Frank Kostrzewa / Bok Ja Cheon-Kostrzewa

Hanbjols Spracherwerb
Ein Bericht zum bilingualen Spracherwerb (Koreanisch – Deutsch)


0. Bilingualismus

Nach Weinreich (1977, 15) können die Praxis der wechselweisen und ähnlich kompetenten Verwendung zweier Sprachen als Bilingualismus und die diese Sprachen verwendenden Sprecher als bilingual bezeichnet werden. Einer der wichtigsten Aspekte des bilingualen Sprachgebrauchs ist die Fähigkeit bilingualer Sprecher zum Codeswitching, d.h. zu einem schnellen und korrekten Wechsel in die jeweils andere Sprache. Gelegentlich wird der Begriff "bilingual" auf diejenigen Sprecher begrenzt, die strukturell sehr unterschiedliche Sprachen beherrschen, wie z.B. Deutsch – Japanisch, Deutsch – Russisch oder, in unserem Fall, Deutsch – Koreanisch. Typische bilinguale Sprecher fühlen sich in beiden Sprachen zu Hause. Trotz der erwähnten Fähigkeit zum Codeswitching verfügen bilinguale Sprecher in der Regel über eine schwache und eine starke Sprache. Die Gründe für die gute oder weniger gute Sprachbeherrschung können zum einen in der Intensität der Sprachverwendung, zum anderen aber auch in emotionalen, personalen und sozialen Faktoren gesehen werden. Für einen erfolgreichen bilingualen Spracherwerb ist es wichtig, dass Kinder zu beiden Sprachen Zugang in einer ähnlichen Intensität erlangen. Als Hauptprinzip sollte gelten, dass das Kind in der bilingualen Familiensituation einen Elternteil mit jeweils einer Sprache assoziiert. Jeder Elternteil sollte seine Muttersprache möglichst konsequent verwenden. Gelegentlich denken Eltern selbst negativ über den bilingualen Spracherwerb ihrer Kinder, weil sie entweder eine mentale Retardierung durch den gleichzeitigen Erwerb zweier Sprachen befürchten oder aber von vornherein den sicheren Erwerb derjenigen Sprache mit dem höheren Sozialprestige bevorzugen. Kielhöfer/Jonekeit (1983, 70) berichten darüber, dass bilinguale Sprecher die von ihnen verwendeten Sprachen syntaktisch oftmals nicht auseinander halten können und die Lexis oftmals vermischen. Im phonetischen Bereich wird zudem die schwache Sprache häufig mit dem Akzent der starken Sprache artikuliert. Im Umgang mit dem Bilingualismus ihrer Kinder sollten Eltern nach Kielhöfer/Jonekeit (1983, 82) kein zu hohes Maß an Korrektheit an die Verwendung der schwachen Sprache anlegen. Fehler sollten toleriert und als Schritt hin zu weiterer Perfektion akzeptiert werden. Der bilinguale Spracherwerb hilft Kindern zu verstehen, dass Worte und Dinge nicht identisch sind. Schon früh wird auf diese Weise ein Verständnis von der Relativität der Sprache gefördert. Aus psycho-linguistischer Sichtweise ist es interessant zu fragen, wie beim bilingualen Sprecher die beiden Sprachen miteinander in Kontakt kommen und ob sie gemeinsam oder aber getrennt gespeichert werden. Von wissenschaftlichem Interesse ist auch die Fragestellung, ob sich die Sprachsysteme monolingualer und bilingualer Sprecher voneinander unterscheiden. In der folgenden Analyse beschäftigen wir uns mit dem bilingualen Spracherwerb (Koreanisch– Deutsch) unseres Sohnes. Unser Sohn Hanbjol wurde in Bielefeld geboren, wir zogen jedoch nach Korea um, als Hanbjol gerade fünf Wochen alt war. Hanbjols Mutter, Bok Ja, ist Koreanerin und hat in Deutschland Deutsch als Fremdsprache und Linguistik studiert. Ich bin Deutscher und habe ebenfalls Linguistik und Deutsch als Fremdsprache studiert. Zum Zeitpunkt unserer Übersiedlung nach Korea verfügte ich nur über geringe Koreanischkenntnisse. Meine Frau hingegen sprach sehr gut Deutsch. Wir entschieden uns nach Korea zu gehen, weil ich dort eine Stelle als DAAD-Lektor an der Keimyung Universität in Taegu antreten wollte. In Deutschland und auch in Korea sprachen meine Frau und ich Deutsch miteinander. In Korea blieben wir von August 1993 bis Juli 1997. In dieser Zeit sprachen meine Frau und auch meine Schwiegermutter, die bei uns wohnte, Koreanisch mit Hanbjol. In den ersten zwei Jahren unseres Aufenthalts sprach ich konsequent Deutsch mit Hanbjol. Später jedoch, zum Teil bedingt durch mein Interesse an der koreanischen Sprache und Hanbjols sicherer Kompetenz im Koreanischen sowie aufgrund der dominant wirkenden Umgebungssprache erlag ich häufig der Versuchung, auch Koreanisch mit unserem Sohn zu sprechen. Als wir nach Deutschland zurückkehrten sprach Hanbjol fließend Koreanisch, seine Kenntnisse im Deutschen waren jedoch sehr begrenzt.

