Als ich zum ersten Mal den Titel Passwort Deutsch hörte, war ich eher skeptisch. "Password"? Nein, sondern die eingedeutschte Version des Internet-Ausdrucks. Gut, im Unterricht schreibe ich auch immer "Webseite" (aber die "Homepage" hat es bei mir noch nicht bis zur "Heimseite" gebracht). Na denn, also Passwort Deutsch. Titel von Lehrbüchern wären ein eigenes Kapitel, denn die Zahl möglicher Namen ist doch ziemlich begrenzt, es sei denn, man setzt einfach hinter einen alten Namen ein "neu".
Passwort Deutsch: Meine Studenten können mit diesem Titel gleich etwas anfangen, und mein dezenter Hinweis, dass die Schreibweise eine etwas andere ist als im Internet (eben die deutsche Variante) bietet sofort Anlass zu einer lebhaften Diskussion. Das ist also schon mal ein guter Anfang.
Passwort Deutsch gibt es in drei Bänden. Band 3 bereitet auf das Zertifikat Deutsch und den Übergang in die Mittelstufe vor. Die Bände führen von Stufe A1 bis zum Niveau B1 des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Ein Band hat zehn Lektionen, das Kursbuch ist farbig. Zu jedem Band gibt es ein Übungsbuch (schwarz-weiß) und ein Lehrerhandbuch (schwarz-weiß), und natürlich Hör- und übungsmaterial auf einer CD.
Ich verwende das Buch seit einem Jahr, meine Studenten sind Anfänger, haben aber bei einem koreanischen Kollegen gesonderten Grammatik-Unterricht, so dass ich den Schwerpunkt eher auf die Texte und die Konversation legen kann, und grammatische Übungen nur am Rande mache. Dafür eignet sich das Buch gut, denn die Texte sind interessant zum Lesen und zum Sprechen. Bereits in den ersten Lektionen tauchen Redewendungen auf, wie sie in der normalen Umgangssprache immer wieder vorkommen: "Wie heißt ihr eigentlich?", "alles klar", "kein Problem", "ach so" oder "na ja". Die Themen heben sich wohltuend von anderen Lehrbüchern ab, der Bereich "kennen lernen, vorstellen" beispielsweise wird durch Dialoge zu einer Fernsehshow eingeführt, "Meine Familie und ich", für die sich Kandidaten bewerben.
Die Texte sind interessant und verständlich, das Fotomaterial ist ansprechend, und besonders die bunten Zeichnungen sind leicht erkennbar und hilfreich für die entsprechenden Texte. Für koreanische bzw. ausländische Deutschlehrer sind allerdings manche der verwendeten Begriffe erklärungsbedürftig bzw. man muss erst nachschlagen. So taucht in Lektion 2 das Wort "Kirche" auf, in Köln ist es der Dom, und in Lektion 3 geht es um das Freiburger Münster.
Bereits im ersten Band werden die beiden anderen deutschsprachigen Länder thematisch abgedeckt mit "Ein Hotel in Salzburg" und "Eine Stadt im Dreiländereck, Basel". Auch Begriffe, die nicht unbedingt bundesrepublikanisch sind, tauchen auf, z.B. "Dekagramm/10 g” aus dem österreichischen Wortschatz. Im Buch ist allen drei Ländern, in denen Deutsch gesprochen wird, gemein, dass viele der dort lebenden Menschen Ausländer sind. Das entspricht sicherlich den Umständen und mag zu einem realistischen Bild führen, aber für den (nicht immer deutschen) Lehrer führt das oft zu Problemen, wie man denn all diese fremden Namen aussprechen soll. Da kommt ein Mädchen namens Anna aus Rzeszów (Lektion 1), Clemens Opong ist Koch in Leipzig (Lektion 5), Judit Kovács und Barbara Novaková arbeiten im Hotel in Salzburg (Lektion 7), und in Lektion 8 macht eine gewisse Sanjita ein Interview. In international besetzten Sprachkursen kann man diese Namen vielleicht einsetzen und hoffen, dass Kursteilnehmer aus dem betreffenden Land bei der Aussprache helfen, in Korea muss man raten.
