Erik Richter

Deutsch lernen, um den theologischen Horizont zu erweitern


Kardinal Kim ist in diesem Land nicht zuletzt dadurch bekannt, dass er aktiv mitwirkte am Wechsel zum heutigen politischen System. Seine Erfahrungen dafür sammelte er in Deutschland und Österreich. Seine Promotion begann er unter Prof. Dr. Joseph Höffner in Münster, der dort 1962 Bischof wurde und 1969 nach Köln ging. Man kann den Eindruck gewinnen, dass die Einflüsse der katholischen Sozialethik, wie sie von Joseph Höffner und Oswald von Nell-Breuning in Deutschland gelehrt wurde, sich auch im Verhalten Kardinal Kims während der Militärdiktatur ausdrückten.

Deutsche Theologie wird in diesem Land sehr geschätzt - sowohl in den protestantischen Kirchen als auch in der katholischen Kirche. Viele protestantische und katholische Geistliche haben in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz studiert. Einige unter ihnen haben bei namhaften Theologen wie Jürgen Moltmann, Walter Kasper oder Karl Lehmann promoviert.

Das ist nicht nur Vergangenheit, sondern auch Gegenwart und Zukunft. Im katholischen Priesterseminar lernen heute noch Theologiestudenten Deutsch. Dies tun sie nicht nur hinsichtlich der Studienordnung. Auch die Katholische Universität in Seoul schreibt moderne Fremdsprachen für das Studium vor. Der eine oder andere Student strengt sich aber auch an, um –gewiss sehr mühsam- theologische Texte in deutscher Sprache zu lesen. Dabei sind die Kurse an der Universität auf zwei Jahre angelegt. Zwei bis drei Studenten erhalten aber jedes Jahr Gelegenheit für einen einmonatigen Zusatzsprachkurs nach Freiburg zu gehen. Dafür übernimmt das Priesterseminar aber nur die Kursgebühren. Die Motivation der Studenten ist also angesichts des Kostenfaktors nicht klein. Dies lässt sich interessanterweise auch aus dem Aspekt ersehen, dass die Diözese überdurchschnittlich viele Priester, die im Deutschkurs waren, nach Europa zum weiteren Studium für das Lizenziat oder zur Promotion nach Europa schicken. Um aber nach Europa geschickt zu werden, muss der Priester gute Examina im Theologiestudium abgelegt haben.

Auch wenn die Zahl der Studenten relativ klein wirkt – 13 im Unterkurs und 7 im Oberkurs- so wird Deutsch weiterhin gelehrt. Denn deutsche Theologie hat heute noch in Asien einen sehr guten Ruf.

Seminaristen beim Deutschunterricht

Seminaristen beim Deutschunterricht


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DaF-Szene Korea Nr. 24

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