Übersetzung: Birke Dockhorn
Dieser Artikel erschien unter dem Titel "Uri-nun kyosu anin tumyongin'gan-in'ga?" in der Zeitschrift "Sisajonol", Nr. 933, am 11. September 2007. Es geht darin um die Arbeitsbedingungen für ausländische Professoren an einigen koreanischen Universitäten. Der Originalwortlaut "ausländische Professoren" wurde in der Übersetzung auch beibehalten, obwohl er im weiteren Sinne auch ausländische Lehrkräfte ohne Professorenstatus an koreanischen Universitäten betrifft. Wir fanden es wert, ihn hier zu veröffentlichen. Die Veröffentlichung geschieht mit freundlicher Genehmigung des Autors. Er hofft, dass sein Artikel ein Anstoß zur Diskussion und letztendlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen für ausländische Professoren in Korea sein kann.
Ausländische Professoren an koreanischen Universitäten: Sie haben kein eigenes Büro zum Arbeiten, sie nehmen nicht an Versammlungen teil - und eine Festanstellung ist noch in weiter Ferne
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"Wir sind keine wirklichen Menschen." Mit diesen Worten beschreiben ausländische Professoren, die an koreanischen Hochschulen arbeiten, sich selbst als "Phantome". Sie sind zwar als Arbeitskräfte in den regelrechten Universitätskursen angestellt und unterrichten Studenten, aber weil sie Ausländer sind, werden sie nicht so freundlich aufgenommen, wie es sich eigentlich gehört. Angefangen bei der Organisation von Studienangelegenheiten, ist es im Betrieb der Abteilungen normal, dass sie völlig ausgeschlossen und - salopp gesagt - als Outsider abgestempelt werden. Obwohl sie Fachkräfte auf Magister- und Doktorniveau sind, behandelt man sie wie Muttersprachler in einer privaten Sprachschule. Die Zahl der ausländischen Professoren, die bei solch einem Desinteresse Korea verlassen wollen, nimmt zu, und das Motto der Behörden, nämlich ausländische Kräfte anzuziehen und damit die koreanischen Hochschulen zu internationalisieren, bleibt eine leere Phrase.
Ferguson (Name geändert), den ich am 28. August an der Seouler Y.-Universität getroffen habe, offenbarte, dass das Leben als Professor in Korea nicht so glatt verläuft. Auf meine Frage hin, ob wir uns nicht in seinem Büro unterhalten könnten, verhärteten sich seine Züge. Denn er hat kein eigenes Büro. Er, der an einer amerikanischen Universität seinen Doktorgrad erworben hat, fing vor 8 Jahren an dieser Universität an und ist jetzt als Assistenzprofessor in der Englischen Abteilung tätig. Er sagte: "Weil Haar- und Hautfarbe anders sind, arbeiten wir zu schlechteren Konditionen, und das ist ärgerlich. Ein koreanischer Professor, der später als ich gekommen ist, hat ein eigenes Büro. Im Fall der ausländischen Professoren müssen mehrere Leute ein Büro zusammen nutzen."
"Das Niveau an koreanischen Hochschulen ist fragwürdig"
Ich bin ihm in ein solches Büro gefolgt, das die ausländischen Professoren gemeinsam nutzen. In einem Raum von der Größe eines Unterrichtsraums standen dicht gedrängt Schreibtische und Stühle, dazwischen Trennwände. In diesem Büro, das genau wie ein Lesesaal wirkt, machen mehr als 20 ausländische Professoren ihre Unterrichtsvorbereitung. Auf den Schreibtischen stehen auch keine Computer und Telefone. Kennis (Name geändert) erzählte: "Trotzdem haben es die Professoren des Englisch-Bereichs eher gut. Professoren aus Fächern, die weniger populär sind, wie z.B. Vietnamesisch oder Spanisch, arbeiten zusammen in einem Büro mit Professoren anderer Fächer und müssen deshalb noch größere Unannehmlichkeiten ertragen." Dazu komme, dass sie dieses gemeinsame Büro nicht so nutzen dürfen, wie sie gern wollen. Denn abends um ungefähr 22:00 oder 23.00 Uhr wird alles abgeschlossen. Veronica (Name geändert) fügte hinzu: "Obwohl ich gern bis spät abends forschen oder lernen würde, werde ich woandershin vertrieben. Das Niveau der koreanischen Hochschulen ist wirklich zweifelhaft."
