Nachdem sich das
Hilton 15 Jahre über deine Dienste freuen durfte, bist du jetzt Kochprofessor an
der Woosong-Universität in Seoul. Macht der Job Spaß?
Ja, ich unterrichte sehr gerne, und Kochen ist sowieso mein Hobby. Die Studenten sind auch wirklich sehr angenehm. Nur manchmal versuchen sie über die Noten zu verhandeln und fangen an zu weinen; da sag ich dann: "Bin ich eine Bank?”
Samstag und Sonntag bist du immer in der Metzgerei, die während der Woche von deiner Frau betreut wird. Was sind denn eurer Meinung nach die österreichischen Lieblingsspeisen der Koreaner?
Die meisten wollen zumindest einmal in ihrem Leben ein "Wiener Schnitzel” gegessen haben; sind beim ersten Anblick aber oft enttäuscht, weil sie es mit dem japanischen Tonkatsu verwechseln. Die Würste kommen natürlich sehr gut an; sie sind ja schließlich hausgemacht.
Die Koreaner "verzieren" ihre Würste normalerweise mit einer zentimeterdicken Ketchup- und Mayonnaiseschicht. Was sagst du dazu?
So was machen wir nicht, aber die Wurst soll jeder so essen, wie sie ihm am besten schmeckt. Nur Kimchi kommt mir nicht ins Haus. Wir haben hier Kimchiverbot!
Ich habe gehört, dass dein Gulasch im Salzburgerland recht berühmt war. Lässt sich so was Exotisches in Korea verkaufen?
Ja, sicher! Die Koreaner mögen Gulasch; es hat eine gewisse Schärfe, und das schmeckt ihnen natürlich.
Bei einer Besprechung anlässlich des Staatsbesuches hat der Herr Botschafter eine "echte Meili-Ente mit Rotkraut" aufgetischt. Wir haben uns alle gefragt, woher der Christian eigentlich seine Enten kriegt.
Na, von den koreanischen Metzgern! Ente ist ja auch in Korea eine Spezialität, nur wird sie hier ganz anders zubereitet. Am Staatsfeiertag und bei diversen anderen Anlässen in der Residenz stürzen sich die Auslandsösterreicher richtiggehend auf deinen – so nennen wir ihn – "Lebenskäse". Bernhard Vierthaler, der Leiter der Österreichbibliothek in Seoul, hat nach dem Verzehr von mindestens fünf großen Stücken einmal gesagt: "Ach, wenn der Leberkäse zur Delikatesse wird.... – danke lieber Meili!"
Was glaubst du, wie lange muss ein Ösi im Ausland gelebt haben, um die einheimische Küche so richtig zu schätzen?
Die eigene Küche vermisst man immer, und früher oder später landet jeder mal bei mir. Manche kommen schon in der ersten Woche, andere halten es länger aus.
Seit dem 28. April gibt es nicht nur die Metzgerei, sondern auch das erste österreichische Restaurant in Seoul – sogar mit Dachterrasse! Darf man auch dort mit einem vernünftigen Bierpreis rechnen?
Auf alle Fälle! – und mit authentischer Küche; es soll ja schmecken wie zu Hause!
Na, dann freuen wir uns auf die gemeinsamen Abende bei dir in Itaewon!
Das neue Restaurant befindet sich in Seoul, ein paar Meter von der U-Bahnstation Itaewon (Ausgang 4), hinter Gecko’s Terrace. Die Metzgerei ein paar Meter weiter in der gleichen Straße.
Copyright © 2007 by Lydia Schneeberger