul und Gastgeber), Daniela Traumann (4 Nicht-Mitglieder)
Versammlungsleiter: Thomas Schwarz
Protokollant: Mattheus Wollert
Ort: Goethe-Institut Seoul
Zeit: 10 Uhr 30 bis 17 Uhr
TOP 1: Begrüßung und Vorstellung des neuen Leiters des Goethe-Instituts
Nachdem der Versammlungsleiter sich bei Herrn Dr. Uwe Schmelter für die Möglichkeit, die Versammlung im Goethe-Institut abhalten zu dürfen, bedankt hatte und alle Anwesenden sich vorgestellt hatten, stellte der neue Leiter des Goethe-Institut sich persönlich vor. Zunächst wies er darauf hin, dass ein Artikel über ihn, der einige Tage vor der Versammlung im Korea Herald erschienen war, einige Fehler - insbesondere die unzutreffenden Bezeichnungen seiner Rolle als "cultural attaché" oder "diplomat" - enthielte. Es sei auch nicht geplant, eine Zweigstelle des Goethe-Instituts in Pyeongyang / Nordkorea zu eröffnen. Nach einem überblick über seine berufliche Laufbahn ging er auf Fragen verschiedener Anwesender zum Selbstverständnis seiner zukünftigen Tätigkeit in Korea ein. Das Goethe-Institut lege Wert auf eine auch nach einem Personalwechsel kontinuierliche Politik, deren Akzente durch das Gastland bestimmt werden. In Korea sei das Goethe-Institut ein gesuchter Partner, dies dokumentiere beispielsweise das zur Zeit sogar steigende Interesse an den Sprachkursangeboten. In der Zusammenarbeit mit den lokalen Verbänden wie der Koreanischen Gesellschaft für Deutsch als Fremdsprache oder der Koreanischen Gesellschaft für Germanistik sei er stets offen für eine Zusammenarbeit. Es sei jedoch nicht Institutspolitik, z.B. in einem sensiblen Bereich wie der Bildungspolitik gegenüber den koreanischen Partnern von sich aus die Initiative zu ergreifen oder Impulse zu geben, da dies leicht als aufdringliche Einmischung aufgefasst werden könnte. Für die Fachtagung "Curriculum 2000", die seit etwa einem halben Jahr von den Trägerorganisationen KGDaF und KGG in Zusammenarbeit mit der LVK vorbereitet werde und im September 2000 stattfinden soll, sicherte er auf Nachfrage die Unterstützung des Goethe-Institus zu.
Rainer Müller berichtete, dass zur Zeit über das Rentenabkommen zwischen Deutschland und Korea verhandelt werde. Sobald Ergebnisse vorliegen, werde er die LVK darüber unterrichten.
TOP 2: Referat über einen Modellstudiengang
Liane Garnatz berichtete über die Einrichtung eines
Reformstudiengangs "European Studies" an der Chonnam National
University. Damit ist auf die durch Hakbuchae entstandene schwierige Situation
für die zweiten Fremdsprachen reagiert worden. Aufgrund institutioneller
Vorgaben ist zwar erst ein forschungsorientierter Magisterstudiengang gesichert,
es können aber auch im Undergraduatebereich Credits für ein Hauptfach
"European Studies" erworben werden. Ob daraus ein eigener Studiengang
entstehen wird, der zum BA-Abschluss führt, ist aber noch unklar. Das
Studienangebot sieht Veranstaltungen zu den politischen, juristischen und
wirtschaftlichen Systemen der EU und der EU-Länder vor, die von mehreren
Fakultäten (Jura, Wirtschaft, Fremdsprachen) unterstützt werden. Die
Initiative zu diesem Studiengang ging von einem Professor für Germanistik aus.
Insgesamt haben sich etwa vierzig koreanische Kollegen verschiedener
Fachbereiche dieser Initiative angeschlossen. Positiv sei gewesen, dass die
Lektorin am Prozess der Curriculumsformulierung beteiligt worden ist. An das
Referat schlossen sich eine Fülle von Fragen an.
* Wie sieht es mit der Beschäftigung für Germanisten in diesem Studiengang
aus? - Ein Kurs "Business Deutsch" wird als Ergänzung zum bestehenden
Sprachkursangebot eingeführt. Bei Kollegen mit literaturwissenschaftlichem oder
linguistischem Hintergrund gibt es die Bereitschaft zur Umstellung auf
landeskundliche Inhalte.
