Sprachprüfungen dienen zum Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen - für den Sprachlerner selbst, aber auch für andere. Auch Institutionen und Arbeitgeber möchten oft gern offiziell wissen, welche Sprachkenntnisse der jeweilige Bewerber besitzt. Die Prüfungen des Goethe-Instituts besitzen dabei einen hohen Stellenwert und Bekanntheitsgrad, und es gibt an einigen koreanischen Universitäten Bestrebungen, das Bestehen einer Prüfung wie dem Zertifikat Deutsch (ZD) zur Voraussetzung für den Studienabschluss zu machen. Andere angesehene Universitäten entwickeln gern ihre eigenen Prüfungen und erkennen dann bei Bewerbungen und Studienabschlüssen auch nur diese an. An unserer Universität, der Hankuk University of Foreign Studies (HUFS), wird der Test "Foreign Language Examination" (kurz: FLEX) erstellt. Er ist insofern etwas Besonderes, als dass er in Korea einen recht hohen Status als staatlich anerkannter Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen bei Unternehmen und Institutionen genießt. Wenn man sich über wichtige Deutschprüfungen in Korea informieren möchte, muss man also auch den FLEX berücksichtigen.
An dieser Stelle soll ein kurzer Überblick über den FLEX gegeben werden.[1] Das ist vielleicht interessant für deutsche Lektoren, für die der Zugang zu Informationen über den FLEX beschwerlich ist, weil fast alle Informationen nur auf Koreanisch vorhanden sind.[2]
Was nicht vorgenommen werden soll, ist eine genauere Analyse und Kritik der Prüfungsaufgaben und ein Vergleich mit anderen Prüfungen. Das würde zu weit führen und wird zu einem späteren Zeitpunkt angebracht sein. An dieser Stelle soll es tatsächlich erst einmal nur um eine möglichst konkrete Darstellung dessen gehen, was der FLEX ist, welchen Stellenwert er in Korea besitzt, an welche Zielgruppe er sich wendet und wie er konkret aufgebaut ist.
Anbieter des FLEX
Der FLEX wird seit 1997 von der Hankuk Universität für Fremdsprachen (Hankuk University of Foreign Studies) entwickelt und durchgeführt. Er findet regelmäßig an vier Terminen im Jahr statt, dazu kommt einmal im Jahr eine "Schüler-Variante", der Junior-Flex. Es gibt den Test für Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Russisch, Japanisch und Chinesisch. Nach den Informationen auf der FLEX-Homepage ist er seit dem 13.4.2007 vom Erziehungsministerium als offizielle staatliche Prüfung anerkannt, allerdings bisher erst für Chinesisch und Japanisch. Dennoch wird er auch für die anderen Sprachen von Unternehmen und staatlichen Institutionen als Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen gefordert.
Stellenwert in Korea
Welchen Stellenwert der FLEX als offiziell anerkannte Sprachprüfung in Korea genießt, mögen folgende Zahlen für das Jahr 2006 verdeutlichen[3]:
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Prüfung |
Teilnehmerzahl |
Teilnehmer |
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FLEX (Deutsch) |
1000 (390 Oberschüler, 610 Studenten und Beamte) |
Schüler, Studenten, Angestellte und Beamte |
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Junior-FLEX (Deutsch) |
72 |
Schüler |
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ZD |
25 (Korea-Universität) ein paar 100 (Goethe-Institut) |
Studenten |
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TestDaF |
136 |
Studenten |
2006 haben also in Korea wesentlich mehr Leute am FLEX (Deutsch) teilgenommen als an anderen Deutsch-Prüfungen. Auch wenn sich vielleicht die Zahlen für ZD und TestDaF deutlich erhöhen werden - das wird wahrscheinlich auch für den FLEX gelten. Gründe dafür liegen in der Anerkennung des Tests, auf die ich im Folgenden komme.
