Die Fortbildung war eine gemeinsame Veranstaltung der Lektorenvereinigung Korea und des Goethe-Instituts Seoul, mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, Tokyo. Ziel des Seminars war, grundlegende Fragen einer kulturwissenschaftlichen Neuorientierung in Forschung und Lehre zu diskutieren. Die Teilnehmer sollten sich mit den Herausforderungen auseinandersetzen, die sich wissenschaftspolitisch und forschungsstrategisch aus dem globalen Rückbau der Geisteswissenschaften ergeben. Durch die Diskussion von Lernzielen im Bereich "kultureller Kompetenzen" sollte eine Basis für eine Curriculumsplanung mit kulturwissenschaftlichem Akzent gelegt werden.
Als Seminarleiter wurde Alexander Honold (PD, Humboldt-Universität Berlin) eingeladen. Unter seiner Leitung wurden die Teilnehmer am ersten Seminartag in kulturwissenschaftliche Arbeitsgebiete, Methoden und Schlüsselkonzepte eingeführt. In einer weiteren Sitzung wurde die Zusammensetzung einer kulturwissenschaftlichen Handbibliothek mit den Teilnehmern diskutiert, ein koreanischer Kollege, Prof. Yim von der Seoul National University, hat ein kulturwissenschaftliches Arbeitsprojekt vorgestellt. Alexander Honold hat das von ihm betreute DFG-Projekt zur Kultur- und Literaturgeschichte des Fremden (1871-1918) an der Humboldt-Universität Berlin vorgestellt. Thomas Schwarz hat im Anschluss daran eine kulturwissenschaftliche Fallstudie aus dieser Werkstatt präsentiert. Eine kontroverse Diskussion zu diesem Themenkomplex wurde vor allen Dingen durch koreanische Kollegen angeregt, welche befürchteten, dass der Verzicht auf den traditionellen philologischen Ansatz das Selbstverständnis bzw. die Identität der Germanistik in Korea gefährde. Es wurde davor gewarnt, die bestehende Germanistik vollständig in eine nicht klar zu bestimmende Kulturwissenschaft zu transformieren. Andererseits wurde darauf hingewiesen, dass nicht zuletzt das starre Festhalten an der überkommenen literaturwissenschaftlichen Ausrichtung für den Bedeutungsverlust der Germanistik in Korea und das Ausbleiben der Studenten an den Deutschabteilungen verantwortlich sei.
In einer weiteren Sektion am darauf folgenden Samstag wurde die Frage, was "kulturelle Kompetenz" bedeutet, aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Alexander Honold hat die kulturelle Kompetenz aus Sicht der deutschen Literatur- und Kulturwissenschaft definiert und verschiedene Zugriffe auf Kultur wie Kulturgeschichte, Kulturraumstudien usw. vorgestellt. Mattheus Wollerts Vortrag hat kulturelle Kompetenz als Lernziel im Unterricht Deutsch als Fremdsprache behandelt, welche die "kommunikative Kompetenz" als eine normgebundene Idealvorstellung durch eine persönlichkeitsgeprägte Kompetenz ersetzt und die vielfältigen intrakulturellen Erfahrungen eines Individuums in einer plurikulturellen Umgebung in eine fremdsprachliche und fremdkulturelle Kompetenz überführt. Tak Sunmi, eine koreanische Kollegin von der Hanyang University, hat über kulturelle Kompetenz als Ausbildungsziel im Reformcurriculum der Auslandsgermanistik gesprochen. Dabei hat sie das aus kulturwissenschaftlichen Forschungsstrategien abgeleitete Curriculum ihrer Abteilung vorgestellt.
Finanziert vom DAAD-Tokyo kam Michael Mandelartz von der Meiji University angereist, um einen Vortrag zur Notwendigkeit einer kulturwissenschaftlichen Wende im Zeitalter der Globalisierung zu halten, den er mit einigen Beispielen kulturwissenschaftlicher Forschungsinstitutionen in Japan ergänzt hat.
Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einem überblick über die Forschungslandschaft, in dem von Thomas Schwarz drei internationale Studiengänge aus Deutschland mit kulturwissenschaftlichem Schwerpunkt vorgestellt wurden. Alexander Honold hat darüber hinaus gehend kulturwissenschaftliche Forschungsinstitutionen präsentiert, und Mattheus Wollert hat im Anschluss erklärt, welche Stipendien der DAAD für koreanische Studenten und Professoren bereitstellt.
An dem Workshop haben 13 koreanische und 30 deutsche Teilnehmer von 27 verschiedenen Universitäten teilgenommen. 10 der deutschen Teilnehmer kamen von außerhalb Seouls angereist, eine außerordentlich hohe Zahl, die durch die übernahme der Reise- und Übernachtungskosten des DAAD ermöglicht wurde.
Das Goethe-Institut hat durch eine Lehrmittelspende für alle Teilnehmer verschiedene Materialien zur Verfügung gestellt (Le Goff, Geschichte Europas / Seel, Deutschland in Europa / Böhme et. al, Orientierung Kulturwissenschaft), die in dem Workshop vorgestellt wurden und zur Absicherung der Ergebnisse und zur Erweiterung der Perspektive im Hinblick auf das Konzept "European studies" beigetragen haben.
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Die letzte Sitzung war den Vereinsangelegenheiten der LVK gewidmet. Zunächst stellte Michael Menke den Finanzbericht des Geschäftsjahres 2002 vor und wurde einstimmig entlastet.
Finanzbericht:
Stand im November 2001: 503.291 Won (nicht 703.291, wie auf der Website steht)
Einnahmen:
Mitgliedbeiträge: 600.000
Spenden: 10.000
Anzeigen und DAAD: 1.573.000
Zinsen: 4.231
igs.: 2.187.231
Ausgaben:
Rundbrief (Druck, Versand, Material)
1.736.470
Website (zwei Jahre) 246.300
Bewirtung (VV, Redaktion) 239.600
igs.: 2.222.370
Stand am 6. Dezember 2002: 468.152 Won
Kai Rohs stellte das nächste Thema der DaF-Szene Nr. 17 vor (Einsendeschluss 15. April 2003): "Deutsches in Korea". Eingeladen sind dieses Mal besonders Beiträge, welche die Einflüsse Deutschlands in Korea in den Bereichen Geschichte, Kultur, Musik, Sprache, Politik usw. behandeln, aber natürlich auch wie immer Beiträge, welche unsere Arbeit und Arbeitsbedingungen thematisieren.
Zuletzt fand die Vorstandswahl statt: Folgender Vorstand wurde in geheimer Wahl turnusgemäß von den anwesenden Mitgliedern gewählt: Kai Köhler, Michael Menke, Klaus Polap, Kai Rohs, Mattheus Wollert.
Protokollführer: Thomas Schwarz und Mattheus Wollert