Mit der Rezension von studio d A 1 aus dem Haus Cornelsen finden Sie in diesem Heft eine verspätete Osterüberraschung, die bei Ihnen hoffentlich die Neugier weckt, sich ein Exemplar dieses Lehrwerks näher anzusehen. Als relativ unerfahrene DaF-Lehrerin mache ich in diesem Sommersemester meine ersten Schritte mit dem Kursbuch, das seit 2005 ebenfalls als Neuzugang eine farbenfrohe, spaß- und kommunikationsgefüllte Alternative zu den Standardlehrwerken in der DaF-Landschaft bietet. Die Autoren Funk, Kuhn und Demme haben mit studio d ein Lehrwerk konzipiert, das in 3 Bänden zum Zertifikat Deutsch führt und sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen orientiert. Zum studio d A 1-Paket gehören das Lehr- und Übungsbuch, die Unterrichtsvorbereitung in Buch- und CD-ROM-Form, Audio-CDs, das Vokabeltaschenbuch, sowie das Video studio d. Ein kleiner Wermutstropfen bei einem so reichhaltigen Angebot: das Vokabeltaschenbuch muss von den Studenten zusammen mit dem Lehr- und Übungsbuch angeschafft werden, da das Kursbuch nur eine vollständige, alphabetische Auflistung aller Vokabeln der 12 Lektionen beinhaltet.
Die Fülle an Unterrichtsvorschlägen und Zusatzmaterialien machen dieses Lehrwerk meiner Ansicht nach besonders geeignet für Neulinge des DaF-Berufs, aber die abwechslungsreichen, aktuellen und interkulturell ausgerichteten Texte, Übungen und Sprechanlässe dürften natürlich ebenso für erfahrene Lektoren sehr attraktiv sein. Mit Hilfe des Lehrerhandbuchs und der dazugehörigen interaktiven CD-ROM wird die Unterrichtsvorbereitung zwar nicht überflüssig, aber Funktionen wie der “Arbeitsblattgenerator” erleichtern die Arbeitsblattgestaltung, indem man einfach per Mausklick aus Lehrbuchtexten Kreuzworträtsel zaubern oder Texte mit Wortlücken versehen kann. Auch der Wortschatz kann für jede Einheit abgefragt und durch den “Buchstaben- oder Wörtermixer” zu Arbeitsblättern umgestaltet werden. Zusätzlich gibt es noch Kopiervorlagen und Abschlusstests für jede Lektion, die ein guter Indikator für den Wissensstand der Lernenden sind. Doch studio d enthält nicht nur Anleitungen für den Dozenten; auch die Lernenden erhalten “systematische Lerntipps”, die im Unterricht konkretisiert werden sollen, um so das Erlernen und Einüben von Wortschatz oder grammatikalischen Strukturen zu erleichtern.
Wie bereits angesprochen, ist das Konzept von studio d dem kommunikativen und interkulturellen Ansatz stark verpflichtet. Dabei war es den Autoren vor allem wichtig, die Lernenden schon zu Beginn an den Gebrauch von Internationalismen zu gewöhnen. So ist es mit studio d möglich, bereits in der ersten Lektion relativ komplexe Texte zu verwenden, die mit Hilfe des selektiven Lesens auch (fast) problemlos von Anfängern erschlossen werden können, was für Fremdsprachenlerner verständlicherweise eine große Motivation darstellt. Von der ersten Lektion an enthalten die Lesetexte zudem interessante landeskundliche Informationen über Deutschland, Österreich und die Schweiz im Besonderen, sowie über die Europäische Union im Allgemeinen. Besonders positiv bewerte ich die Tatsache, dass die Lesetexte aktuelle Fakten über das Alltagsleben in deutschsprachigen Ländern vermitteln, ohne dabei künstlich für die Einführung von neuer Grammatik konstruiert worden zu sein scheinen. Ich finde es außerdem didaktisch hervorragend, dass jede Lektion eine Vielzahl an kürzeren Texten beinhaltet, da dies mir die Möglichkeit bietet, daraus meine eigene Auswahl für den Unterricht zu treffen. Bei der Befragung meiner Studenten zu ihrem Lehrbuch wurde allerdings das Fehlen längerer Lesetexte sowie die wiederholte Anweisung des selektiven Lesens bemängelt. Diese Kritik ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass fremdsprachliche Texte in Korea oft bis ins Detail erschlossen werden (müssen); nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl an Informationen aus einem Text zu “filtern” ohne notwendigerweise alle Wörter zu kennen oder zu verstehen, mag dem koreanischen Lerner deshalb zu Beginn fremd anmuten. Auch die Grammatikerklärungen empfinden die Studenten bis jetzt als zu wenig ausführlich behandelt. Allerdings kann ich Sie und meine Studenten beruhigen: nur die ersten 4 Lektionen haben eine relativ geringe Anzahl an expliziten Grammatikerklärungen, was sich aber schon mit der Einführung der trennbaren Verben in Lektion 5 ändert.
Ein weiteres Anliegen von studio d ist außerdem ein konsequentes Phonetiktraining, das in den Unterricht integriert ist. Die Autoren haben dazu eine Vielzahl an Übungen zu Wort- und Satzakzent, Melodie und Aussprache entwickelt, die auf den Themen der jeweiligen Lektionen basieren und gestreut im jeweiligen Kapitel auftauchen, um somit ein isoliertes Phonetiktraining zu vermeiden.
Abgesehen von den beiden zuvor genannten Kritikpunkten scheinen die Studenten mit dem Angebot von studio d sehr zufrieden zu sein. Insbesondere das übersichtliche, ansprechende und farbenfrohe Layout findet starken Anklang, da es den Lernenden einen aktuellen und angenehm klischeearmen Eindruck der deutschsprachigen Länder und seiner Bewohner bietet. Dass hierbei besonders auch der Multikulturalität unserer globalen Gesellschaft Rechnung getragen wird, erhöht weiterhin die Attraktivität dieses Lehrwerks.
Mit seiner interkulturellen Ausrichtung, der erfrischend aktuellen und lebensfrohen Aufmachung und dem abwechslungsreichen Übungsangebot scheint mir studio d eine schöne Alternative für den Unterricht in Korea zu sein. Allen Lehrenden, die sich vielleicht gerade für ein neues Lehrwerk interessieren, möchte ich deshalb einen virtuellen Besuch bei Cornelsen ans Herz legen und hoffe, dass bald weitere Kollegen und Kolleginnen mit studio d Deutsch als Fremdsprache in neuem Kleid präsentieren!
Copyright © 2006 by Isabella Ofner