Thomas Kuklinski-Rhee

Paul Backhaus

Interview mit Han Min-gu, Student der Musik im Hauptfach Klavier im 2. Jahrgang an der German School of Music Weimar an der Kangnam-Universität, Yongin.


Han, Min-gu

DaF-Szene: Min-gu, dein Name im Deutschunterricht ist Paul Backhaus. Warum eigentlich?

HMG: Paul, wie Paulus aus der Bibel.

DaF-Szene: Es gibt auch Jesus, Moses, ...

HMG: Aber ich kann nicht wie Jesus oder Moses sein. Ich kann nur wie Paulus sein.

DaF-Szene: Und Backhaus? Warum nicht Beckham?

HMG: Kennen Sie Wilhelm Backhaus? Ein berühmter deutscher Pianist. Er war ein, äh, wie heißt das? Genie? Er war genial. Und ich bin auch ein bisschen genial. (lacht)

DaF-Szene: Du studierst also Klavier? An der Kangnam-Uni?

HMG: Nein, an der German School of Music Weimar. Das gehört zur Kangnam-Uni, aber das ist eine eigenständige Schule. An der Kangnam-Universität kann man auch Musik studieren, aber das sind andere Studenten. Wir studieren an der Weimar-Schule, wir haben andere Professoren. Mein Professor heißt André Boainain.

DaF-Szene: Wie lange spielst du schon Klavier?

HMG: Ähm, noch nicht sehr lange, etwa fünf oder sechs Jahre. Eigentlich ist das zu kurz, um Musik zu studieren, nur drei oder vier Jahre lang Klavierunterricht. Aber ich habe schon gesagt, ich bin ein bisschen genial. (lacht) Eigentlich habe ich die Aufnahmeprüfung nicht bestanden.

DaF-Szene: Trotzdem durftest du studieren?

HMG: Mein Vorspiel war schrecklich, alles falsche Töne, falscher Rhythmus, viel zu nervös. Trotzdem dachte mein Professor, ja, er hat Talent. Er ist ein sehr guter Professor.

DaF-Szene: Warum hast du angefangen, Klavier zu lernen?

HMG: Mit 17 Jahren habe ich gemerkt, dass ich diese Klaviermusik immer hören muss, sie wollte nicht mehr aus meinem Kopf. Da wusste ich, ich muss Klavier spielen lernen. Dann habe ich sehr viel geübt, denn eigentlich wusste ich, dass es zu wenig Zeit ist, um Musik studieren zu können. Trotzdem wollte ich es so machen.

DaF-Szene: Gibt es viele Studenten an der Weimar-Schule?

HMG: Nein, erst ungefähr 24. An der normalen Kangnam-Uni studieren etwa 100 Studenten Musik. Die Weimar-Schule gibt es erst seit letztem Jahr, es gibt erst zwei Jahrgänge, also etwa 12 Studenten in jedem Jahrgang. Sie ist noch nicht so berühmt. Aber sie ist die beste Musikschule.

DaF-Szene: Ist diese Schule besser als die Musikabteilung der Kangnam-Uni?

HMG: Ja, natürlich. Die Ausbildung hier ist sehr gut. Sie ist auch viel teurer. Ich glaube, sie ist die teuerste Hochschule in Korea.

DaF-Szene: Bezahlst du alles selber?

HMG: Nein, ich bekomme ein Stipendium. Das ist aber nicht so viel Geld, ungefähr nur die Hälfte. Dann leihe ich mir Geld von der Regierung. Das muss ich aber später zurückzahlen.

DaF-Szene: Warum studierst du an der Weimar-Schule?

HMG: Weil ich glaube, dass hier die beste Musikschule ist. Weil hier ausländische Professoren unterrichten. Und, ehrlich gesagt, ich mag koreanische Professoren nicht sehr. (lacht) Deutsche Musiker sind sehr gut, viele Koreaner gehen nach Deutschland, um Musik zu studieren.

DaF-Szene: Möchtest du auch in Deutschland studieren?

HMG: Ja, aber eigentlich wollte ich nach Russland. Ich habe gedacht, ich studiere erst einmal fertig und gehe dann nach Russland, aber jetzt möchte ich doch nach Deutschland gehen. An der Weimar-Schule sollen alle Studenten ein Jahr in Deutschland studieren, im 6. und 7. Semester. Also gehe ich nächstes Jahr nach Deutschland.

DaF-Szene: Dafür müsst ihr alle die ZD-Prüfung bestehen?

HMG: Ja, richtig. Wenn wir die nicht bestehen, dürfen wir nicht nach Deutschland. Und in Deutschland sollen wir dann die Zentrale Mittelstufenprüfung machen.

DaF-Szene: Werden alle Weimar-Studenten die ZD-Prüfung bestehen? Was glaubst du?

