Was hat Sie als Pädagoge dazu bewogen, sich
einen Arbeitsplatz im Schiffbau zu suchen?
Ich bin kein klassischer Pädagoge, sondern Wirtschaftspädagoge. Insofern schlugen schon immer zwei Herzen in meiner Brust – ein erzieherisch-pädagogisches und ein wirtschaftlich-organisatorisches. Die Leitung eines firmeninternen, international ausgerichteten Ausbildungszentrums wie hier beim Germanischen Lloyd entspricht daher meiner persönlichen Idealvorstellung beruflicher Tätigkeit.
Wie sind Ihre Eindrücke nach den ersten Wochen in unserem Area Office in Busan?
Der Arbeitsalltag an der Universität und der in der Firma sind kaum vergleichbar. Das betrifft Arbeitsrhythmus und -organisation genauso wie die eigene Stellung. Während die Lehrtätigkeit von der Interaktion mit den Studenten dominiert wird und daher recht überschaubar und leichter beeinflussbar ist, erweist sich die Kommunikation in einem komplexen Firmennetzwerk als wesentlich schwieriger und stellt dementsprechend auch höhere Anforderungen an die soziale Kompetenz. Der Einstieg hier ist mir aber auch leicht gemacht worden: Die Mitarbeiter im Area Office haben mich mit offenen Armen aufgenommen und sind jederzeit bereit, mir bei Fragen oder Problemen zu helfen.
Ihre Tätigkeit wird sich hauptsächlich auf die Erstellung und Gestaltung von Ausbildungsprogrammen und die persönliche Ausbildung von Ingenieuren im Schiffbau beziehen. Sehen Sie hier viel Neues auf sich zukommen?
Absolut, ich sehe es als die vielleicht größte Herausforderung an, mir fachlich zumindest ein überblickswissen zu verschaffen, damit eine breite Basis für einen gemeinsamen Dialog mit den Ingenieuren besteht.
Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit mit Trainees aus aller Welt?
Wenn eine Firma wie der Germanische Lloyd international agiert und Angestellte aus allen Kontinenten beschäftigt, dann sind bei der Integration von neuen Mitarbeitern nicht nur fachliche, sondern auch kulturelle Aspekte zu berücksichtigen. Darüber hinaus spielt auch die Firmenphilosophie, also Firmenwerte und -grundsätze, sicherlich eine wichtige Rolle, um der Firma weltweit ein einziges Gesicht zu geben. In beiderlei Hinsicht möchte ich den Trainees Wissen vermitteln und ein Einleben erleichtern.
Ihr neuer Arbeitgeber feiert gerade seinen 140-jährigen Geburtstag. Ist das für Sie auch ein Zeichen für einen dauerhaften Arbeitsplatz?
Dauerhafte Arbeitsplätze werden selten in der heutigen Zeit. Aber der Germanische Lloyd ist eine Firma mit langer Tradition und in den letzen Jahren so stark gewachsen, dass es durchaus meine Hoffnung ist, langfristiger Bestandteil einer sich fortsetzenden Erfolgsstory zu werden. Beruflich gibt es in meinen Augen nichts Schöneres, als Teil eines Ganzen zu sein, mit dem man sich identifiziert und das dabei noch von Wachstum und Erfolg geprägt ist.
Stellt diese neue Aufgabe an Sie schwierigere Anforderungen als Ihre ehemalige Beschäftigung?
Grundsätzlich würde ich diese Frage bejahen. Wie viele andere habe auch ich den Eindruck, dass der Lehrberuf mir im Blut liegt. Dazu kommt, dass für Lehrer Korea nahezu ein pädagogisches Paradies ist – Unterrichtsstörungen waren mir in fast acht Jahren an der Uni fremd. Vor allem die organisatorischen Anforderungen sind in meiner jetzigen Tätigkeit weitaus höher, denn im Wirtschaftsleben muss man sich nun mal einem höheren Druck stellen und kommt ohne Flexibilität kaum weiter.
Lars Hartwig kam im Jahr 1999 nach Korea und arbeitete zunächst als freier Lektor an der Youngsan Universität in Yangsan. Bis zum Februar 2007 unterrichtete er an den Abteilungen Deutsch und European Area Studies der Pusan Universität of Foreign Studies. In dieser Zeit war er einer der Initiatoren und Organisatoren des Busaner Maifestes. Auch er ist verheiratet mit einer Koreanerin und hat zwei Söhne.
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