Carmen Menzel

Korea – Ein Erfahrungsbericht


Gemeinsam mit meinem Kollegen Hendrik Weiner war ich anderthalb Jahre an der Keimyung Universität in Daegu im Department of Visual Communication Design als Dozentin für Grundlagen des Kommunikationsdesigns und Design Management tätig.

Carmen Menzel

Unterrichtserfahrungen

Meine Zeit in Korea war für mich eine sehr positive Erfahrung und ich blicke insgesamt zufrieden zurück. Die Arbeit mit den koreanischen Studenten war – abgesehen von sprachlichen Schwierigkeiten – unkompliziert und erfrischend. Sehr angenehm war vor allem die Zuverlässigkeit in der Selbstorganisation der Studentenschaft. Informationen zu den Kursen verbreiteten sich wie von selbst und Organisatorisches wurde ohne Einwände zügig und unkompliziert geregelt. So konnten z.B. Projektausstellungen oder Wettbewerbe ohne größere Schwierigkeiten diszipliniert und in guter Stimmung vonstatten gehen, was einem die Arbeit wirklich unschätzbar erleichtert.

Zu Beginn meines Aufenthalts gab es Schwierigkeiten in der Kommunikation mit den Studenten, da meine Vorlesungen zunächst durch den Fachbereichsleiter und einem weiteren Kollegen aus einer anderen Abteilung – sicher gut zur Erleichterung beider Seiten gemeint – vom Englischen ins Koreanische übersetzt wurden und es verbunden damit einige inhaltliche Verluste gab, die für die jeweils zu bearbeiteten Aufgaben zu einigen Irritationen führten. Außerdem war durch die übersetzung kein unmittelbarer Kontakt zu den Studenten möglich. Das änderte sich zum Glück ab dem zweiten Semester und vereinfachte meine Arbeit erheblich. Anfangs gab es Berührungsängste von Seiten der Studenten, sei es aufgrund der Sprachbarriere oder aus Unsicherheit über die in Teilen ungewohnte Unterrichtsdidaktik. Doch nach und nach nahmen die Studenten das Angebot, eigene Entscheidungen für ihre Projekte treffen zu können, gerne an. Das eine oder andere persönliche Treffen mit den einzelnen Seminargruppen erleichterte zudem die Zusammenarbeit. Mir erschien eine persönliche Vertrauensbasis unerlässlich für das Gelingen meiner Kurse, um Berührungsängste und Vorbehalte so gering wie möglich zu halten. Per E-Mail hielt ich regelmäßigen Kontakt zu den Studenten und stellte Unterrichtsmaterialien web-basiert zur Nachbearbeitung zur Verfügung, um eventuelle sprachliche Defizite auszugleichen. Diese Angebote erwiesen sich als sehr hilfreich, was auch durch entsprechende Reaktionen der Studenten bestätigt wurde. Die Projektergebnisse waren trotz unterschiedlicher Auffassungen von Design, kultureller Unterschiede und Sprachschwierigkeiten wirklich gut und ich war manchmal überrascht, wie tapfer und fleißig die Koreaner die sich daraus ergebende Frustration überwunden und sich „durchgebissen“ haben. Die Arbeit mit den Studenten hat mir u.a. daher sehr viel Spaß gemacht. Arbeitseifer, Neugierde, Humor und freundschaftliche Gesten bleiben mir darüber hinaus in bester Erinnerung.

Die Zusammenarbeit innerhalb der Abteilung

Eine unmittelbare Zusammenarbeit mit den Kollegen fand leider nur in Teilen statt. Das lag zum einen sicher an sprachlichen Schwierigkeiten, da in den ersten beiden Semestern nur der Leiter der Abteilung Englisch sprach. Zum anderen schien unsere aktive Beteiligung an den Geschehnissen des Studiengangs nicht als notwendig angesehen zu werden. Im Wesentlichen hing die Unterstützung für unsere Aktivitäten von den Interessen des Abteilungsleiters ab. Da er uns persönlich wohlgesonnen war, hat er vor allem in finanzieller Hinsicht universitäre Projekte gefördert. Positiv war aber auch auf jeden Fall die freie Gestaltung der Unterrichtsinhalte, die wir eigenverantwortlich bestimmen konnten.