Anerkennung
Anerkannt wird diese Prüfung natürlich von der Hankuk Universität für Fremdsprachen. Wenn sich Oberschüler um einen Studienplatz bewerben wollen, ist die Prüfung in einigen Fächern (z.B. Deutsch) neben anderen Nachweisen wie dem Schulzeugnis, dem Ergebnis der Zentralen Hochschulzugangsprüfung und einem Aufsatz zu einer bestimmten Fragestellung Voraussetzung für die Bewerbung. Bereits immatrikulierte Studierende müssen den FLEX ablegen, wenn sie sich um einen Auslandsstudienplatz bewerben wollen. Und auch für den Studienabschluss wird der Test immer interessanter: Bisher war es so, dass Studierenden bei einem guten Testergebnis einige sprachpraktische Abschlussprüfungen erlassen wurden. Seit dem letzten Jahr allerdings ist für alle Absolventen eine Mindestpunktzahl von 500 Punkten im Hör- und Leseverständnis Voraussetzung für den Abschluss ist (zum genauen Aufbau und der Punkteverteilung siehe weiter unten).
Was die Anerkennung an anderen Schulen und Universitäten betrifft, so liegen mir keine gesicherten Informationen vor. Eventuell ist der FLEX auch dort als Nachweis von Sprachkenntnissen anerkannt. Das Vorwort des Vorbereitungsbuches jedenfalls gibt an, dass "das Ergebnis dieser Prüfung an vielen koreanischen Universitäten und natürlich auch in verschiedenen öffentlichen Einrichtungen und Betrieben als äußerst umfassendes und genaues Zeichen für Fremdsprachenfähigkeiten anerkannt wird".[4]
In Institutionen wie Regierungsorganen, öffentlichen Organen, Konzernen und Unternehmen wird der FLEX anerkannt, wenn Mitarbeiter oder Beamte ins Ausland entsendet werden sollen, wenn Angestellte oder zu ernennende Angestellte ihre Sprachkenntnisse beispielsweise für eine Beförderung nachweisen müssen.
Zielgruppe
Die Adressaten des FLEX lassen sich also grob in drei große Gruppen einteilen:
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Adressaten |
Ziele |
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Schüler (von Fremdsprachenoberschulen, viele davon haben in Deutschland gelebt) (FLEX und spezielle Variante Junior-Flex) |
individueller Sprachkenntnistest für die Schüler selbst Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen an ihrer Schule Bewerbung an der HUFS (und eventuell auch an anderen Unis) |
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Studenten der HUFS |
individueller Sprachkenntnistest für die Studenten selbst Bewerbung um ein Auslandsstudium Voraussetzung für den Abschluss an der HUFS |
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Beamte und Angestellte |
Nachweis von Sprachkenntnissen bei Bewerbungen, Beförderungen, Entsendung ins Ausland |
Aufbau, Inhalte und Niveaustufe
Der FLEX als Werkzeug, das die vier Techniken, aus denen Fremdsprachenbeherrschung besteht, nämlich Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben, gemeinsam prüft, besteht im Groben aus einer Prüfen der Verstehensleistung und einer Prüfung der Ausdrucksleistung. Die Prüfung der Verstehensleistung unterteilt sich noch einmal in Hören und Lesen, und der Test für den Ausdruck unterteilt sich in die Bereiche Sprechen und Schreiben.[5]
Praktisch besteht der FLEX aus drei Teilen, für die jeweils eine extra Prüfung durchgeführt wird:
Hörverständnis (55 Fragen) + Leseverständnis (95 Fragen), Sprechen (7 Fragen), Schreiben (8 Fragen). Für alle drei Teile muss extra gezahlt werden, und der wichtigste Teil ist die Verstehensleistung, also der Teil Hören und Lesen. Der ist Pflicht. Sprechen und Schreiben sind freiwillig und müssen nicht unbedingt abgelegt werden. Sie können aber auch nicht allein gemacht werden, sondern immer nur als Ergänzung zum Hauptteil Hören und Lesen. Insgesamt gibt es 1500 Punkte für alle drei Teile, wobei der Teil Hörverständnis + Leseverständnis schon 1000 Punkte umfasst.