Sinnvoll sind die Seiten "im Deutschkurs", die für die ersten Lektionen Wort- und Satzmaterial zur Kursarbeit bieten, z.B. Ausdrücke wie "Bitte wiederholen Sie" oder "Ich weiß nicht".
Die Grammatik ist am Ende jeder Lektion zusammengefasst, und am Ende eines jeden Bandes gibt es einen gesamten Grammatik-Teil. Phonetische Übungen sind über die Lektionen verteilt, eine Lösung, die in vielen Deutsch-Lehrbüchern praktiziert wird. Besser wäre aber vielleicht, ein längeres Kapitel zur Phonetik am Anfang zu haben, denn fast alle Laute komme immer überall und nicht separat vor.
> Das Übungsbuch hat vielfältiges Material zu den einzelnen Teilen der Lektionen und ist gut an das Kursbuch angepasst. Man findet schnell die zugeordneten Übungen, die den Unterrichtsstoff ergänzen und erweitern. Die Zuordnung zum Kursbuch steht über dem jeweiligen Übungsteil. Man muss aber sicherlich nicht alle Übungen machen, sondern kann aussuchen, was für die Lernenden notwendig ist. Insgesamt haben die Lektionen viel Unterrichtsstoff, so dass ich für einen Band mehr als ein Semester brauche (bei den in Korea üblichen drei Stunden pro Woche). Das bedeutet, das Ziel Zertifikat Deutsch nach Band drei ist nur zu erreichen, wenn man relativ straff und kontinuierlich über drei Jahre mit Passwort Deutsch arbeitet.
Die Studenten haben die Möglichkeit, selbst und kontrolliert mit dem Übungsbuch
zu arbeiten, denn am Ende kann man auch die Lösungen der Aufgaben erfahren.
Ebenso kann man mit der Webseite des Buches üben,
http://www.passwort-deutsch.de/. Für die einzelnen Teile gibt es immer ein
Feedback, ob man es also richtig oder falsch gemacht hat. Daneben kann man
manche Teile auch hören, wobei man allerdings eine schnelle Internet-Verbindung
braucht, denn sonst braucht das Herunterladen einzelner zu hörender Wörter doch
ziemlich lange – hier sollte man vielleicht lieber Hör-Blöcke mit mehr
Material anbieten. Auch landeskundliche Bereiche sind auf der Lerner-Seite
abrufbar, zum Teil mit aktuellen Links. Auch "Agent Oblotschek" ist auf der
Webseite zu finden, und wer dieses kleine Fragespiel mitmacht, wird bald
herausfinden, warum dieses Buch Passwort heißt.
Auch für den Deutschlehrer gibt es reichhaltiges Material im Internet, nach einer Registrierung (da gebrauchen wir dann wirklich ein Passwort) kommt man auch an weiteres Material wie Aufgabenblätter etc.
Das Lehrerhandbuch ist nützlich und hilft sehr, wenn man mal wenig Zeit zur Unterrichtsvorbereitung hatte. Es gibt Vorgaben zum Ablauf einer Unterrichtseinheit und Tipps, was man noch machen könnte. Hinten im Band finden sich nützliche Kopiervorlagen und Tests. Ein Minuspunkt ist hier das Layout, denn abgesehen von wenigen kleinen Zeichnungen lacht dem Leser eine Bleiwüste entgegen. Auch sollte man vielleicht weniger abkürzen ("KT sammeln zunächst in EA, PA Wörter ..."), und die Texte könnten in ihrem Erscheinungsbild etwas besser strukturiert werden.
Insgesamt ein gut erarbeitetes Lehrbuch, das sich für den Unterricht im Anfängerbereich in Korea sinnvoll einsetzen lässt.
PASSWORT DEUTSCH, Klett Edition Deutsch, gibt es als dreibändige Ausgabe, Kursbuch und Arbeitsbuch getrennt (Kursbuch 13,95 Euro/22.000 Won, Übungsbuch 11,60 Euro/18.000 Won) oder in fünf Bänden, Kurs- und Arbeitsbuch kombiniert (Band 1, 14,95 Euro/24.000 Won), sowie CD, CD mit Offline-Material
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