Lydia Schneeberger

Cha Bum und die Fratzen verleihen Suwon Flügel

Der deutsche Trainer Richard Fratz und Asiens Fußballer des 20. Jahrhunderts Cha Bum-Kun wollen die Bluewings zu einem der besten Klubs der Welt machen.


Du bist seit Anfang 2006 Konditions- und Rehatrainer in Südkorea und kümmerst dich als diplomierter Sportwissenschaftler um die verletzten Spieler und die Fitness der Suwon Samsung Bluewings. Wie kommt man zu so einem Job?

2001 hatte ich Cha Du-Ri, Cha Bums Sohn, in der Reha in Deutschland. Vor der WM 2002 in Korea wurden viele verletzte Spieler in das Rehazentrum Sporeg nach Frankfurt geschickt. So haben Cha Bum und ich uns kennen gelernt. Im Dezember 2005 hat mich dann seine Frau angerufen, ob ich nicht im Klub als Trainer arbeiten wolle. Ich konnte es am Anfang gar nicht glauben, es kam doch sehr überraschend und klang alles eher nach versteckter Kamera.

Wie war deine erste Zeit im Land der Morgenstille?

Von Morgenstille habe ich hier nichts mitbekommen. Am 15. Januar bin ich eingeflogen und war die ersten 6 Wochen nur unterwegs; Trainingslager im Süden in Nameh, in Kumamoto in Japan und eine Woche in Xian in China. Im März kam dann meine Familie nach und alles bekam einen geregelteren Ablauf, soweit es den im Fußball gibt.

Kann man sagen, dass sich im Sport die Mentalität der Koreaner zeigt?

Nach einem Erfolg strahlen immer alle im Verein. Das mag ich an den Koreanern so sehr. Sie können sich nach einem Sieg irrsinnig freuen und nach einer Niederlage so richtig traurig sein – aber nur einen Tag und dann herrscht wieder Aufbruchstimmung. Ich denke, der Sport zeigt die Mentalität der Koreaner sehr gut. Sie versuchen immer, das Beste aus einer Situation zu machen, auch wenn einmal etwas schief geht. Oder noch besser ist vielleicht die Beschreibung, dass Koreaner wie dünne Aluminiumtöpfe sind; sie sind schnell heiß, aber auch wieder sehr schnell kalt. Man kann Koreaner für eine Sache begeistern, aber wenn man sie verletzt, dann lassen sie einen auch schnell wieder fallen.

Viele koreanische Schüler sind natürlich leidenschaftliche Fußballfans, und oft wollen sie im Deutschunterricht Beckenbauer, Schweinsteiger, Klinsmann oder Ballack genannt werden. Cha-Bum ist aber mit Abstand der beliebteste Name. Er war sehr erfolgreich in Deutschland, und darauf ist man hier in Korea mächtig stolz. Hat der Star auch heute noch einen Deutschland-Bezug?

Ja, er hat noch viele Freunde in Deutschland, freut sich immer sehr über gute Leistungen der Deutschen, und seine Leidenschaft für Golf verbindet ihn hier in Korea mit der deutschsprachigen Community. Cha Bum hat die Zeit in Deutschland recht genossen. Seine Kinder sprechen perfekt Deutsch, was sie aber auch können müssen. Seine Tochter Han-Na arbeitet bei der Lufthansa in Seoul, und sein Sohn Du-Ri spielt in Mainz; Set-Chi studiert in der Schweiz.

Klingt nach einer sehr internationalen Familie! Und wie ging es der koreanischen Stürmerlegende mit der deutschen Küche?

Die deutschen Speisen haben ihm keine Probleme bereitet. Rippchen mit Kraut ist eine Spezialität in Frankfurt, die er sehr gerne gegessen hat. Zu Hause hat jedoch seine Frau die koreanische Küche nicht vergessen.

Konnte sich die Familie Fratz schon an die koreanische Kost gewöhnen? – Sauerkraut bereits durch Kimchi ersetzt?

Ja, uns schmecken die koreanischen Speisen, und wir gehen oft ums Eck Samgyeopsal grillen. Meine Frau Claudia kann so gut wie alles essen, und Antonia und Jonathan knabbern liebend gerne getrocknete Tintenfische. Wenn wir nach Hause fahren, haben wir immer ein paar Packungen dabei, und in Deutschland laufen bereits die ersten Mutproben.

Was wünschen sich die Fratzen für Korea und Deutschland?

Wir waren im November an der DMZ. Das war alles sehr traurig und spannend zugleich, und ich hoffe, das Land findet wieder zusammen. Was den Fußball betrifft, so wünschen wir uns natürlich den Sieg für unseren Klub – viele Spiele wie das am 9. April. Wir haben im World Cup Stadion 1:0 gegen Seoul gewonnen. Dieses Game war echt der Hammer. 53.179 Zuschauer sind Rekord für ein Vereinsspiel in Korea. Die Fifa hat Suwon zum Team der Woche erklärt. Alles strahlte und war megastolz!

www.fcbluewings.com


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DaF-Szene Korea Nr. 25

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