Die Prüfung zu den vier Teilen Hören, Lesen, Sprechen und Schreiben sieht konkret wie folgt aus:[6] Das Hörverständnis besteht aus insgesamt 4 Abschnitten. In Abschnitt I werden von muttersprachlichen Sprechern gesprochene Frage- oder Aussageformeln präsentiert, die der Alltagssprache entstammen. Dazu werden jeweils drei Reaktionen gesprochen. Der Prüfling hört alles an und wählt dann die passende Antwort aus. In Abschnitt II hört man zunächst Gespräche aus dem alltäglichen Leben, liest dann die Frage und die Antworten und kreuzt dann passende Antwort an. In Abschnitt III kommt es zum Hören von längeren Gesprächen zwischen zwei Sprechern. Bei diesem Teil muss man ebenfalls, nachdem man die Gespräche gehört hat, die Frage und die Antworten lesen und die passende Antwort wählen. Beim Abschnitt IV hört man verschiedene gesprochene Texte[7] wie hinterlassene Nachrichten, Fernsehnachrichten, Werbung, Vorträge, Diskussionen oder Texte aus dem Geschäftsalltag, liest dann die Frage und wählt die passende Antwort aus.
Das Lesen wird ebenfalls in vier Abschnitte unterteilt. Abschnitt V testet mittels Fragen verschiedener Schwierigkeitsgrade grundlegende Fähigkeiten der Grammatik und des Wortschatzes.
In Abschnitt VI sucht der Prüfling ähnliche Bedeutungen eines unterstrichenen Satzes oder einen Ausdruck, der einen bestimmten Teil am besten ersetzen kann. In Abschnitt VII wird ebenfalls die Beherrschung von Grundlagenkenntnissen getestet, indem man in einem Satz Fehler finden muss oder indem man unter mehreren Sätzen denjenigen auswählen muss, der Fehler enthält. Schließlich werden in Abschnitt VIII tiefer gehende Kenntnisse der deutschen Sprache getestet. Es werden dabei Texte mit den verschiedensten Inhalten präsentiert und Fragen dazu gestellt.
Das Sprechen als Prüfung für das Ausdrucksvermögen umfasst 7 Aufgaben und dauert ungefähr 10 Minuten. Im Großen und Ganzen gibt es drei Aufgaben-Grundformen. Einmal soll der Prüfling ungefähr eine Minute lang einen Sachverhalt darstellen, der ihm sehr vertraut ist, z.B. die Begrüßung oder ein privater Sachverhalt. Eine weitere Form sind Aufgaben, bei denen eine Minute lang einfache Situationen oder Tatsachen dargestellt werden sollen. Und weiterhin gibt es mehrere Fragen, bei denen ungefähr eine Minute lang ein Beweis geführt oder der eigene Standpunkt dargelegt werden soll.
Das Schreiben umfasst insgesamt 8 Aufgaben. Bei der ersten Aufgabenform handelt es sich um fünf Aufgaben, bei denen kurze koreanische Sätze in die Fremdsprache übersetzt werden. Weiterhin soll man bei zwei Aufgaben seine eigene Meinung darlegen, und zum Schluss muss man zu einem bestimmten Thema einen Aufsatz verfassen
Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf folgenden Themen: Alltagssprache (Briefe, E-Mails, Mitteilungen), Alltagsschriften (Schriftstücke, Gebrauchsanweisungen, Werbezettel, Reiseprospekte, u.a.), Sprache in den Medien (Zeitungen, Magazine, Fernsehsendungen u.a.), Internetbezogene Sprache, praktisch-berufliche Sprachkenntnisse: a) theoretisch-wissenschaftsorientierte Sprachkenntnisse (Auslandsstudium, Seminararbeiten, Lehrbücher, Aufsätze, Rede, Berichte u.a.) und b) geschäftsorientierte Sprachkenntnisse (Schriften in Bezug auf den internationalen Verkehr wie Außenhandel usw., internationale Abkommen, Verträge, geschäftliche Verhandlungen bzw. Beratungen).
Es ist nicht so leicht, die Niveaustufe des FLEX zu bestimmen. Offiziell haben die Fragen Schwierigkeitsgrade von leicht bis schwer, aufgrund der Inhalte jedoch sollten die Lerner jedoch meines Erachtens eigentlich mindestens das Niveau B1 haben, zumindest für die Abschnitte I-IV sowie VIII.