Die folgende Analyse beschreibt Hanbjols Sprachentwicklung in den ersten acht Wochen nach unserer Rückkehr nach Deutschland. In der Anfangsphase sprach Hanbjol vornehmlich Koreanisch und verwendete nur wenige deutsche Wörter. Diese Phase umfasste ungefähr fünf Wochen. Von der sechsten Woche an versuchte Hanbjol Deutsch zu sprechen. Seine ersten Äußerungen waren einfach und unvollständig. Von der achten Woche an versuchte Hanbjol sogar primär seine schwache Sprache Deutsch zu verwenden.

Hanbjols Sprachentwicklung

1. Die Anfangsphase

2. Woche

(Hanbjols Mutter spricht mit einer russischstämmigen Nachbarin auf Deutsch. Die Nachbarin ist die Mutter von Diana, einem sechsjährigen Mädchen.)

H.M. (Hanbjols Mutter):

Kann Diana Russisch sprechen?

N. (Nachbarin):

Nein, sie kann es nur verstehen, aber nicht sprechen. Bis sie zweieinhalb wurde, haben wir nur Russisch gesprochen. Dann dachten wir, sie muss bald zum Kindergarten und haben angefangen, Deutsch zu sprechen. Aber dann hat sie Russisch schnell verlernt.

H. (Hanbjol): 말 안해도 안 잊어버려.
(Wenn man eine Sprache nicht spricht, vergisst man sie.)

In dieser Anfangsphase zeigt Hanbjol eine positive Einstellung zur deutschen Sprache und ist sehr aufgeschlossen, obwohl seine Sprachfertigkeiten weitgehend auf das Koreanische beschränkt sind.

2. Woche

H: Papa, hier oben.
얼음 만들래.
(Wollen wir Eis machen?)

H.V. (Hanbjols Vater):
Möchtest du Eis machen?

H: 아빠, 많이 만들래.
(Papa, bitte mach viel Eis.)

H.V.: Wir müssen warten, bis es fertig ist.

H: Ja, 아빠 밤에 자고 일어나면 얼음이 있 다.
(Ja, Papa, wenn wir am Morgen aufstehen, haben wir Eis.)

H.V.: Wenn wir geschlafen haben, dann gibt es Eis.

H: Ja.

2. Woche

(Auf dem Spielplatz hat Hanbjol einem Kind ein Spielzeug ausgeliehen.)

H: 엄마, 집에 갈 때 주라고 얘기해.
(Mama, sag ihm, dass er es zurückgeben muss, wenn wir nach Hause gehen. )

2. Woche

(Hanbjol spielt zu Hause mit Pia, einem Nachbarkind. Hanbjol möchte draußen spielen.)

H: Papa, draußen!

H.V: Ich muss mal Pia fragen. Möchtest du auch draußen spielen?

P: Ja.

H: Ich auch!

P: Raus?

H: Nein!

P: Ja! Draußen.

H: Ja. 엄마, 내가 독일말로 했어!

(Sehr stolz): Ja, Mama, ich habe gerade Deutsch gesprochen!

3. Woche

(Gestern gab es ein starkes Gewitter.)

H: 난 뜨거운 불 독일말로 뭔지 안다. Feuer.
(Ich weiß, wie dieses Licht auf Deutsch heißt: "Feuer”)

H.M.: 그런데 번개는 다른 이름이 있어. Blitz.
(Aber es gibt noch ein anderes Wort: "Blitz")

3. Woche

(Hanbjols Mutter erklärt Hanbjol, dass er mit ihr immer Koreanisch und mit seinem Vater immer Deutsch sprechen sollte, um beide Sprachen gut zu lernen. Er hält sich an diese Regel und ist auch sehr streng, wenn sein Vater diese Regel missachtet.)

