Der Band enthält eine kurze Einführung in das Thema Kulturen und Humor, über die Themen des Witzes und nennt die Kriterien, nach denen die Witze ausgewählt wurden; so sollten sie etwa aus Lebensbereichen kommen, mit denen die meisten Menschen, gleich welcher Kultur, etwas anfangen können. Auf der anderen Seite wird begründet, warum eine Vielzahl von Witzen unberücksichtigt blieben, z.B. solche, die sich über Minderheiten lustig machen oder die spezielles Fachwissen erfordern, oder solche, die einfach für zu blöd befunden wurden. Insgesamt ist die Autorin dabei sehr vorsichtig; auch den Anmerkungen zu den einzelnen Witzen ist zu entnehmen, dass versucht wurde, ganz "political correct" ja niemandem wehzutun.
Die Witze selbst, insgesamt 520, sind, unterteilt für die Grundstufe und für Fortgeschrittene, jeweils thematisch geordnet. Bei der Grundstufe gibt es unter jedem Witz einen Hinweis, welche sprachlichen Besonderheiten darin vorkommen, meist (leider nur) grammatikalischer Natur, (zu) selten auch zum Wortschatz. Die entsprechenden Ausdrücke im Witz sind dabei fett gedruckt. Manchmal folgt auch eine kurze Erläuterung oder Warnung, warum und mit welchen Lernern man hier vorsichtig sein müsse. Eine Sache, die leider völlig fehlt, sind Hinweise zu Betonung und Intonation, also zu zwei Aspekten, die zum Gelingen des Witzeerzählens und -verstehens entschieden beitragen dürften! Das Spektrum der Qualität der Witze selbst reicht von ziemlich mau bis erfrischend und tatsächlich lustig. ähnlich ist es bei den Erläuterungen, manche sind hilfreich, andere nervig, weil für einen guten Lehrer selbstverständlich.
Typischerweise sieht das dann so aus (Nr. 267), wobei die Fettungen im Original nur halbfett, also weit weniger aufdringlich sind:
Die Frau sagt zu ihrem Mann: "Die Kinder sind bei Opa und Oma, die Katze bei Tante Frieda, den Hund versorgt Onkel Helmut, der Papagei ist bei den Nachbarn, (…), wieso wollen wir eigentlich noch wegfahren?"
Präposition bei + Dativ, Modalverb wollen, Partikel eigentlich, trennbares Verb wegfahren.
Nicht witzig für Teilnehmer aus Kulturen, in denen es selbstverständlich ist, dass man mit Familie verreist, oder in denen im Urlaub nicht verreist wird.
Zum Teil werden diese Witze also durchaus ernsthaft kommentiert, zumeist aufgrund der Sorge, was für welche Zielgruppe unter Umständen denn nicht witzig, sondern beleidigend sein könnte. Mindestens ebenso wichtig erscheint mir auch die Tatsache, dass sehr viel Kulturwissen notwendig ist, um derartige Witze zu verstehen, und dass sie natürlich auch als willkommener Anlass dienen können, interkulturelle Unterschiede anzusprechen, hier z.B. "Warum fahren die Deutschen so oft in den Urlaub? Was ist im Urlaub anders als sonst?"
Noch ein weiteres Beispiel, etwa Nr. 364:
Zwei Hunde treffen sich auf der Straße. Sagt der eine: Ich bin adelig, ich heiße "Hasso vom Schlosspark". Und du? Der andere antwortet: Ich bin auch adelig, ich heiße "Runter vom Sofa".
reziprok gebrauchtes Verb sich treffen;
Vorwissen: adelig, der Adel, Adelstitel als Namensbestandteil "von", "vom" usw.
Hilfreich wäre hier etwa ein kurzer Hinweis zur Rolle des Hundes in verschiedenen Kulturen, sei es Schoßtier, schmutziges Tier, Schimpfwort usw.
Im Anschluss an die Witzsammlung gibt es ein Nachwort über den Nutzen von Humor im Sprachunterricht und den Hinweis, dass man Witze sprachlich gut vorentlasten und lieber einen zu leichten als zu schweren wählen sollte, denn klar, nichts tötet einen Witz mehr als sein nachträgliches Erklären. Und genau hier, glaube ich, liegt eine entscheidende Schwierigkeit: Zu den sprachlich zumeist hohen Anforderungen und dem kulturellen Vorwissen (und überhaupt: was ist denn in welcher Kultur komisch?) gesellt sich meiner Meinung nach ein "Nacherzähltabu", was dazu führen könnte, dass ein erzählter Witz schlimmstenfalls unverstanden verpufft. Im positiven Falle wäre ein Witz dann kommunikativ gelungen, wenn geschmunzelt oder gelacht wird, und zwar nicht nur pflichtschuldigst!
Es folgen einige weitere nützliche Vorschläge zum Arbeiten mit Witzen im Unterricht, zum Beispiel als Einstieg in ein neues Thema, oder zum Erzählenüben mit Aufnahme auf Kassette. Schließlich gibt es noch ein paar Sprichwörter und Definitionsversuche, eine kommentierte Bibliographie und ein Register, das vor allem trennbare Verben und grammatikalische Termini enthält.
Fazit: Eine, wenn man mit Bedacht auswählt, sehr brauchbare Sammlung mit ihren genannten kleinen Schwächen. Da man Witze wohl vornehmlich als Träger von Kulturellem betrachten muss, scheint mir im Vorfeld jedoch auch ausreichend kulturelles Wissen nötig zu sein.
Copyright © 2006 by Harald Gärber