Anlass für diese Übung war, dass einige fortgeschrittene Lerner, besonders so sie noch nicht in Deutschland waren, relativ wenige deutsche Vornamen kannten bzw. kein Gefühl dafür hatten, was Vor- und was Familiennamen sind.
Daraufhin habe ich die folgende Übung entwickelt, die ich als ersten intensiven und überblicksmäßigen Kontakt mit deutschen Aussprachebesonderheiten eingesetzt habe. Die Übung ließe sich durchaus auch später als Wiederholung oder Vertiefungsübung denken.
Eigennamen eignen sich besonders für Phonetikübungen, weil die Lerner nicht durch unbekanntes, bedeutungsträchtiges Vokabular belastet bzw. abgelenkt werden und sie nicht etwa minutenlang Wörterbücher wälzen, um eine Übersetzung zu finden, anstatt sich mit dem vorgesehenen Lernziel zu beschäftigen.
Das Arbeitsblatt besteht aus zwei Teilen. Zunächst gibt es eine Liste mit 60 Namen, gefolgt von einer 4-spaltigen Tabelle mit Leerstellen.
Die Aufgabenstellung lautet, die Namen zu sortieren. Dazu gibt es drei durchnummerierte Spalten für Städte-, Männer- und Frauennamen. Durch die Nummerierung haben die Lerner eine erste Kontrollinstanz. Die vierte, unbetitelte Spalte ist kein Versehen! Wenn Sie sich die Liste genauer ansehen, werden Sie auch Namen von Städten finden, die nicht in Deutschland liegen. Schön, wenn die Lerner das selbst auch bemerken und in Folge für die vierte Spalte eine Überschrift finden!
Meine Kriterien für die Auswahl der Städte- und Vornamen waren:
spezifisch deutsche Eigenheiten der Buchstaben-Lautentsprechungen zu präsentieren.
Eigennamen, bei denen aus Erfahrung Interferenzen aus dem Englischen oder anderen Fremdsprachen auftreten. Aus dem Englischen taucht erfahrungsgemäß bei koreanischen Lernern Transfer etwa bei Michael, Elisabeth, Berlin, Maria, Hannover und London, aus dem Französischen bei Paris auf.
Muttersprachig bedingte Probleme bei bestimmten Lauten sollten natürlich fokussiert werden. In meiner Liste für koreanische Studenten finden sich aus nahe liegenden Gründen viele Eigennamen mit den Buchstaben b, p, w, f, sowie l und r. Dies heißt natürlich, dass die Liste der Namen für eine koreanische homogene Lernergruppe anders aussehen sollte als eine für Franzosen oder Finnen.
Außerdem sollten folgende typisch deutsche Phänomene vertreten sein: die Umlaute und -ß, -ch in verschiedenen Laut-Umgebungen, -tz, -ck, langes i, Doppelkonsonanten und -vokale, Konsonatenkluster, sch, st, sp, z und s im An- und Auslaut, die Diphthonge, b/d/g im Auslaut und unbetontes e.
Der Bekanntheitsgrad der Städte war mir hingegen nicht so wichtig. Allerdings habe ich versucht, Städtenamen auf -burg, -berg, -wald, -dorf, -hausen usw. einzubauen.
Außerdem habe ich Vor- und Ortsnamen verwendet, mit denen ich persönlich etwas verbinde, etwa den Namen meines Bruders oder der besten Freundin, meiner Geburtsstadt oder wo ich studiert oder meinen Freund kennen gelernt habe, um mit kleinen privaten Bemerkungen am Rande die Übung aufzulockern oder mit etwas Landeskunde zu verbinden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass persönliche Informationen gut ankommen.
Um die Studenten zu interessieren und auf Vorwissen aufzubauen, sollten weiterhin sowohl Vornamen aktueller Persönlichkeiten als auch in der Germanistik relevanter Damen und Herren Eingang in die Liste finden. Vielleicht ließen sich damit rechtzeitig Fehler wie die folgenden aus einem Test vermeiden: Nach berühmten Deutschen befragt wimmelte es kürzlich in den schriftlichen Antworten vor lauter Heinlichs, Olibers, Schuwerts und Lilkes.