H.V.: Möchtest du einen Joghurt essen?

H: Ja.

H.V.: Joghurt 먹고싶어?
(Möchtest du einen Joghurt essen?)

H: 한국말로 하지 마라. 독일말로 해라.
(Sprich nicht Koreanisch mit mir. Sprich deutsch!)

H.V.: Ja, gut. Wir müssen ganz viel deutsch sprechen.

5. Woche

H: Papa, deutsch! Deutsch!
Daddy, speak German!
엄마, 엄마랑 나랑은 한국말로 해야지.

(Mama und ich sprechen Koreanisch zusammen.)

Vor einigen Tagen besuchte Hanbjol zum ersten Mal seinen Kindergarten. Er ist sich der Tatsache bewusst, dass die anderen Kindergartenkinder nicht Koreanisch sprechen.

5. Woche

H: Mama, Obstgarten (ein Spiel) spielen?

H.M.: Ja.

H.V.: Papa, fang.

H: 그래서 유치원에서 아이들하고 독일말 할 수 있겠네.
(Aber im Kindergarten sprechen die ande ren Kinder Deutsch. )

H.M.: 그래.
(Das stimmt.)

H: 난 한국말도 할 수 있고 독일말도 할 수 있는데. 그런데, 아이들은 독일말 밖에 못하기 때문에 내가 독일말로 해야해. 선생님도 그래.
(Ich spreche Koreanisch und Deutsch, aber die anderen Kinder und auch die Kinder- gärtnerin sprechen nur Deutsch. Ich werde auch Deutsch mit ihnen sprechen.)

Momentan spricht Hanbjols Mutter ausschließlich Koreanisch mit Hanbjol. Wenn sie allerdings Deutsch spricht, wechselt auch Hanbjol unmittelbar ins Deutsche.

5. Woche

(H.M. und H.V. sprechen über den Dialekt in der Region und hierbei speziell über das Frageanhängsel "woll?", das in dieser Gegend häufig verwendet wird. Hanbjol ist sich bereits der Tatsache bewusst, dass auch andere Frageanhängsel im Deutschen existieren.)

H: 어떤 땐 사람들이 nee? nee?' 하는데.
(Aber andere Leute sagen auch "nee”.)

5. Woche

(Hanbjols erster Tag im Kindergarten.)

H: B. (eine der Kindergärtnerinnen) 오늘 없었 어. (B. war heute nicht da.)

H.V.: Kommt B. morgen?

H: B. 한 밤만 자면 온다고 선생님이 말했 어
(Die andere Kindergärtnerin sagte, wir müssen einmal schlafen. Morgen ist sie wieder da.)

Konklusion: Die Anfangsphase in Hanbjols Sprachentwicklung ist sehr kurz (lediglich fünf Wochen). In dieser Phase versteht Hanbjol bereits relativ gut Deutsch, ohne es jedoch produktiv verwenden zu können. Seine typische Kommunikationsart in dieser Zeit ist, dass er entweder konsequent Koreanisch spricht oder aber einzelne deutsche Wörter in seine Äußerungen integriert.

2. Die Übergangsphase

In dieser Phase versucht Hanbjol auf Deutsch zu kommunizieren. Seine Äußerungen in diesem Stadium sind jedoch zumeist einfach und unvollständig, wie die folgenden Beispiele illustrieren.

A und B. böse
(6. Woche)

A. Auto gehen.
(6. Woche)

Komm oben, A.!
(6. Woche)

Hier mein Hause und Diana Hause hier.
(6. Woche)

Diana, das essen?
(6. Woche)

Ich Baby Löwe, Diana Mama.
(6. Woche)

(beim Kartenspielen) Wo ist dieser Hund? Hanbjol dieser brauchen.
(6. Woche)

Buch gib, Mama.
(6. Woche)

Maxi, mitkomm?
(6. Woche)

Papa, dieser gucken.
(7. Woche)

Papa, Hanbjol jetzt komm. Hanbjol ist jetzt komm.
(7. Woche)

Ja, Hanbjol Spinne gucken.
(7. Woche)

Hanbjol ist Löwe. Hier Löwe Hause brauchen.
(7. Woche)

In dieser Phase versucht Hanbjol auf Deutsch zu kommunizieren. Wenn er den intendierten Satz nicht produzieren kann, wechselt er ins Koreanische (Codeswitching).