Als ich vier andere Hochschulen in Seoul besuchen und die wahre Sachlage erfahren wollte, machten die ausländischen Professoren einen äußerst vorsichtigen Eindruck. Sie schienen zu befürchten, dass ihre Namen bekannt würden und ihnen deshalb von Seiten der Universität vielleicht Nachteile entstehen könnten. Als dann aber das Interview mit den Professoren, die ich am Ende einiger überzeugungsrunden traf, begann, schütteten sie mir Sorgen aus, die sie lange unterdrückt hatten und über die sie nie so richtig reden konnten.
Die ausländischen Professoren, die ich an der Seouler K.-Universität traf, äußerten ihre Unzufriedenheit vor allem damit, dass sie nicht angemessen freundlich aufgenommen werden. Juli (Name geändert), promoviert in Deutscher Literatur, sagte: "Nicht alle, aber die Mehrzahl der ausländischen Professoren, die an koreanischen Hochschulen arbeiten, wollen genauso wie die Koreaner behandelt werden. Eine bessere Behandlung als diese erwarten wir gar nicht."
Gleiches gilt für die ausländischen Professoren an anderen Seouler Hochschulen. Der an der Y.-Universität seit 8 Jahren tätige Markus (Name geändert) sagte: "Ich habe nicht ein einziges Mal die Aufforderung bekommen, an einer Versammlung der Professoren teilzunehmen. Denn ich bin Ausländer. Ich verlange nicht einmal ein eigenes Büro. Ich wünsche mir nichts anderes, als dass man die Ausländer nicht so isoliert wie im Falle der Versammlungen. Ich wünsche mir, dass man über uns denkt, dass auch wir den Koreanern gleichwertige Kollegen sind."
Ein gewisser Professor Lee der K.-Universität gab zu, die ausländischen Professoren nicht zu Versammlungen innerhalb der Universität einladen zu können. Er sagte: "Wir fordern die ausländischen Professoren nicht auf, an Versammlungen oder ähnlichem teilzunehmen. Wir können auch nicht für eine Minderheit ausländischer Professoren die Versammlungen auf Englisch durchführen. Wenn wir aus diesem Grund aber Koreanisch reden, haben die ausländischen Professoren das Gefühl der Vernachlässigung. Und so wird das Verhältnis distanziert, und wir fordern sie nie auf an Veranstaltungen teilzunehmen." Nach Aussage dieses Professors wird ausländischen Professoren von Seiten der Hochschule überhaupt kein Verständnis zuteil.
Alex (Name geändert) aus Deutschland erhielt vor kurzem eine einfache offizielle Ankündigung, dass das System der Parkgebühren geändert worden sei, und er schwitzte Blut und Wasser. Dieser Professor, der kein Koreanisch lesen kann, hatte keine Möglichkeit herauszufinden, was der Inhalt dieser offiziellen Mitteilung war. Er sagte: "Ich dachte, dass es sich um ein Schriftstück handelte, das beispielsweise im Zusammenhang mit unserem Vertrag stand, und war ganz verwirrt. Alle offiziellen Schreiben der Universität sind nur auf Koreanisch, und Veranstaltungen werden nur auf Koreanisch durchgeführt. So nimmt man den ausländischen Professoren die Kompetenz sich beispielsweise an der Organisation der Universität zu beteiligen."
Die ausländischen Professoren sagten aus, dass sie wie muttersprachliche Lehrer an einer privaten Sprachschule behandelt werden. Es gebe von Seiten der Universität die Aufforderung, den Studenten nur die Sprache beizubringen, unabhängig von der jeweiligen Spezialisierung der Professoren. Und es gab auch Professoren, die sagten, dass sie sich deshalb oft genauso fühlten wie ein Lehrer an einer privaten Sprachschule.
