Fragebogen zum Stellenwert der deutschen Sprache


Dieser Fragebogen ging an deutsche, österreichische und schweizerische Firmen und Institutionen (u.a. Deutsche Schule und Stiftungen) in Korea bzw. koreanische Joint Ventures mit einem Partner aus den jeweiligen Ländern. Wir konnten die Umfrage mit freundlicher Unterstützung der Deutsch-Koreanischen Handelskammer und Austrian Trade durchführen, einige schweizerische Firmen wurden auch angeschrieben oder angesprochen.

Bekommen haben wir ca. 30 Antworten. Das mag nicht viel erscheinen, bedenkt man, dass im Verteiler der Deutsch-Koreanischen Handelskammer ca. 190 Firmen sind, aber etliche davon sind natürlich rein koreanisch, andere nur temporär in Korea. Es ging uns auch nicht darum, eine konkrete statistische Erhebung zum Stellenwert von Deutsch in den Unternehmen durchzuführen, sondern Meinungsbilder und Tendenzen einzufangen. Diejenigen, die uns geantwortet haben (die meisten per Mail, andere in persönlichen Gesprächen)  haben das oft auch ausführlich und mit Einbeziehung persönlicher Erfahrungen gemacht. Dafür sind wir sehr dankbar.

Unsere Fragen:

1. Wie in den meisten internationalen ist auch in deutschen Firmen die Geschäftssprache Englisch. Gibt es dennoch koreanische (oder andere nicht-deutsche) Mitarbeiter in Ihrer Firma, die auch Deutsch sprechen?

2. Wenn ja, wurden diese Mitarbeiter (auch) wegen ihrer Deutsch-Kenntnisse angestellt? Welche Aufgabenbereiche haben sie?

3. Wenn ja, wie sind oder waren Ihre Erfahrungen mit diesen Mitarbeitern?

4. Würden Sie oder Ihre Firma jemanden (sei es Sekretärin, Techniker, Manager, Facharbeiter) bevorzugt einstellen, wenn diese Person neben dem Fachwissen auch Kenntnisse der deutschen Sprache hätte?

5. Würden Sie es persönlich begrüßen (vielleicht entgegen der Firmenpolitik) Mitarbeiter zu haben, die Deutsch beherrschen? Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie mit einer Person  in der Firma auf Deutsch oder in einer anderen Sprache sprechen können?

6. Welche Voraussetzungen sollte Ihrer Meinung nach ein idealer koreanischer Mitarbeiter Ihrer Firma haben?

7. Das Image Deutschlands ist in Korea besonders positiv. Glauben Sie, dass die deutsche Sprache (die ja immer noch von einer großen Zahl von Schülern und Studenten in Korea gelernt wird) dieses positive Bild unterstützt? Uns fällt da z.B. der Slogan von Audi  „Vorsprung durch Technik“ ein, der auch in der Werbung im Ausland verwendet wird, oder zahlreiche deutsche Bezeichnungen für Restaurants oder Produkte in Korea („Klasse-Küchengeräte“, „Rosenheim“-Käse, ...)

8. Wenn Ihre Firma eine deutsche ist, kann sie das positive Deutschlandbild bei Koreanern geschäftlich nutzen? Spielt deutsche Sprache oder deutsche Kultur dabei eine Rolle, sei es auch nur unterschwellig?

9. Koreaner haben ein sehr starkes Nationalbewusstsein und sehen das durchaus positiv.  Schrift und Sprache sind ein wichtiger Teil der koreanischen Identität. Meinen Sie, dass es für Sie oder Ihre Firma geschäftlich positiv wäre, gegenüber Ihren koreanischen Geschäftspartnern oder Kunden auch Ihre eigene deutsche (österreichische, schweizerische) Herkunft mehr zu betonen (durch Werbung, Imagepflege, etc., ggf. auch durch Sprache)?

Eine Auswahl der Antworten:

Frage 1. Wie in den meisten internationalen ist auch in deutschen Firmen die Geschäftssprache Englisch. Gibt es dennoch koreanische (oder andere nicht-deutsche) Mitarbeiter in Ihrer Firma, die auch Deutsch sprechen?