7. Woche:

H: Dieses Spiel?

M: Nein.

H: Doch doch doch doch! 아빠, 한별이가 이 거 가지고 놀고싶은데 누나가 안 가지고 논대.
(Papa, ich möchte dieses Spiel spielen, aber Maxi will es nicht spielen.)

M: Fang Hanbjol

H: 그럼 Maxi랑 Pia랑 Diana랑 있을 때 놀 아야지.
(Lass uns zusammen mit Maxi, Pia und Diana spielen.)

H: Mama, dieser gucken.

H.M: Was ist das?

H: Ein Flugzeug. 그런데 바퀴 필요 없어. 날 아갈 때는 이렇게 날아가.
(Es ist ein Flugzeug, aber es hat keine Räd er. Wenn es landen will, kommt es so her unter).

H: Diese Mama geben. Schenk.
(Ich möchte dies Mama geben.)

H.M.: Ah! Ist das ein Geschenk für Mama?

H: Ja. 내가 선물해줬어, 엄마.
(Ja, das ist ein Geschenk für dich, Mama.)

H: Diana Mutter erkälten.

H.M.: Ist Dianas Mutter erkältet?
H: 그래서 따뜻한 거 위에 입었더라.

(Ja, sie muss etwas Warmes tragen.)

H: Papa, komm. Hanbjol Papa schenk.

H.V.: Danke. Ist das ein Geschenk für Papa?
(Danke, ist das ein Geschenk für Papa?)

H: Hanbjol Schenk ist viele.

H.V.: Papa hat viele Geschenke?

H: Nein. Hanbjol viele Schenke. Hanbjol ist viele Schenk.

H: Papa, was ist das?

H.V.: Eine Batterie.

H: Papa, diese Batterie 고장나면 neue Batterie brauchen.
(Papa, wenn diese Batterie leer ist, brauchen wir eine neue.)

Ab der siebten Woche kann festgestellt werden, dass neben den Strukturen ohne Verben und denen mit reinen Infinitivformen (brauchen, spielen etc.) die erste konjugierten Verben auftreten. Im Gebrauch der Zeiten ist Hanbjols Sprachverwendung noch auf das Präsens beschränkt.

H: Diese meine. Gib, gib!

P: Ist das deine?

H: Ja. Mama gib.

M: Hat Mama dir gegeben?

H: Ja, gestern.

Dieses Beispiel zeigt, dass Hanbjol trotz seiner Begrenzungen im Bereich der Zeiten bereits gut auf Deutsch kommunizieren kann, obwohl es Situationen gibt, in denen ein nicht erfolgreicher Kommunikationsversuch zu Frustrationen führt. Dies mag das folgende Beispiel illustrieren.

H: Nein, ich Freunde. Ich auch Freunde? Hm? Hm?
Nein, ich Freunde. Hm? Hm?

P: Er weint schon wieder, nur weil wir runter gehen.

Es ist nicht ganz klar, ob Hanbjol sagen möchte, dass er auch Freunde braucht, oder ob er fragen möchte, ob Pia auch seine Freundin ist. Es zeigt sich auch deutlich, dass Pia versucht, bestimmten Situationen zu entgehen, die für sie, aufgrund Hanbjols begrenzter Sprachkompetenz, unbefriedigend sind. Das folgende Beispiel zeigt, dass Hanbjol von der siebten Woche an häufig die dritte Person Singular verwendet, wenn er Verben benutzt. Gelegentlich jedoch fehlen die Verbstrukturen immer noch voll-ständig. Es ist interessant zu beobachten, dass Hanbjol häufig die Verben an das Ende eines Satzes stellt, genauso wie er es im Koreanischen tun würde (S-O-V-Struktur).

H.V.: Heute hat Hanbjol mit Pia und Diana gespielt, nee?

H: Jetzt geht. Jetzt Hause.

H.V.: Ja, jetzt sind sie zu Hause.

Weitere Beispiele können die oben genannten Tendenzen illustrieren:

7. Woche:

H: Mama Schuhe kauft.
Diana Mutter erkälten.
Bambi ist Angst.
Hanbjol auch Buch gucken.
Papa und Pia mitkommt.
Diese (Eisenbahn) nicht stark.
Viele Platz brauchen, dieser auch brauchen.