HMG: (lacht) Nein, ich glaube nicht. Aber es gibt eine zweite Chance, nächstes Jahr. Aber ich glaube, dass ich bestehe. (lacht)

DaF-Szene: Was passiert, wenn man nicht besteht?

HMG: Für Männer ist es schwierig, die müssen dann zum Militär. Das ist nicht gut, zwei Jahre ohne Musik spielen, danach kann man nichts mehr. Aber auch wenn wir bestehen, müssen wir nach dem Studium zum Militär. Das ist auch nicht gut, dann kann man nichts mehr, wenn man anfängt zu arbeiten. Am besten ist es, einen internationalen Wettbewerb zu gewinnen.

DaF-Szene: Warum?

HMG: Wer einen internationalen Wettbewerb gewinnt, braucht nicht zum Militär zu gehen. Das heißt, die ersten beiden Plätze. Aber das ist sehr schwierig. Noch kann ich es nicht, ich muss noch sehr, sehr viel üben. Mein Professor sagt mir immer, „du schaffst das“. Das heißt, manchmal sagt er so, manchmal so, „du schaffst das vielleicht“, „du schafft das vielleicht nicht“, „du schaffst das nicht“ und so weiter. (lacht) Aber ich glaube, doch. Wenn ich vorher meinen Freunden oder zuhause gesagt habe, ich will einen Wettbewerb gewinnen, dachten alle, „aha, der spinnt“. Aber jetzt ...

DaF-Szene: Warum lernst du Deutsch? Um einen Wettbewerb zu gewinnen?

HMG: Ich habe schon gesagt, ich will in Deutschland studieren. Und nach dem Studium auch dort weiterstudieren. Dort ist es besser als in Korea. Andere Koreaner müssen erst Deutsch lernen, wenn sie nach Deutschland gehen, aber hier lernen wir schon Deutsch, so sind wir ein, zwei Jahre schneller. Wir bekommen hier auch einen deutschen Studienabschluss, aber nur, wenn wir die ZD-Prüfung bestehen. Dann kann man sofort in Deutschland weiterstudieren. Andere Koreaner müssen in Deutschland neu anfangen.

DaF-Szene: Warst du schon einmal in Deutschland?

HMG: Nein. In diesem Jahr sind fast alle Weimar-Studenten für einen Monat nach Deutschland zum Sprachkurs geflogen. Aber ich nicht. (lacht)

DaF-Szene: Seit wann lernst du Deutsch? Hattest du schon in der Schule Deutschunterricht?

HMG: Nein, das heißt ja, ich hatte einen Deutschlehrer, aber der hat nur immer 5 Minuten Deutsch unterrichtet, danach Englisch. Ich konnte nur 3 Wörter: ja – nein – danke (lacht)

DaF-Szene: Wie hast du dann Deutsch gelernt?

HMG: Auf der Straße. (lacht) Natürlich auch im Deutschunterricht an der Weimar-Schule, aber andere lernen auch dort, und, na ja ... Wir lernen erst seit fast zwei Jahren Deutsch, noch nicht sehr lange. Deutsch zu sprechen habe ich beim Sprechen mit Deutschen gelernt, vor allem mit meinem Professor.

DaF-Szene: Spricht er Koreanisch?

HMG: Ja, ein bisschen, aber nur 5 Wörter (lacht). Aber seine Aussprache wird jeden Tag besser. Wir sprechen sehr viel zusammen, nicht nur im Unterricht. Wir gehen zusammen essen, zusammen spazieren, diskutieren über Musik usw. Ich habe ihn immer angerufen. Am Anfang konnte ich nur „Hallo“ und „Tschüss“ sagen, dazwischen redete er blablabla, ich habe nichts verstanden. Das nächste Mal schon ein bisschen mehr, „wie geht es Ihnen“, dann noch mehr, usw. Ich versuche, so viel wie möglich mit Deutschen zu sprechen.

DaF-Szene: Spricht man an der Weimar-Schule nur Deutsch?

HMG: Natürlich sprechen wir im Deutschunterricht Deutsch, aber auch viel Koreanisch. Nur der Unterricht im Hauptfach, also z.B. Klavier, Cello oder Gesang, ist auf Deutsch, weil alle Professoren aus Deutschland kommen. Aber der andere Unterricht ist immer auf Koreanisch, wie Musikgeschichte, Musiktheorie usw., es sind immer koreanische Dozenten. Ein Professor hat vorgeschlagen, dass alle Studenten im Gebäude der Weimar-Schule nur noch Deutsch sprechen sollen. Aber ... (lacht)

DaF-Szene: Min-gu, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Prüfung.

(Anm: Die Dialoge wurden stilistisch nur behutsam bearbeitet.)


Copyright © 2006 by Thomas Kuklinski-Rhee


DaF-Szene Korea Nr. 24

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