* Wie funktioniert die Zusammenarbeit bzw. Verzahnung mit den anderen Fachbereichen? - Es sind zwar Veranstaltungen im Modus des Team-teaching geplant. Konkret gibt es allerdings Hemmungen, sich gegenseitig "in die Karten schauen zu lassen" und mit Kollegen über Inhalte der eigenen Veranstaltungen zu sprechen. Man muss davon ausgehen, dass interfakultäre bzw. interdisziplinäre Zusammenarbeit, wie wir sie vielleicht erwarten, ein westliches Konzept ist, das in Korea nicht so leicht übernommen werden kann.
* Gibt es Partner in den jeweiligen Ländern? - Ja, für das Deutsche besteht beispielsweise eine Partnerschaft mit dem Europainstitut Basel. Es sind auch Auslandsaufenthalte vorgesehen.
* Wie hoch ist der Anteil der Sprachausbildung am gesamten Studienangebot? - Das ist noch unklar; ein wesentlicher Anteil ist aber zugesagt, obwohl noch kein Programm für eine intensive Sprachausbildung erstellt wurde.
* Besteht für die Studenten eine freie Wahlmöglichkeit innerhalb des Studiengangs? - Für den MA-Studiengang ist die Entscheidungsfreiheit der Studenten relativ hoch. Für den (noch nicht gesicherten) BA-Studiengang gibt es noch keine Daten.
* Gibt es eine Anforderungsprofil für die Studenten? - Für den MA-Studiengang ist eine Aufnahmeprüfung vorgesehen, deren Inhalte aber noch nicht festgelegt sind.
* Wie ist der Studiengang im Verhältnis zu den traditionellen Studienfächern gestellt? - Im BA-Studiengang muss für das Hauptfach "European Studies" ein Drittel der gesamten Credits - genauso wie in allen anderen Hauptfächern - erworben werden. Es gilt eine Mindesteilnehmerzahl von 15 Studenten für jeden Kurs wie für alle anderen Veranstaltungen auch.
* Welche Berufsfelder kommen in Frage? - Der Studiengang ist nicht als berufsqualifizierendes Studium angelegt. In erster Linie geht es darum, den Studenten Alternativen zu den traditionellen, philologisch ausgerichteten Fremdsprachenstudiengängen anzubieten und die durch Hakbuchae gefährdeten Stellen zu sichern bzw. die Zweitfremdsprachenabteilungen wieder attraktiver zu machen. Es wird aber ein Infopool mit Kontakten zu Firmen in Korea eingerichtet, der die Anbindung an die berufliche Realität sichern soll.
In der Diskussion wurde auch Skepsis am Modell des Studiengangs geäußert. Z.B. läuft die Unflexibilität der administrativen Vorgaben koreanischer Universitäten im Undergraduatebereich wie Präsenzpflicht oder das starre Jahrgangssystem der freien Wahl des Studienangebots zuwider. Ferner sei zu befürchten, dass angesichts der Fülle und Unterschiedlichkeit der Veranstaltungen aus so vielen verschiedenen Fakultäten schließlich nicht mehr als oberflächliches Wissen ohne tieferes Verständnis vermittelt würde. Dem wurde entgegnet, dass solche Modelle vor allem als Ausweg aus einer akuten Notlage, dem drohenden Verlust von Arbeitsplätzen im Bereich der traditionellen Fremdsprachenabteilungen geboren seien. Und Zweifel am inhaltlichen Wert der Ausbildung seien ja auch bereits hinsichtlich der traditionellen Angebote angebracht.
TOP 3: Hakbuchae und Auswirkungen
Am Nachmittag setzte sich die Diskussion über Modellstudiengänge im Rahmen eines allgemeinen Austauschs über die Auswirkungen der Hakbuchae-Reformen an Universitäten und Schulen fort. Ab dem Jahr 2001 gehört Deutsch zusammen mit den anderen zweiten Fremdsprachen zu den obligatorischen Fächern für das koreanische Abitur ("suneung"). Das ist hinsichtlich der institutionellen Absicherung des Deutschen in Korea positiv zu bewerten. Ob und wie dies das Interesse der Studenten an einem weiteren Ausbau dieser Sprachkenntnisse an der Universität fördern wird, bleibt abzuwarten.
Die Hakbuchae-Reform trifft übrigens nicht nur die zweiten Fremdsprachen negativ. Es wird berichtet, dass auch Fächer wie Mathematik, Physik, Chemie oder Biologie nicht mehr genügend Studenten aufweisen. Deshalb ist es fraglich, ob das System der Hakbuchae sich mittelfristig halten wird, wenn der Run auf "Trendfächer" wie beispielsweise Interior Design auf Kosten solcher Fächer anhält.