Zu Beginn unseres Aufenthaltes war es schwierig, Informationen zum Lehrprogramm zu erhalten. Denn aus unserer Sicht hätten sich durch bessere Absprachen von Unterrichtsinhalten viel Zeit und Missverständnisse vermeiden lassen. Da wir die ersten ausländischen Dozenten am College für Art und Design waren und entsprechende Erfahrungswerte zum Umgang miteinander fehlten, kann man darüber sicher in Teilen hinwegsehen. Den Arbeitsalltag hat die mangelnde Kommunikation allerdings nur unnötig erschwert. Denn auch trotz wiederholter vorsichtiger Nachfragen und wohlgemeinter Vorschläge verbesserte sich die Zusammenarbeit diesbezüglich leider nicht. Wir haben wirklich versucht, den Bitten um Verständnis für die koreanische Kultur zu entsprechen, aber eine professionelle Ebene internationaler Zusammenarbeit lebt wesentlich von dem wohlwollenden Verständnis von und für beide Seiten und Schwierigkeiten müssen dementsprechend auch von beiden Seiten aktiv angesprochen und geklärt werden. Persönliche Befindlichkeiten sind dabei auszuklammern. Alles andere verunsichert lediglich und wirkt vor allem frustrierend. Denn sicher ist man den koreanischen Kollegen auch ungewollt aus Unwissenheit das eine oder andere Mal „auf die Zehen getreten“, aber solche Fehltritte lassen sich für die Zukunft nicht vermeiden, wenn sie nicht angesprochen werden. Für eventuelle Entschuldigungen oder Klärung von Missverständnissen wurde damit kaum Raum geschaffen und man blieb oft etwas hilflos und unsicher über die Richtigkeit eigener Aktivitäten und Vorschläge zurück. Damit war das Kommunikationsproblem neben privaten Gründen, fehlenden Möglichkeiten der persönlichen, beruflichen Weiterbildung und des Wissensaustauschs auch schließlich der entscheidende Grund, Korea nach drei Semestern zu verlassen und die Verträge nicht wie angeboten zu verlängern.

Was die kulturelle Einbindung betrifft, so gab es vonseiten der Abteilung leider keine Unterstützung zum Erlernen des Koreanischen, obwohl die Keimyung Universität gute Programme zu koreanischer Kultur und Sprache für ihre ausländischen Dozenten bereit hält. Davon erfuhren wir allerdings erst drei Wochen vor unserer endgültigen Abreise. Denn der Campus des Colleges für Art und Design befindet sich nicht am selben Standort wie der Rest der Universität. Somit waren wir über Veranstaltungen oder Angebote dort meistens nicht informiert. Ohne die freundliche und umsorgende Unterstützung vor allem der Abteilung für deutsche Sprache und Literatur am Hauptcampus der Keimyung hätten wir vieles leider überhaupt nicht erfahren. 

Dennoch in guter Erinnerung bleiben einzelne Kollegen, die – wenn auch z.T. nicht des Englischen mächtig – mit ihrer Haltung und freundlichen Art ihre Sympathie uns gegenüber zum Ausdruck gebracht haben. Andere haben uns sehr unterstützt, indem sie Telefonate geführt, Probleme zu lösen geholfen oder einfach einmal ein nettes Gespräch mit uns geführt haben – von der großartigen koreanischen Gastfreundschaft ganz zu schweigen!