H.V.: Guck mal, Hanbjol. Mamas und Papas Parisfotos.

H: Ja, Hanbjol gerade guckt.

Die folgenden Beispiele zeigen zum einen Hanbjols typische Satzstrukturen und illustrieren zum anderen die interaktive Korrektur von Hanbjols äußerungen.

7. Woche:

H: Diana, Pia Papa ist Krankenhaus.

D: Weiß ich.

H: Ich auch weiß.

D: Schnell essen, du kleiner Bambi.

H: Du ist Bambi. Du ist Bambi. Du ist Bambi.

H.M.: Ist Diana Bambi?

H: Ja. Du ist Bambi.

H.M.: Du bist Bambi.

H: Papa, so auch geht?

H.V.: Ja, so geht es auch.

H.V.: Fertig?

H.M.: Ich muss noch Jacke anziehen.

H: Ich auch Jacke brauchen nicht.

Die Beispiele illustrieren Hanbjols Satzstrukturen im Deutschen, die in vielen Fällen auf einer Wort-für-Wort-Übersetzung aus dem Koreanischen basieren. Ab der achten Woche kann der erste begrenzte Gebrauch des Perfekt festgestellt werden.

8. Woche:

H.V.: Oh! Was macht ihr Schönes?

H: Dieser Mama gemacht.
Weitere Beispiele sind:

8. Woche:

H: Nochmal Haus bauen oben. Das ist kaputt. Ich gemacht.

H: Papa und ich einmal Zirkus gebaut.

H: Hanbjol ist heute schnell gekommt.

H: Mama, Diana auch eine Schokolade essen.

H.M.: Aber es gibt keine mehr.

H: Doch, einen. Ich zwei gekauft.

Hanbjol wechselt jetzt nur noch sehr selten ins Koreanische, selbst dann, wenn er von seinem Vater oder seiner Mutter auf Koreanisch angesprochen wird.

H.V.: 한별아, 오늘 유치원에서 뭐 마셨어?
(Hanbjol, was hast du heute im Kindergarten getrunken?)

H: 우유. 우유 schmeckt besser.
(Milch, Milch schmeckt besser.)

Heute andere Freund Kakao trinkt.

H: Diana gesagt? Ich draußen spielen?

H.M.: 한별이 지금 한국말 했어? 독일말 했어?
(Hanbjol, hast du jetzt Deutsch oder Koreanisch gesprochen?)

H: 아이, 내가 독일말 했어. 잊어버렸어.
(Ich habe Deutsch gesprochen.)

난 아빠랑 독일말 하고, 엄마랑 한국말 하고싶어.
(Ich möchte mit Papa Deutsch sprechen und mit Mama Koreanisch.)

Das folgende Beispiel zeigt, wie Hanbjol im Gespräch mit seiner Mutter ins Koreanische wechselt und wie dieser Wechsel zur Klärung beitragen kann.

H: Ich bin schlä...

H.M.: 뭐?

H: Ich bin schlä...

H.M: 뭐라고, 한별이?
(Was sagst du, Hanbjol?)

H: 잠이 온다고.
(Ich bin müde.)

H.M: Ah! Ich bin schläfrig.
(Ah! Ich bin müde.)

H: 엄마 그런데, 자고 싶으면 왜 잠이 온다 고 말해, 한국말로?
(Mama, aber im Koreanischen sagt man "der Schlaf kommt”, nicht wahr?)

H.M: 글쎄, 그렇게 말하네.
(Richtig, so sagt man das.)

3 Ausblick

Die vorliegende Analyse ist der Versuch, die Sprachentwicklung Hanbjols in den ersten acht Wochen nach einem vierjährigen Aufenthalt in Korea zu beschreiben. Es konnte aufgezeigt werden, dass in der Anfangsphase Koreanisch die starke und dominierende Sprache ist und dass es in der Übergangsphase zu einem wachsenden Einfluss der Umgebungssprache Deutsch kommt. Zudem wird deutlich, dass Hanbjols metasprachlichen Kommentare eine hohe sprachliche Sensibilität dokumentieren. Die Analyse umfasst nur einen geringen Teil einer insgesamt sehr umfangreichen Datenmenge. Die Arbeit daran wird fortgesetzt.

4 Literatur


Copyright © 2006 by Frank Kostrzewa & Bok Ja Cheon-Kostrzewa


DaF-Szene Korea Nr. 23

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