Die "Abstimmung mit den Füßen" für bestimmte Studienfächer oder Lehrangebote habe an manchen Universitäten zu mitunter grotesk wirkendem Werben um Studenten geführt (z.B. Abwerben von Studenten, die sich bei der "Konkurrenz" eingeschrieben haben). Zum Teil wird das auch über eine Inflationierung der Noten beabsichtigt. Es ist abzusehen, dass das Niveau der Ausbildung darunter leidet. Teilweise werden Reformen durch eine Umbenennung der Fachbereiche lediglich vorgetäuscht, de facto hat sich am Kursangebot und der Quotierung von Studentenzahlen nichts geändert. Vielfach scheint man nach wie vor darauf zu warten, dass sich die Zeiten ohne eigenes Zutun wieder von alleine bessern.
Die Kriterien für die Fächerwahl der Studenten sind nicht eindeutig. Offenbar spielt das Curriculum selbst nicht die entscheidende Rolle. Auch ein deutlich modernisiertes Kursangebot des Faches Deutsch konnte in einem Fall nicht verhindern, dass sich nur zwei Studenten für Deutsch als Hauptfach einschrieben, während sich die große Mehrheit für das Hauptfach Englisch entschied, das in seinem Curriculum keine Veränderung aufwies (Literatur- und Linguistikveranstaltungen ohne Sprachpraxis). Es scheinen sich auch nach wie vor die traditionellen Images der Sprachen - Frauen studieren Französisch, Männer studieren Deutsch, die Intelligenten studieren Englisch - zu halten. In einigen anderen Fällen wurde allerdings auch über eine gestiegene Motivation der Studenten nach Einführung der Reform berichtet.
Die Tendenz, auf mangelnde Nachfrage nach Deutsch als Hauptfach als erstes mit der Entlassung des muttersprachlichen Lektors zu reagieren, setzt sich weiterhin fort. Nachdem im letzten Semester bereits einem Lektor gekündigt worden war, sind in diesem Semester bereits bei drei Lektoren aus diesem Grund die Verträge nicht verlängert worden. Darunter ist sogar eine der wenigen vermeintlich unkündbaren Professuren zu koreanischen Bedingungen. Koreanische Kollegen des betroffenen Lektors wiesen ihn allerdings darauf hin, dass es in diesem Fall unter Umständen die Möglichkeit gebe, vor Gericht zu gehen.
TOP 4: Verschiedenes
Es besteht die Möglichkeit, sich auf der LVK-Homepage in eine Mailingliste für alles, was unsere Arbeit und unseren Aufenthalt in Korea betrifft, anzumelden.
Der Einsendeschluss für Artikel zum nächsten Rundbrief ist der 31. März. Er soll den thematischen Schwerpunkt "Unterrichtsideen" haben. Es werden außerdem dringend Mitarbeiter für die Redaktion gesucht. Michael Menke kündigt an, die Erstellung des Lay-out an jemand anderen übergeben zu wollen.
Der Finanzbericht:
Stand beim letzten Bericht: 651.211 Won
Einnahmen: 1.392.579 Won
davon
Mitgliedsbeiträge: 520.000 Won
Spenden: 10.000 Won
Anzeigen: 854.840 Won
Zinsen: 7.739 Won
Ausgaben: 1.006.120 Won
davon:
Restversand RB 9 83.200 Won
Post / Kopien 42.100 Won
Material (Tinte, Papier, ...) 81.500 Won
Umschläge 9.000 Won
RB 10, Druck/Versand bislang 501.980 Won
Abrechung Unkosten 17.200 Won
Versammlungskosten 271.140 Won
Stand beim letzten Bericht: 651.211 Won
+ Einnahmen: 1.392.579 Won
- Ausgaben: 1.006.120 Won
= igs.: 1.037.670 Won derzeitiger Kontostand
dazu kommen noch Werbeeinnahmen aus Rundbrief 9 und 10
Der Schatzmeister Michael Menke wird mit den Stimmen aller Anwesenden entlastet. Der Vorstand wird ebenso mit den Stimmen aller Anwesenden entlastet.
TOP 5: Wahl des neuen Vorstandes
Michael Menke stellt den Antrag auf Erweiterung des Vorstandes auf bis zu sechs Mitglieder, um die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Dazu ist eine Satzungsänderung nötig. Dem Antrag wird mit einer Enthaltung und drei Gegenstimmen stattgegeben. Die bisherige Regelung, den Vorstand auf bis zu fünf Mitglieder zu begrenzen, wird entsprechend geändert. Der neue Vorstand wird in einer geheimen Wahl mit folgender Stimmenverteilung gewählt:
Mechthild Hirthe 22 Stimmen
Michael Menke 23 Stimmen
Aruna Pego 20 Stimmen
Thomas Schwarz 22 Stimmen
Stefan Straub 23 Stimmen
Mattheus Wollert 23 Stimmen