Jan Kreyßig

Zahl der Studierenden steigt:
German School of Music Weimar etabliert sich am südkoreanischen Bildungsmarkt


Die Zahl der Studierenden an der German School of Music Weimar in Yongin nahe Seoul wächst weiter: Bei den zweiten Eignungsprüfungen an der im März 2005 eröffneten Ausgründung der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar auf dem Campus der Kangnam University konnten sich 21 junge Musikerinnen und Musiker für das achtsemestrige Studium qualifizieren. Insgesamt werden 2006 nun 34 Studierende in den Fächern Violine, Violoncello, Flöte, Klarinette, Klavier und Gesang an der German School of Music Weimar von deutschen Professoren unterrichtet.

„Ein im Durchschnitt deutlich höheres Niveau als im Vorjahr“ stellte die Prorektorin der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Prof. Anne-Kathrin Lindig, nach ihrer Rückkehr erfreut fest. Die Violinprofessorin war mit dem Gesangsprofessor Dr. Michail Lanskoi und der Klavierprofessorin Gerlinde Otto im Januar 2006 nach Korea gereist, um gemeinsam mit den vor Ort lehrenden Professoren die Eignungsprüfungen abzunehmen. „Es hat sich offensichtlich herumgesprochen, welche Anforderungen an die künftigen Absolventen des koreanisch-deutschen Bachelor-Studiengangs Major in Music gestellt werden“, sagt Prof. Lindig.

Während es in Südkorea üblich ist, bei Eignungsprüfungen anonym hinter einem Vorhang zu spielen, wird an der German School nach deutschem Brauch verfahren: Auf ein offenes Vorspiel folgt eine Diskussion in großer Runde. Einen offenen Umgang pflegen auch die Professoren mit ihren Studierenden: „Mir ist ein sehr gutes Verhältnis zueinander, ein starkes Gemeinschaftsgefühl und eine angenehme Arbeitsatmosphäre aufgefallen“, berichtet Prof. Anne-Kathrin Lindig. 

Die German School of Music ist auf drei Etagen eines Hauptgebäudes der Kangnam University in der 600.000-Einwohner-Stadt Yongin bei Seoul eingerichtet worden. Der Rektor der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, Prof. Rolf-Dieter Arens, schwärmt von einem Campus zum Wohlfühlen: „Große fünf- oder sechseckige Räume mit hervorragenden Flügeln – die Weimarer Dependance ist zugleich eine der weltweit seltenen All Steinway Schools.“

Mit dieser Ausgründung bietet die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar als erste deutsche Musikhochschule Studienangebote im Ausland an. In dem Studiengang Major in Music erteilen sechs deutsche Professoren in deutscher Sprache den künstlerisch-musikalischen Unterricht im Hauptfach im Wesentlichen nach deutschem Regelstudienplan. Koreanische Lehrpersonen übernehmen das sonstige künstlerisch-musikalische Unterrichtsprogramm in koreanischer Sprache, das überwiegend dem koreanischen Regelstudienplan folgt. Bei Eignungs- und Abschlussprüfungen werden die Lehrkräfte von Professoren der Hochschule für Musik Franz Liszt vor Ort unterstützt.

Das Studium an der German School of Music Weimar dauert acht Semester. Zulassungsvoraussetzung sind die Eignungsprüfungen im künstlerischen Hauptfach. Nach dem vierten Semester findet eine Zwischenprüfung in den künstlerisch-musikalischen Fächern statt, gleichzeitig müssen Deutschkenntnisse durch die Prüfung Zertifikat Deutsch des Goethe-Instituts nachgewiesen werden. Ausgewählte Studenten können das sechste und siebte Semester in Weimar verbringen. Anschließend ist die Zentrale Mittelstufenprüfung des Goethe-Instituts abzulegen. Nach dem achten Semester folgt die Abschlussprüfung.

In dem koreanisch-deutschen Bachelor-Studiengang Major in Music sollen nach dem Ende der Errichtungsphase in den oben genannten Fachrichtungen je 12 Studierende unterrichtet werden. Die Kangnam University in Seoul hat Unterrichtsräume errichtet, die die für deutsche Musikhochschulen üblichen Anforderungen an die Bau- und Raumakustik erfüllen. Die für deutsche Musikhochschulen übliche Ausstattung der Unterrichtsräume mit Tasteninstrumenten erfolgte dagegen aus Deutschland.

Hochschulpartner in Korea ist die Kangnam University (gegründet 1992), eine private Universität, die mit ihren Instituten und Schulen seit 1946 besteht. In ihren drei Colleges (Fakultäten) bietet sie ihren mehr als 10.000 Studierenden ein breites Spektrum an Fächern an, das von der christlichen Theologie über die Erziehungs-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften bis hin zu Ingenieurstudiengängen im Medien- und Elektronikbereich sowie Architektur, Kunst, Sport und Musik reicht.

Die Studiengebühren betragen rund 5.000.000 KRW (rund 4.300 €) pro Semester. Studierende im bereits bestehenden koreanischen Studiengang Bachelor of Music der Kangnam University zahlen derzeit Studiengebühren in Höhe von 3.193.000 W (ca. 2.723 €) pro Semester. Das sind die zurzeit in Korea üblichen Studiengebühren. Der Deutsche Akademische Austauschdienst, das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Thüringer Kultusministerium und die Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar unterstützen das Projekt in der Anlaufphase mit 445.000 Euro. Die Kangnam University trägt die Kosten in etwa derselben Höhe für die Errichtung und Ausstattung von Räumen. Jede Fachrichtung verfügt über je einen Raum für den künstlerisch-musikalischen Unterricht, das Ensemble, Musiktheorie, die Musikbibliothek sowie über ein Besprechungszimmer, ein Büro für den Dekan und ein Sekretariat.

Nähere Informationen im Internet unter:

www.hfm-weimar.de


Copyright © 2006 by Jan Kreyßig


DaF-Szene Korea Nr. 24

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