Michael Menke

Armin Kohz: Warum Deutsch lernen?

Kleines Kaleidoskop zum Verkehrswert der deutschen Sprache und zu einigen Aspekten der deutschsprachigen Kultur und der deutsch-koreanischen Beziehungen


Am Anfang war eine Website des Goethe-Instituts, die den Titel trug „Warum Deutsch lernen”. Diese Website gibt es inzwischen nicht mehr, man mag über die Gründe spekulieren. Stattdessen stößt mein beim Surfen im Goethe-Web nun auf Seiten wie „JETZT Deutsch lernen“, die Uni Bonn offeriert „Deutsch lernen und Tango tanzen“. Auf der Homepage des DAAD sind die ehemals zehn Gründe auf sieben geschrumpft (wobei man jeden einzelnen mühsam anklicken muss...). Die Deutsche Botschaft in Peking hat einen kleinen Teil der ursprünglichen Goethe-Seite vor dem Vergessen bewahrt, und erläutert nun unter dem Titel „Weshalb Deutsch lernen?“ lediglich:

Wer Deutsch spricht, kann problemlos mit rund 100 Millionen Europäern in ihrer Muttersprache kommunizieren, denn Deutsch wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, in weiten Teilen der Schweiz, in Liechtenstein, Luxemburg sowie Teilen Norditaliens, Ostbelgiens und Ostfrankreichs gesprochen. Neben Russisch ist Deutsch die am meisten gesprochene Muttersprache in Europa und gehört zu den zehn am häufigsten gesprochenen Sprachen der Welt.

Das war also der Stein, der alles ins Rollen brachte. Sicherlich waren all diese zehn Gründe richtig und wichtig, aber vielleicht auch etwas zu trocken, um besonders junge Menschen vom Sinn des Deutsch-Lernens zu überzeugen. Auch Armin Kohz waren die zehn Punkte zu wenig ansprechend für Germanistik-Studenten und Deutsch-Schüler, denn die Frage „Warum sollen wir Deutsch lernen?“ wurde ihm immer wieder gestellt, von Studenten, Deutsch-Lehrern und anderen Interessierten. So fing er an, Material zu den ursprünglichen „10 Gründen Deutsch zu lernen“ zu sammeln, um diese Frage sachlich, aber gleichzeitig anschaulich zu beantworten. Mittlerweile ist ein stattliches Kompendium entstanden, das mit Texten, besonders aber mit umfangreichem Bildmaterial viele wichtige Aspekte der deutschen Kultur und der deutschsprachigen Länder vorstellt. Die eigentliche Bezeichnung „Broschüre“, welche die Sammlung an landeskundlichem Material momentan (noch) trägt, scheint aber nicht mehr ganz gerechtfertigt, denn der Umfang beträgt weit über 200 Seiten mit annähernd 400 Bildern und ist das Ergebnis von einigen Jahren des intensiven Sammelns und Zusammentragens.

Aus dem Grußwort des Deutschen Botschafters in Korea: „Das Kaleidoskop ist eine Fundgrube von Informationen zu Deutschland. Die Bedeutung der Deutschen Sprache wird überzeugend begründet, die Frage ‘Warum Deutsch lernen?’ hinreichend beantwortet.“