Meine Liste ist also nur als Vorschlag zu verstehen, jeder sollte sein eigene erstellen und immer wieder auf die Zielgruppe zugeschnitten aktualisieren.
Nun zur Unterrichtsdurchführung. Als Sozialform habe ich Partner- oder Kleingruppenarbeit gewählt. Es soll zu einem ersten lauten Lesen kommen, dabei korrigieren sich die Studenten schon gegenseitig. Immer wurden die Namen recht unvoreingenommen laut gelesen und es wurde mit Lautmustern "gespielt". Mit Stimmgewirr sollte man bei dieser Übung rechnen. Dabei kann man schon "im Vorbeigehen" hier und da die Aussprache korrigieren. Studenten werden auch von allein fragen, wie man dies oder jenes ausspricht.
Bei der Kontrolle im Plenum, bei der es zu mehrmaligem Vor- und Nachsprechen kommen sollte, muss man je nach Lernergruppe entscheiden, inwiefern man extensiv Ausspracheregeln formuliert oder es zunächst beim Vor- und Nachsprechen belässt. Absolute Anfänger wären in einer der ersten Stunden sicher mit der Einführung des Lautalphabets überfordert. Hier sollten nur die Schwerpunkte bzw. Problemstellen in dem jeweiligen Wort unterstrichen und die Betonung markiert werden, denn es geht um einen ersten Eindruck von der deutschen Lautung und Schreibung und nicht um eine Phonetikeinführung. Wie bereits bemerkt kann das gleiche Arbeitsblatt andererseits bei mehr fortgeschrittenen Lernern zu einer intensiven Übung für Regeln der deutschen Lautung mit Einführung der Lautschrift benutzt werden.
Als Anschlussübung oder parallel bietet sich an, die Städte auf der Landkarte zu finden, allerdings sollte man sich darauf selbst gut vorbereiten, zumal, wenn man sehr kleine, eher unbekannte Stadtnamen gewählt hat!
Für den Abdruck in diesem Heft habe ich eine relativ kleine Schrift verwendet. Auf dem Arbeitsblatt sollten die Namen größer und zweizeilig gedruckt werden, damit genügend Platz für handschriftliche Notizen und Markierungen ist.
![]()
Lübeck Achim Flensburg Franka Greifswald Anne Heiko Heinrich Stralsund Mainz Kopenhagen Michael Bärbel Volker Weimar Susanne London Johanna Stockholm Paderborn Stefanie Göttingen Anna Brandenburg Georg Angelika Augsburg Budapest Paul Werner Bernd Elisabeth Hannover Kiel Moritz Meißen Mario Stefan Pinneberg Prag Lisa Oliver Schwarzenberg Berlin Jana Madrid Warschau Otto Brigitte Amsterdam Peter Osnabrück Heike Bonn Stuttgart Paris Maria Brüssel Leipzig Paula
|
Stadt |
Männername |
Frauenname |
............................... |
|
1. ..Lübeck.....
2. ................ 3. ................ 4. ................ 5. ................ 6. ................ 7. ................ 8. ................ 9. ................ 10. ................ 11. ................ 12. ................ 13. ................ 14. ................ 15. ................ 16. ................ 17. ................ 18. ................ 19. ................ 20. ................ |
1. ...Achim.....
2. .................. 3. .................. 4. .................. 5. .................. 6. .................. 7. .................. 8. .................. 9. .................. 10. .................. 11. .................. 12. .................. 13. .................. 14. .................. 15. .................. |
1. ....Franka....
2. .................. 3. .................. 4. .................. 5. .................. 6. .................. 7. .................. 8. .................. 9. .................. 10. .................. 11. .................. 12. .................. 13. .................. 14. .................. 15. .................. |
1. ...................
2. .................. 3. .................. 4. .................. 5. .................. 6. .................. 7. .................. 8. .................. 9. .................. 10. .................. |
Copyright © 2006 by Andrea König