Das ideale Lehrbuch ist zielgruppengerecht und doch, bei aller sinnvollen Progression, flexibel einsetzbar. Es bildet ein Ganzes und lässt sich dabei an den je verfügbaren Zeitrahmen problemlos anpassen. Weder kennt es über- noch Unterforderung, und es hält Übungen für die stärksten wie für die schwächsten Lerner auch heterogener Gruppen bereit. Grammatik und kommunikative Anteile stehen nicht nur in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, sondern sind auch einprägsam aufeinander bezogen; selbstverständlich lassen sich je nach Curriculum Schwerpunkte für einzelne Seminare bilden. überhaupt ist das ideale Lehrbuch nicht langweilig und trocken, sondern phantasievoll und manchmal auch witzig, ohne ins Peinlich-Alberne abzugleiten. Welche Vokabeln gelernt werden, ist an den Bedürfnissen der Studierenden orientiert; schon schnell erleben sie den Erfolg, im Alltag kommunizieren wie auch spannende Texte verstehen zu können, ob sie nun schon einmal Deutschland erlebt haben oder nicht. Dabei helfen ihnen Hörbeispiele, die gut zu verstehen sind wie auch nicht derart langsam gesprochen, dass die Studierenden nach der ersten Landung in Frankfurt fürchten, mit einer ganz anderen Sprache konfrontiert zu sein. Die Einteilung der Tracks auf der Begleit-CD ist so gesetzt, dass langes Suchen während des Unterrichts überflüssig ist. Neben dem Wort helfen natürlich auch Bilder und Zeichnungen dabei, ein aktuelles Deutschlandbild zu vermitteln, bei dem kritische Akzente nicht fehlen, ohne dass die Lerner Angst bekommen, jenseits des Flughafens in ein Krisengebiet zu geraten. Die Bilder und Zeichnungen sind sinnvoll ins Ganze integriert, nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch: Ein übersichtliches Layout ist ästhetisch ansprechend und erlaubt eine rasche Orientierung. Aber nicht nur deshalb ist der Unterricht ungewöhnlich produktiv: Handreichungen für die Unterrichtenden machen den Sinn der einzelnen Übungen leicht nachvollziehbar, geben zahlreiche Tipps für die Praxis und zusätzliche Anregungen.
Das ideale Lehrbuch gibt es nicht.
Was es aber gibt, sind Annäherungen; und wie nahe ein Lehrwerk dem Ideal kommt,
hängt nicht zuletzt von der Lernergruppe ab. Die Kritiken der vorliegenden
Ausgabe zeigen, inwieweit wichtige aktuelle Lehrwerke wie Tangram oder Schritte
in Korea zum Erfolg führen, und welche Zusatzangebote es gibt, den
Deutschunterricht lebendig zu gestalten und Deutschland zu zeigen, wie es
wirklich ist. Hier findet natürlich das Urteil des Lehrers seinen Platz; ob
Deutschland wirklich noch ein christliches Land ist, dürfte so umstritten sein
wie die Frage, ob und wo eine weltanschaulich geprägte Sicht den Blick verzerrt.
Leichter als dies ist zu entscheiden, wo Lehrbücher von Studierenden angenommen
wurden und wo nicht. Die Mehrzahl der Beiträge in diesem Heft beruht auf solchen
Erfahrungen und gibt auch auf diese Weise brauchbare Hinweise, wann welches
Material sinnvoll einzusetzen ist.
Copyright © 2006 by Kai Köhler