Weil sie kein Koreanisch oder Hangul können, ist die Diskriminierung noch schlimmer
Die ausländischen Professoren sagten, dass sie sich sowohl bei der Zahl der Unterrichtsstunden als auch beim Gehalt diskriminiert fühlten. Der an der S.-Universität arbeitende Gabriel (Name geändert) sagte: "Die Zahl der Wochenstunden koreanischer Professoren beträgt im Durchschnitt sieben Stunden pro Woche, die der ausländischen Professoren aber mindestens 12 Stunden." Professor Karlsen (Name geändert) von der Y.-Universität versicherte: " Ich kann keinen genauen Betrag nennen, aber auch beim Gehalt gibt es Unterschiede. Ich bekomme im Vergleich zu den koreanischen Professoren auf der gleichen Stufe eines Doktortitels weniger Gehalt, obwohl ich schon länger hier bin. Darüber hinaus erhalten, soviel ich weiß, die koreanischen Professoren Zulagen in Form von Forschungsgeld. Doch von den ausländischen Professoren erhält meines Wissens nach nicht ein einziger Bonuszahlungen. Die koreanischen Professoren bekommen jede Art von Zulagen, aber für die ausländischen Professoren ist das wie ein Traum." Professor Michelle (Name geändert), dessen Spezialgebiet australische Literatur ist, sagte: "Es gab auch einen Professor, der 20 Stunden pro Woche gearbeitet und dafür ein Monatsgehalt von 2.200.000 Won erhalten hat. Er war mit seinem Gehalt unzufrieden und ist wieder in die USA zurückgegangen."
Die ausländischen Professoren schließen mit den Hochschulen Verträge ab, je nach Hochschule in Einheiten von 2 bis 4 Jahren. Aber sie sagten, dass sie wegen des Vertragsinhalts oder der Zeit der Anstellung entsprechende Nachteile hätten. Josephine (Name geändert), die an der Y.-Universität französische Literatur unterrichtet, sagte: "Es passiert häufig, dass der Vertrag drei Tage vor Semesterbeginn unterschrieben wird. Wenn man in dieser Zeit den Vertrag nicht unterschreiben kann, muss man sofort das Land verlassen. Es wäre schön, wenn man die Zu- oder Absage für einen neuen Vertrag mindestens einen Monat vorher beschließen würde. An eine garantierte Anstellung können wir nicht einmal denken." Und Miflin (Name geändert) offenbarte: "Auch der Vertragsinhalt ist sehr einfach. Auf einer A4-Seite stehen die Vertragszeit und das Jahresgehalt sowie das Datum, das ist alles. Es vermittelt das Gefühl eines Dokuments, das direkt für einen Sklaven geschrieben wurde und nicht für einen Professor, dem Respekt entgegengebracht wird."
Ob die Regierung wohl von diesen Sachverhalten weiß? Der Verantwortliche für Hochschulpolitik im Erziehungsministerium sagte aus: "Soviel ich weiß, wird die Anstellung und Verwaltung der ausländischen Professoren nach Regeln verwirklicht, die in jeder Hochschule selbst festgelegt werden." Diese Erklärung besagt, dass das Problem der ausländischen Professoren der Autonomie jeder Hochschule überlassen ist.