Probleme
Es wäre sicher wünschenswert gewesen, hier auch ein paar Beispielaufgaben anzuführen, um ein noch genaueres Bild davon vermitteln zu können, wie der FLEX aussieht. Aber auch so wird hoffentlich deutlich, wie diese Sprachprüfung vor sich geht und dass der Hauptakzent auf der Verstehensleistung liegt. Das ist nicht das einzige Problem. Ein anderes Problem liegt aus meiner Sicht darin, dass es kaum eine Anbindung an Lehrbuch- oder Unterrichtsinhalte gibt, zumindest bei den Abschnitten I-IV des Hörverständnisses sowie dem Abschnitt VIII. Durch die fehlende Orientierung an einem Referenzrahmen schwankt das Niveau trotz sorgfältiger Erstellung und anschließender gründlicher überarbeitung durch eine Korrekturkommission. So kann es passieren, dass die geforderten 500 Punkte einmal extrem schwer, ein anderes Mal sehr leicht erreichbar sind.
Eine weitere Schwierigkeit aus Sicht einer angemessenen Prüfung und aus Sicht der Relevanz zum Unterricht besteht außerdem darin, dass kein kulturelles Kontextwissen gefordert wird und alle Informationen direkt den Texten entnehmbar sein müssen.
Schlussbemerkung
In einer weiteren Auseinandersetzung mit dem FLEX wird es notwendig sein, mehr statistisches Material auszuwerten um beispielsweise zu erfahren, wieviel Teilnehmer nur die Prüfung zum Hör- und Leseverständnis ablegen und wer sich auch den Aufgaben zum Sprechen und Schreiben stellt. Ebenfalls interessant wird es sein, in einem weiteren Schritt Vergleiche zum Testverfahren und zu den Aufgabenstellungen anderer Prüfungen wie dem ZD anzustellen. Eine Analyse hinsichtlich des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens ist ebenfalls unerläßlich. Dann wird man eventuell auch feststellen können, auf welcher Niveaustufe der FLEX im Vergleich zu anderen offiziellen Deutschprüfungen wirklich steht und welche Veränderungen gegebenenfalls notwendig wären, um ihn zu einem Test zu machen, der auch im internationalen Vergleich eine genaue Vorstellung von den Fremdsprachenkenntnissen der Lerner zu geben vermag.
Literatur:
- Lim Woo-yong (Hrsg.) (2007): "FLEX togirŏ". 2.Aufl., Seoul: Han'guk woegugŏ taehakkyo ch'ulp'anbu
- Hankuk University of Foreign Studies: "FLEX, Foreign Language Examination", <http://builder.hufs.ac.kr/user/flex>, 19.11.2007
[1] Dieser Artikel wurde von der Hankuk University of Foreign Studies unterstützt. Das möchte ich nicht als Werbung für den FLEX missverstanden wissen. Die Tatsache, dass der FLEX an unserer Universität und sogar von meinen Kollegen und mir erarbeitet wird, ist hier insofern von Bedeutung, als dass ich wahrscheinlich leichter Informationen sammeln konnte, nämlich vom Testzentrum unserer Universität und von meinen Kollegen.
[2] Die zwei Hauptinformationsquellen für den FLEX sind einmal die Internetseite unserer Universität zum FLEX <http://builder.hufs.ac.kr/user/flex> (letzter Zugriff am 19.11.2007), erreichbar auch über die Eingangsseite der HUFS <http://hufs.ac.kr> sowie das folgende Buch zur Vorbereitung auf den Test: Lim Woo-yong (Hrsg.) (2007): "FLEX togirŏ". 2.Aufl., Seoul: Han'guk woegugŏ taehakkyo ch'ulp'anbu
[3] Diese Informationen habe ich im Juni 2007 für einen Vortrag zusammengetragen. Für die Bereitstellung danke ich dem TestDaF-Zentrum in Hagen, der damaligen Deutschlektorin an der Korea-Universität Andrea König, dem Goethe-Institut Seoul (das mir allerdings keine ganz genauen Auskünfte geben wollte) und dem Testzentrum an der Hankuk University of Foreign Studies Seoul. Für 2007 liegen mir noch keine aktuellen Zahlen vor.
[4] Vgl. Lim (2007:3)
[5] Vgl. Lim (2007:4)
[6] Vgl. Lim (2007:6f.)
[7] Allerdings handelt es sich hier wie auch bei den Gesprächen der Abschnitte I-III nicht um Originaltexte. Alle Gespräche und Texte für das Hörverständnis werden von uns zusammenhängend im Studio aufgenommen.
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