Das Text- und Bildmaterial ist aufgeteilt in Themengruppen: Die deutsche Sprache in Europa und in der Welt, Englisch und Deutsch als Fremdsprachen, Deutsch lernen, Deutsch als Literatur-, Wissenschafts-, und Verhandlungssprache, deutsch-koreanische Beziehungen usw. Diese Themengruppen unterscheiden sich deutlich von anderen Informations-Materialien über Deutschland, denn sie greifen immer etwas über ihren Rahmen hinaus und machen damit das Lesen und Befassen mit dem Gelesenen interessant. Viele Fakten, die man vielleicht selbst schon mal irgendwo gehört hat und die etwas mit „Deutsch“ zu tun haben, sind hier versammelt, dass der russische Staatschef Putin Deutsch spricht, dass das Faxgerät früher einmal Hellschreiber hieß und eine deutsche Erfindung ist, dass die „Levis“-Jeans ihren Namen vom Schneider Levi Strauss bekommen haben, der in Buttenheim, Bayern geboren wurde, wo es heute ein Levi Strauss-Museum gibt, dass die Menschen in der ältesten Sozialsiedlung der Welt, der Fuggerei in Augsburg, auch heute noch nur eine symbolische Jahresmiete, die jetzt 89 Cent beträgt, zahlen, dass Schneewittchen als Margarethe und Tochter des hessischen Grafen Philip von Wildungen tatsächlich gelebt hat und nur 21 Jahre alt wurde. Das sind alles Dinge, die man mit Interesse selbst lesen und die Bilder dazu betrachten kann, die man seinen Schülern oder Studenten zeigen sollte und die didaktisiert aufbereitet sicherlich ein hervorragendes Material für den Landeskunde- und den Sprachunterricht sind.

Das Bildmaterial hebt sich wohltuend vom einseitigen „Romantik-Klischee“ ab, die Deutsche Zentrale für Tourismus und andere Organisationen, Fotografen und Privatpersonen haben viele wunderschöne Fotos beigesteuert, von Haithabu bis Mainau, von Annett bis Zuse. Auch einige Cartoons, Grafiken und Tabellen runden den visuellen Aspekt sehr informativ ab.

Alle Texte sind auf der einen Seite auf Deutsch, auf der anderen auf Koreanisch abgedruckt. Damit ist diese „Broschüre“ von Anfang an zu verwenden, also auch für absolute Deutsch-Beginner und Leser, die kein Deutsch verstehen. Deutsch-Anfänger werden vielleicht zunächst nur auf Koreanisch lesen, aber, weil nicht immer alles spiegelgleich übersetzt wird, dann bald auch in den deutschen Text schauen.

Prof. Dr. Rhie Won-Yang, ehemals Präsident der Koreanischen Gesellschaft für Deutsch als Fremdsprache und der Koreanischen Gesellschaft für Germanistik, bemerkt dazu: „Ich halte diese Broschüre für ausgezeichnet. Sie ist eine ansprechende Werbung für die deutsche Sprache und Kultur, für deutsche Universitäten und Deutschland als Studienort, für das Goethe-Institut, für die Einführung berufsbezogener Studiengänge in der koreanischen Germanistik, für deutsche Wirtschaftsunternehmen und nicht zuletzt für eine kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern.“

Damit wird das Buch sicherlich nicht nur für Schüler und Studenten interessant sein, sondern für alle, die sich für die deutsche Sprache, die Kultur der deutschsprachigen Länder und die deutsch-koreanischen Beziehungen interessieren. Es ist vielleicht auch ein schönes Geschenk, z.B. für koreanische Geschäftspartner oder Freunde. Wie man an den Werbeanzeigen, mit denen der Band teilfinanziert wird, erkennen kann, zeigen auch deutsche und koreanische Unternehmen und der Deutsche Akademische Austauschdienst Interesse an diesem Projekt.

Zunächst ist geplant, die Broschüre in Korea einzusetzen, einiges von dem enthaltenen Material zu didaktisieren und somit verstärkt für den Deutschunterricht einzusetzen. Eine „internationale Ausgabe“ wäre sicherlich auch interessant, dazu bedarf es natürlich einiger Änderungen.

Die große Stärke dieser Broschüre ist ihre Aktualität, und aus diesem Grund möchte Armin Kohz den Band erst nach der Fußball-WM 2006 abschließen. Man kann diesem Kaleidoskop (oder Buch, oder Sammelband) nur eine große Verbreitung wünschen, denn es füllt eine Lücke, die wir alle oft empfinden: Vielseitige, anschauliche und aktuelle Informationen zur Bedeutung der deutschen Sprache und zur deutschsprachigen Kultur.


Copyright © 2006 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 23

Back Home