Positiv und unkompliziert war der Kontakt zu den höheren Verwaltungsebenen der Keimyung Universität. Generell kann man sagen, dass sich u.a. auch wegen der zunehmenden Internationalisierung ein Aufenthalt an der Keimyung Universität sicher lohnt. Die Arbeitsbedingungen sind hinsichtlich finanzieller und technischer Ausstattung sehr angenehm.

Administratives

Administrative Angelegenheiten waren unkompliziert, auch wenn in dieser Hinsicht die eine oder andere persönliche Hilfe vonnöten war, um an die richtigen Informationen oder Stellen heranzukommen. Eine umfassende Einführung in die Struktur der Universität hätte im Vorfeld sicher Abhilfe schaffen können. Aber gemäß der koreanischen Höflichkeit fühlte man sich stets gut aufgehoben und betreut, auch wenn einem nicht immer alles auf Anhieb klar war. Was die von der Universität gestellte Wohnung betraf, wurden wir gut und hilfsbereit durch die Hausmeister unterstützt.

Einige Unsicherheit gab es bezüglich vertraglich vereinbarter Arbeitsbereiche, in die wir dann doch nicht in der Weise wie erwartet involviert wurden. Dies bezog sich vor allem auf geplante internationale Kooperationen mit deutschen Hochschulen oder die aktive Teilnahme an Interna. Diesbezüglich hätten wir gerne mehr Unterstützung von unserer Seite eingebracht, als uns letztlich ermöglicht wurde. Rückblickend betrachtet kann dieser Umstand in so weit erklärt werden, dass wir im Kollegium vergleichsweise jung waren und es sicher einfach mehr Zeit gebraucht hätte, um eine stärkere Einbindung in diese Tätigkeiten auf einer tieferen Vertrauensbasis zu entwickeln. Andererseits muss man selbst schnell zu Ergebnissen gelangen, um sich persönlich und beruflich weiter entwickeln zu können. Den kulturellen Hintergrund (Ansichten, Ausbildung, Kontakte, etc.), den man mitbringt und der vonseiten der Uni erwünscht war, möchte man ja auch in positiver Weise einbringen.

Fazit

Abschließend betrachtet bereue ich meine Entscheidung – sowohl nach Korea zu gehen als auch es wieder zu verlassen – überhaupt nicht. Ich habe viele Erfahrungen sammeln können, die mir anderweitig verwehrt geblieben wären. Die koreanische Kultur hat tiefen Eindruck auf mich gemacht und das eine oder andere vermisse ich nach meiner Rückkehr nach Deutschland, vor allem Freunde, die ich in Korea gefunden habe.

Als Reiseland ist Korea ebenfalls sehr angenehm und macht einen sicheren und entspannten Eindruck. Man erreicht alles unkompliziert und schnell mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die herzliche Hilfsbereitschaft der Koreaner gibt einem immer das Gefühl, dass man nicht „unversorgt“ irgendwo stehen bleibt. In punkto Gastfreundschaft und Dienstleistung kann man viel Gutes von Korea lernen.

In bester Erinnerung jedoch bleiben mir vor allem die Koreaner selbst: Fremde, Freunde, Kollegen und vor allem meine Studenten. Ich habe mich nie einer unangenehmen Situation gegenüber gesehen und mich daher in Korea sehr wohl gefühlt. Die Schwierigkeiten im Arbeitsumfeld kann man im Wesentlichen auf mangelnde Kommunikation zurückführen. Das ist zum einen sicher eine kulturelle, zum anderen aber auch eine schlicht menschliche Frage, mit der man nicht „abrechnen“ sollte. Ich zumindest für meinen Teil schaue ohne einen nachtragenden Gedanken auf meine Zeit in Korea zurück. Im Gegenteil: Ich habe Chancen erhalten, die ich in Deutschland nicht so ohne weiteres gehabt hätte. Ich denke, als Ausländer hat man es in Deutschland in weiten Teilen sicher auch nicht leichter.


Copyright © 2007 by Carmen Menzel


DaF-Szene Korea Nr. 25

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