Herr Wagner, wie und wann kamen Sie nach
Korea?
Vor 22 Jahren versetzte mich der Germanische Lloyd als Leiter der damaligen Inspektion für Korea nach Busan. Wir waren damals gerade einmal sechs Mitarbeiter. Nach den Vorstellungen und Anweisungen meiner Vorgesetzten in Hamburg sollte ich – wie es hieß – die „Aktivitäten bei den Besichtigungen für fahrende Schiffe“ vergrößern und auch Schiffsneubauten anstoßen. Beide Ziele konnten wir erreichen: Das heutige Area Office in Busan kontrollierte den Neubau der größten Containerschiffe und stärksten Schiffsdiesel in unserer Gesellschaft. So ist es kein Wunder, dass wir firmenintern auch beim Umsatz vorne lagen.
Haben Sie sich schon immer für den Schiffbau interessiert?
Als Schüler war ich einmal auf Klassenfahrt in Hamburg. Dort habe ich im Hafen den größten Tanker der Welt gesehen und war fasziniert. Später bin ich zur See gefahren und landete schließlich im internationalen Schiffbau, hauptsächlich in den ehemaligen Ostblock-Staaten und in der VR China, dann in Korea.
Das Kerngeschäft beim Germanischen Lloyd erledigen die so genannten Schiffsbesichtiger. Was „besichtigen“ die da eigentlich?
Es gibt Besichtiger für Schiff- und Maschinenbau, für Elektrotechnik und auch für Material. Die sehen sich genau an, was in der Produktion eingesetzt wird, prüfen die Produkte und erstellen dann ein Zertifikat. Dementsprechend hat ein Besichtiger großen Einfluss auf die Produktion. Sein Urteil bestimmt, ob das Produkt mit dem notwendigen Zertifikat an den Abnehmer ausgeliefert werden kann. Damit kommt dem Besichtiger eine entscheidende Position und Funktion in der Kette von Schiffbau und Zulieferbetriebe zu.
Ist es aus Ihrer Sicht einfach, sich als ausländische Firma in Korea zu etablieren?
Vor allem in einem Bereich, in dem auch koreanische Unternehmen tätig sind, war und ist es für eine ausländische Firma nicht immer einfach. Das hat sich aber etwas geändert, seit das Lohn- und Gehaltsniveau an den ausländischen Standorten denen in Korea angenähert wurde und dementsprechend auch ausländische Produkte zu günstigeren Konditionen angeboten werden konnten. Auch die Rechtspraxis und die gewerkschaftlichen Aktionen unterscheiden sich teilweise deutlich von der Situation in Deutschland.
Sie sind jetzt seit über 20 Jahren in Korea. Welche drei Dinge gefallen Ihnen besonders gut?
Die teilweise praktizierte Sauberkeit im öffentlichen Leben und auch die Möglichkeit, mit Hilfe von halbstaatlichen Institutionen sein persönliches Wohlbefinden zu erreichen. Und schließlich ist die Kriminalität doch recht niedrig.
Sie blicken auf eine lange und erfolgreiche berufliche Karriere zurück. Was blieb Ihnen besonders in Erinnerung?
Schwierigen Diskussionen folgten oft noch schwierigere Aktionen, wenn es darum ging, technische Änderungen durchzuführen und Beanstandungen zu beheben. Umgekehrt gab es ein sehr großes Engagement, wenn es galt, Dinge in Ordnung zu bringen, bevor ein finanzieller Ausgleich notwendig wurde. Sehr wohltuend war auch der allgemeine Wille zur Kooperation und die Bereitschaft, sich nach getaner Arbeit zusammen zu setzen und über etwas anderes als Arbeit zu diskutieren. Unvergesslich wird mir bleiben, wie hoch viele Koreaner die klassische deutsche Musik und Literatur schätzen und wie sie die deutsche Wiedervereinigung bewundern.
Was würden Sie jungen Menschen, die heute vor der Berufswahl stehen, mit auf den Weg geben?
Gehen Sie mehr nach Ihren Fähigkeiten als nach Ihren persönlichen Vorlieben! Sehen Sie sich auch genau die Zukunftsaussichten eines Bereichs an und machen Sie dann Praktika während des Studiums. Wenn Sie dann eine Position gefunden haben, achten Sie auf ein ehrliches Verhältnis zu Ihrem Betrieb, zu Ihren Vorgesetzten und zu Ihren Kollegen. Und schließlich: Mit einem Lächeln kommen Sie immer weiter als mit einem zu ernsten Gesicht.
Freuen Sie sich auf Ihr Leben nach dem Beruf und wo werden Sie es verbringen?
Oh ja, ich freue mich auf den Ruhestand, der aber durch weitere Verbindungen zu meiner professionellen Vergangenheit hoffentlich nicht ganz so ruhig wird. Ich werde mich in Thüringen niederlassen, der Heimat meiner Vorväter.
Heinz Wagner ist dem internationalen Schiffbau seit 1959 nach einer Berufsausbildung auf einer Werft, einem Ingenieursstudium und der Seefahrt verbunden. Seit dem Jahr 2005 ist er auch als Gastprofessor an der Korea Maritime Universität tätig. Er ist in zweiter Ehe mit einer Koreanerin verheiratet.
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