Erziehungsministerium: "Die Behandlung ist Sache der Universitäten"
Aber obwohl die betreffenden Universitätsverwaltungen von diesen Sachverhalten wissen, vertreten sie den Standpunkt, dass man nichts dagegen tun kann. Chong Kyong-won, der Leiter des Amtes für akademische Angelegenheiten der Hankuk Universität für Fremdsprachen (Hankuk University of Foreign Studies), an der unter den insgesamt 505 Professoren 113 ausländische sind, sagte: "Die ausländischen Professoren wollen keine verantwortungsvollen Posten übernehmen. Deswegen kann sich die Behandlung der ausländischen Professoren von der der koreanischen Professoren unterscheiden, aber in Zukunft wird sich das bessern." Hong Chong-hwa, Leiterin des Amtes für akademische Angelegenheiten an der Yonsei-Universität, an der unter den 800 Professoren 61 ausländische Professoren eine Stelle innehaben, sagte: "Alles in allem müssen die ausländischen Professoren Unannehmlichkeiten aufgrund kultureller Unterschiede erleiden. Wir müssen das Verhältnis zu den koreanischen Professoren harmonisch beeinflussen." Und es ist Realität, dass man an einigen Universitäten die Zahl der ausländischen Professoren nicht einmal erfasst hat.
Immer mehr ausländischen Professoren wollen angesichts dieser Verhältnisse Korea verlassen. Frau Hong von der Yonsei-Universität gab an: "Es gibt auch Professoren, die nach einem Semester (sechs Monaten) gehen. Die Tatsache, dass die ausländischen Professoren nicht einträchtig mit unseren koreanischen Professoren arbeiten, ist das größte Problem." Peterson (Name geändert), der an der Y.-Universität tätig ist, sagte: "Wenn im nächsten Jahr mein Vertrag endet, dann werde ich gehen, auch wenn die Uni mir vorschlägt, den Vertrag zu erneuern."
Es gibt auch Professoren, die ungeachtet dessen bleiben wollen. Anderson (Name geändert), sagte: "Ich bin bezaubert von den leidenschaftlichen Studenten. Deswegen ist in mir der Wunsch entstanden, hier in Korea zu unterrichten. Und außerdem lebe ich lieber in Korea, weil die Steuern und Preise niedriger sind als in den USA."
Die ausländischen Professoren, die ich zum Interview traf, lobten, dass Universitäten wie die Sogang-Universität oder die Hanyang-Universität gute Universitäten seien, an denen es eine gleichberechtigte Behandlung gebe. Kim Myong-su, geschäftlicher Leiter der Sogang-Universität, sagte: "Was das Jahresgehalt und das eigene Büro angeht, so gibt es keine großen Unterschiede zwischen den koreanischen und den ausländischen Professoren. Außerdem verteilen wir auch zu Versammlungen vorher ein Flugblatt in der Fremdsprache, so können die ausländischen Professoren aktiv teilnehmen."
Das Erziehungsministerium hat vor kurzem erklärt, dass es entsprechend den Richtlinien zur Globalisierung der Hochschulbildung beschlossen habe, im Jahr 2008 ungefähr 10mal so viel ausländische Professoren für staatliche und städtische Hochschulen auszuwählen als gegenwärtig beschäftigt sind. Aber eine solche Politik scheint in den Augen ausländischer Professoren nichts Besonderes zu sein. Wo man sie einfach wie muttersprachliche Lehrer an Privatschulen behandelt und sie von der wissenschaftlichen Forschung völlig entfremdet, stellt sich die Frage, welche Hilfe sie bei der Internationalisierung sind. Sie sagten: "Die alleinige Erhöhung der Anzahl der ausländischen Professoren, bei der man sie nicht als Kollegen sieht, ist den Universitäten überhaupt keine Hilfe[mm1]. Wenn die Regierung und die Hochschulen eine solche Politik begrüßen, haben wir die Befürchtung, dass man schnell auch unqualifizierte Professoren anstellt."
Ein Professor Oh der Seouler K.-Universität betonte: "Um ausländische Professoren von guter Qualität zu einzustellen, müssen wir das Niveau der Behandlung, wie z.B. das Gehalt, gegenüber dem jetzigen Stand deutlich erhöhen. Außerdem müssen wir nicht nur Professoren aus den englischsprachigen, sondern auch aus den nicht-englischsprachigen Ländern berufen. Beispielsweise gehen Professoren aus dem für IT berühmten Indien in die USA. Eigentlich müssen unsere Universitäten diese hochwertigen Professoren aufnehmen."
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