Protokollant: Thomas Schwarz
Anwesenheitsliste: (26 Mitglieder)
Matthias Augustin, Iris Brose, Liane Garnatz, Hans -J. Glowka, Frank Grünert,
Edeltrud Kim, Sylvia Kaufmann, Alexander Kneider, Armin Kohz, Bernhard Lang,
Michael Mandelartz, Michael Menke, Katrin Mensing, Birgit Mersmann, Aruna Pego,
Reinhold Rauh, Cornelia Roth, Karen Schramm, Kai Schröder, Thomas Schwarz,
Marcus Stein, Erich Thaler, Thomas Ulbrich, Mattheus Wollert, Christina
Youn-Arnoldi, Irmgard Yu-Gundert
4 Nicht- bzw. noch nicht Mitglieder:
Inken Kienert, Michael Krapp, Heiko Kratzke, Heike Lee
3 Gäste bzw. Gastgeber:
Won-Yang Rhie (KGDaF), Soon-Im Kim (KGDaF), Heiko Bels (GI)
Die Versammlung wurde von Mattheus Wollert geleitet, der zu Beginn noch einmal auf die verschiedenen Phasen der LVK in den letzten Jahren hinwies. Dann folgte der
1. Finanzbericht:
aktueller Kontostand 651.211 Won
für Anzeigen Rundbrief Nr. 6,7,8 = DM 1.143,80
für Anzeigen Rundbrief 9 = DM 750 (ca.)
Der Schatzmeister, Michael Menke, wird mit den Stimmen aller Anwesenden
entlastet.
2. Die koreanische Universitätsreform Hakbuchae
Erfahrungsberichte zur Auswirkung auf die Germanistik
Der Kollege Kratzke berichtet, daß er entlassen worden ist, da für ihn im Gefolge des Rückgangs der Studentenzahlen durch Hakbuchae nur noch 8 Unterrichtsstunden übriggeblieben seien. Kurse, die nicht zustande kommen, werden oft auf ein Minuskonto gebucht. Die Uni verlangt, daß in kommenden Semestern entsprechende Mehrarbeit geleistet wird. Es zeichnet sich ab, daß an staatlichen Unis eine Mindestteilnehmerzahl von 5-10 Teilnehmern angesetzt wird, an Privatunis wird erwartet, daß sich mindestens 10-14 Studenten einschreiben.
Weil viele Lektoren im ersten Jahr keinen Sprachunterricht mehr geben, geht das Niveau der Studenten zurück. Es wird befürchtet, daß die Senkung der credits, die ein Student bis zum Studienabschluß erreichen muß, zu einer weiteren Senkung des im Studium bisher erzielten Sprachniveaus führt. Wenn die Studenten in den höheren Semestern die notwendige Punktzahl erreicht haben, ist es möglich, daß sie die von den Lektoren gehaltenen Sprachkurse, die als schwierig gelten, nicht mehr besuchen. Den angestrebten 600 bis 900 Stunden Sprachunterricht, die als Voraussetzung für ein erfolgreiches Bestehen des Zertifikats Deutsch als Fremdsprache betrachtet werden, stehen durch Hakbuchae immer weniger Unterrichtsstunden beim deutschen Lektor gegenüber, im Extremfall gerade noch 75 im zweiten Studienjahr.
Zum Gegensteuern wird die Etablierung von Unipartnerschaften empfohlen. Für die Studenten müßte außerdem eine Verbindung zwischen erfolgreichem Erwerb der deutschen Sprache und besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich werden.
3. Die japanische
Universitätsreform der 90er Jahre und ihre Auswirkungen auf die
Germanistik, Vortrag von Michael Mandelartz (Yamamoto
Akihiko)
Traditionell ist in Japan die Universität ein Ort der Bildung, während Berufsausbildung und Forschung in der Industrie angesiedelt waren. Die ökonomische Krise Japans hat das Augenmerk auf die Schwäche der Grundlagenforschung gelenkt. Seit den in 80er Jahren eingeleiteten Universitätsreformen werden die Universitätsmittel von den Geisteswissenschaften zunehmend in technische Bereiche verlagert. Das studium generale wird zurückgedrängt, das Fachstudium wird gestärkt, die Graduiertenstudiengänge werden ausgebaut.
Die Einstellungspolitik der Betriebe, die sich statt an dem erworbenem Fachwissen der Bewerber an einer Unirangliste orientieren, behindert ein leistungsorientiertes Studium. Gehen die Studentenzahlen zurück, versuchen die Betroffenen ausgerechnet durch Senkung des wissenschaftlichen Niveaus, Neuzugänge zu gewinnen. Dazu kommt das Phänomen einer Leistungs- und Kommunikationsverweigerung bei Studenten, eine Reaktion auf die düsteren Berufsaussichten. Die Zunahme der Volontärsstellen verweist auf eine verdeckte Arbeitslosigkeit. Universitätsabsolventen finden sich auf Stellen wieder, für die ein Mittelschulabschluß reichen würde.
In der Germanistik gingen die Studentenzahlen in den letzten 10 Jahren um etwa 30 % zurück. Das Erlernen einer Fremdsprache wird mit dem Besuch von Englischunterricht identifiziert. Erfolgreich dagegen ist Deutsch an der privaten Keio Universität, wo es hauptsächlich von Juristen bis zur Zentralen Mittelstufenprüfung studiert werden kann. Grund: Japan orientiert sich in der Gesetzgebung in erster Linie an Deutschland. Der Deutschkurs ist zudem an "Arealkulturstudien" angekoppelt, also integriert in Kulturvermittlung zu den USA, Europa und China. Das Modell wird in Japan mittlerweile vielfach nachgeahmt.
Diskussion
Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob man die Nachfrage nach Englisch für diejenigen, welche nicht Englisch studieren, befriedigen soll, indem man Deutsch auf Englisch unterrichtet. Auch die Frage, ob Deutsch eher unberührt von ökonomischen Gesichtspunkten als Bildungssprache unterrichtet werden oder ob auch auf den Nutzen eines Deutschstudiums als Zusatzqualifikation, die auf dem Arbeitsmarkt Vorteile bringt, hingewiesen werden sollte, blieb kontrovers. Um der zweiten Alternative den Rücken zu stärken, wäre ein entsprechendes Engagement auch der deutschen Wirtschaft (z.B. Sponsering von Werbebroschüren für Deutsch) von Interesse. Aus diesem Grund ist es wichtig, daß die Lektorenversammlung auf der Deutschen Woche in Seoul im Oktober 1999 Präsenz zeigt, um dort Kontakte zur Wirtschaft zu knüpfen. Bei Armin Kohz ist ein deutsch-koreanischer Text erhältlich, in dem zu Werbezwecken Gründe aufgelistet sind, für die es sich lohnt, Deutsch zu lernen.
4. Neue Prüfung des Goethe-Instituts
Heiko Bels, der neue Mitarbeiter des Goethe-Instituts für pädagogische Verbindungsarbeit, stellte die neue Prüfung (ZD) vor, die die ZDAF ablösen soll. Die wichtigste Änderung steht im mündlichen Prüfungsteil ins Haus: Die Kandidaten sollen sich nicht nur sprachlich deutsch artikulieren, sondern auch deutsch verhalten. Ein Gespräch zweier Kandidaten soll von der Prüfungskommission beobachtet werden. Ziel ist aber nach wie vor der Erwerb solider Grundkenntnisse zur Bewältigung alltäglicher Situationen.