Frage 2. Wenn ja, wurden diese Mitarbeiter (auch) wegen ihrer Deutsch-Kenntnisse angestellt? / Welche Aufgabenbereiche haben sie?

Frage 3. Wenn ja, wie sind oder waren Ihre Erfahrungen mit diesen Mitarbeitern?

Frage 4. Würden Sie oder Ihre Firma jemanden (sei es Sekretärin, Techniker, Manager, Facharbeiter) bevorzugt einstellen, wenn diese Person neben dem Fachwissen auch Kenntnisse der deutschen Sprache hätte?

Frage 5. Würden Sie es persönlich begrüßen (vielleicht entgegen der Firmenpolitik) Mitarbeiter zu haben, die Deutsch beherrschen? Macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie mit einer Person  in der Firma auf Deutsch oder in einer anderen Sprache sprechen können?

Frage 6. Welche Voraussetzungen sollte Ihrer Meinung nach ein idealer koreanischer Mitarbeiter Ihrer Firma haben?

Frage 7. Das Image Deutschlands ist in Korea besonders positiv. Glauben Sie, dass die deutsche Sprache (die ja immer noch von einer großen Zahl von Schülern und Studenten in Korea gelernt wird) dieses positive Bild unterstützt? Uns fällt da z.B. der Slogan von Audi  „Vorsprung durch Technik“ ein, der auch in der Werbung im Ausland verwendet wird, oder zahlreiche deutsche Bezeichnungen für Restaurants oder Produkte in Korea („Klasse“-Küchengeräte, „Rosenheim“-Käse, ...)

Frage 8. Wenn Ihre Firma eine deutsche ist, kann sie das positive Deutschlandbild bei Koreanern geschäftlich nutzen? /  Spielt deutsche Sprache oder deutsche Kultur dabei eine Rolle, sei es auch nur unterschwellig?

Frage 9. Koreaner haben ein sehr starkes Nationalbewusstsein und sehen das durchaus positiv.  Schrift und Sprache sind ein wichtiger Teil der koreanischen Identität. Meinen Sie, dass es für Sie oder Ihre Firma geschäftlich positiv wäre, gegenüber Ihren koreanischen Geschäftspartnern oder Kunden auch Ihre eigene deutsche (österreichische, schweizerische) Herkunft mehr zu betonen (durch Werbung, Imagepflege, etc., ggf. auch durch Sprache)?

Zur Auswertung

Vielfach hören wir von unseren koreanischen Kollegen an der Universität den Klageruf „Warum unterstützen uns die Deutschen in Korea nicht, warum stellen deutsche oder andere Firmen keine Absolventen an, die Deutsch können?“

Auf der anderen Seite haben uns in der Vergangenheit nahezu alle deutschen Wirtschaftskapitäne in Korea versichert (Schweizer und Österreicher rechne ich jetzt sprachlich einfach mal dazu), dass ihre Schiffe in internationalen Gewässern fahren und darum die Sprache Englisch sei. Ende! Englisch ist nun mal die Sprache der Wirtschaft, und selbst Angehörige mit stärker kultiviertem Nationalgefühl (Franzosen und Italiener, Koreaner und Chinesen) halten sich daran.

Aber an diesem Sockel will und kann heute sowieso niemand mehr kratzen. Wenn Deutsch, dann als Erweiterung, als zusätzliche Qualifikation, und dahin zielten auch unsere Fragen.

Die erste „Überraschung“ taucht gleich bei den Antworten zur Frage 1 auf. Fragt man herum, ob jemand Deutsch braucht, so antworten die meisten in der Regel spontan mit „nein“. Fragt man, ob es Mitarbeiter gibt, die Deutsch sprechen, so lautet die Mehrzahl der Antworten „ja“, von einem bis zu 30. Ich klammere hier mal Institutionen wie die Deutsche Schule, Handelskammer oder Stiftungen aus, die ein anderes Profil haben.

