„Hiiiiiiiiiii! Where are you from? What‘s your name?”
Nein, nicht schon wieder! Aber da bin ich auch schon eingekreist! Vielleicht fünf koreanische Kids zwischen 10 und 13. Nach kurzen Antworten kann ich mich aus dem Hof verdrücken und nehme den Aufzug zurück in die Wohnung. Huh, nochmal davongekommen.
Szenen wie diese gibt’s immer dann, wenn ich die Wohnung verlasse, um auf dem
Hof Fußball zu spielen. Viel länger als fünf Sekunden dauert es nicht, bis man
entdeckt wird und wie ein Affe im Zoo bestaunt wird. Spaß macht das nicht, aber
da werde ich nicht der einzige Ausländer sein, dem es so geht. Auf jeden Fall
war dies eine Szene, die es schon ein paar Mal in meiner Freizeit gab.
Der Hof ist also gesperrt, das heißt, es gibt nur noch die Wohnung! Also ran an den Computer und chatten, im Internet surfen oder heimlich spielen (kleiner Scherz) oder lesen, rumhängen oder Gitarre üben. Ich liebe meine Freizeit ;(! Dann darf man natürlich noch für die Eltern die Spülmaschine ausräumen oder Wäsche auf- und abhängen. Na gut, da sind ja auch meine Shirts dabei.
Das war so die grandiose Freizeit durch die Woche. Am Wochenende ‘darf‘ ich dann sogar noch Latein machen (na gut, muss halt sein) und ab und zu werd ich noch auf einen Hügel geschleift (das muss nicht sein!!!). Dafür gibt’s am Wochenende aber auch Spielabende (Siedeln!!!) oder Videogucken (Der Pate!!!), oder man geht ins Kino oder Restaurant! Das ist doch schon etwas besser, auch wenn es meine Eltern wenig interessiert, wenn ich nicht schon wieder grillen, Bulgogi oder sonst was Koreanisches essen will. „Dann gehen wir eben zum Chinesen, ok?“ „Hm, wie wär‘s mit Burger King?“ Außerdem kann ich auch noch Computer spielen an den Wochenenden.
Was ich so von Freunden gehört habe, hängen die auch viel rum, essen Pizza und spielen ausgiebig Computer. Auch nicht besonders toll!
In Deutschland bin ich zwar auch rumgehangen, aber da gab‘s Schwimm- und Fußballtraining, und Partys am Abend in der Schule. Meistens habe ich aber in der Woche oder am Wochenende einfach Freunde getroffen oder bin raus in den Garten.
Das ist hier nicht so einfach, weil es keinen Fußballverein gibt und die wenigen anderen Jungs (in meiner Klasse ist nur noch einer) relativ weit weg wohnen. Zur Not ginge es schon, und wir haben uns auch schon einige Male getroffen, aber es ist halt immer umständlicher als einfach aufs Fahrrad und los. Wenigstens gibt es hin und wieder mal eine Party in der Schule wie jetzt an Halloween.
Naja, lässt sich hier schon aushalten, aber Deutschland ist irgendwie besser…
Bildunterschrift: Noch 20 Sekunden bis zum ersten "Hiiiiiiiiiiii!"
Copyright © 2007 by Nicolas Gundlach