Wenn Firmen deutschsprachige Mitarbeiter einstellen, dann tun sie dies zumeist auch gezielt, z.B. für die Kommunikation mit dem Stammhaus der Firma, mit anderen Partnern im deutschsprachigen Raum, die nicht immer Englisch sprechen. Zufällige Einstellungen gibt es auch, aber dann ist man scheinbar nicht traurig darüber, dass diejenige Person Deutsch beherrscht. Gesucht werden also Angestellte, die kommunikative Fähigkeiten haben (also Englisch und Deutsch) und weiteres Fachwissen oder eine Fachausbildung (Wirtschaft, Technik, Maschinenbau, ...)

Die Erfahrungen mit diesen Mitarbeitern sind nahezu alle positiv, von „hervorragend“ bis „sehr gut“. Nur eine Antwort hatte „gemischte“ Gefühle, vielleicht haperte es da etwas an den Sprachkenntnissen oder es war einfach der falsche Kandidat für die falsche Stelle.

Man würde auch jemanden mehr oder weniger bevorzugt anstellen, der Deutsch spricht, aber immer mit der weiteren Anforderung nach guten oder sehr guten Englisch-Kenntnissen (die scheinbar auch nicht immer vorhanden sind).

Auch persönlich hätten die meisten, die geantwortet haben, keine Einwände oder würden es begrüßen, wenn jemand zusätzlich Deutsch spricht. Eine Bemerkung, dass es Probleme bei anderen, vielleicht höher gestelltem Personal geben könnte, das nicht diese Sprache spricht, ist vielleicht nicht von der Hand zu weisen. Der Redaktion liegen selbst Berichte von ehemaligen Studenten vor, die von deutschen Firmen wegen „zu hoher Qualifikation“ abgelehnt wurden. Wir haben dabei allerdings ein bisschen im Hinterkopf, dass eine koreanische Firma in Deutschland wahrscheinlich nie auf den Gedanken käme, jemanden abzulehnen, weil er oder sie Koreanisch kann und die anderen nicht ...

Der „Wunsch-Angestellte“ soll loyal gegenüber der Firma sein (bei ausländischen Firmen in Korea sicher nicht so einfach, weil doch viele Koreaner diese Firmen gern als potentielle Gegner sehen), sollte gute Fachkenntnisse haben, gut Englisch sprechen, internationale Erfahrung haben und sich auf Ausländer und deren Kultur und Verhalten einstellen können. Hier ist ein Punkt, der sicherlich auch uns Lektoren und Lehrer angeht, die oft die einzigen Ausländer sind, denen koreanische Schüler und Studenten begegnen. Der Bereich Landeskunde, europäische Gesellschaft, soziales Verhalten, aber auch Teamarbeit, Verhalten in der Klasse usw. sind sicherlich für die Persönlichkeitsbildung ebenso wichtig wie direkte Kenntnisse eines Faches.

Deutsches Image (gleiches gilt sicher für die Schweiz und Österreich) ist ein grundlegender Werbefaktor für Firmen in Korea. Schlagworte wie Solidität, Zuverlässigkeit, Haltbarkeit, Ausdruck findend in dem Zeichen „Made in Germany“ bei Produkten, gehen Hand in Hand mit dem koreanischen Empfinden für das Land und die Menschen, die mit „Fleiß, Pünktlichkeit, Disziplin“ gekennzeichnet sind. Die deutsche Kultur wird als ein wesentlicher Teil dieses Images betrachtet, die deutsche Sprache allerdings weniger oder nur teilweise. Auch Antipathien gegen Japan oder die USA, besonders bei jungen Koreanern, werden gesehen, diese vielleicht sogar als Vorteil für die „alten Europäer“.

Hier entsteht der Eindruck, dass die Standpunkte ein bisschen konträr sind, denn ist man einerseits ganz international ausgerichtet, profitiert man doch andererseits gern von dem Image der rein nationalen Tugenden. Diese nimmt man gern für die eigenen Produkte und für die Dienstleistungen, baut sie in die Werbung und das Erscheinungsbild der Firma ein, will sich aber dann doch nicht unbedingt als Deutscher oder “deutsch“ outen.

Für die Ausbildung unserer Studenten und universitäre Curricula zeigen sich folgende Ergebnisse:


DaF-Szene Korea Nr. 24

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