Monika Rättich

Aktuelle Entwicklungen in der koreanischen Filmindustrie


1. Seit dem Erscheinen des Spionagethrillers „Swiri“ im Jahre 1998 befindet sich die koreanische Filmindustrie im Aufschwung. Das Interesse für koreanische Filme ist nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland größer denn je.

Im ersten Halbjahr 2004 setzte sich die positive Entwicklung fort. Insgesamt stieg die Zahl der Zuschauer von 20,6 Mio. in der ersten Jahreshälfte 2003 auf 23,4 Mio. in der ersten Jahreshälfte 2004. Dieser Anstieg kam v.a. durch eine starke Nachfrage nach koreanischen Filmen zustande; so stieg der Marktanteil der koreanischen Filme von 48% auf 62%,

Der bemerkenswerte Anstieg der Zuschauerzahlen für koreanische Filme ist unter anderem auf den Erfolg des Politthrillers „Silmido“ und des melodramatischen Kriegsfilms „Taegukgi“ zurückzuführen, die im Dezember 2003 bzw. Februar 2004 in den koreanischen Kinos angelaufen sind. Die beiden Filme brachen während ihrer Spielzeit sämtliche Zuschauerrekorde (jeweils über 10 Millionen Zuschauer!) und schafften es sogar, mit dem gleichzeitig laufenden Film „Herr der Ringe“, dem erfolgreichsten ausländischen Film, zu konkurrieren.

Der immense Erfolg des Films „Taegukgi“ verhalf seiner Verleihfirma „Showbox Inc.“ dazu, sich einen festen Platz neben den bisher marktführenden Verleihern „Cinema Service“ und „CJ Entertainment“ zu verschaffen. Im Oktober wurde „Taegukgi’“ für die Oskar-Nominierung in der Kategorie für ausländische Filme vorgeschlagen.

2. Koreanische Filme im Ausland

Die Zahlen der ersten Jahreshälfte 2004 zeigen, dass koreanische Filme im Ausland immer beliebter werden. So wurden insgesamt 111 Filme in 39 verschiedene Länder verkauft; die dadurch erzielten Einnahmen i.H.v. 32,5 Mio. US$ übersteigen bereits jetzt das Niveau des gesamten Vorjahres (31 Mio. US$).

Der asiatische Raum bildet - mit Abstand - den größten Absatzmarkt für koreanische Filme (erste Jahreshälfte 2003: 67,5%; erste Jahreshälfte 2004: 78,3%); danach kommen Europa (24,3% bzw. 15,7%) und Amerika (5,2% bzw. 4,9%).

Wichtigster Absatzmarkt ist Japan mit einem Marktanteil von 68,9% (erste Jahreshälfte 2003: 53,6%); an zweiter Stelle stehen die USA mit 4,9% (5,2%) gefolgt von Deutschland mit 4,7% (6,2%).

In den USA sind im übrigen auch Remakes von erfolgreichen koreanischen Filmen mit bekannten Hollywood-Schauspielern geplant.

Der Korean Film Council (KOFIC) hat sich zum Ziel gesetzt, neue Absatzmärkte zu erschließen und sich nicht nur auf den japanischen Absatzmarkt zu konzentrieren. Mittelfristig könnte ein Abebben der „Korea-Welle“ in Japan ansonsten zu erheblichen Einbrüchen in der Filmindustrie sorgen.

In Europa – und hier insbesondere in Deutschland – ist dem koreanischen Film wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden als in der Vergangenheit. Ein Grund hierfür ist sicherlich die erfolgreiche Teilnahme an internationalen Filmfestivals; so gewann beispielsweise der Film „Old Boy“ – ein Film im Tarantino-Stil – bei den 57. Filmfestspielen 2004 in Cannes den Großen Preis der Jury (Vorsitz: Quentin Tarantino) und Regisseur KIM Ki-Duk erhielt bei der diesjährigen Berlinale für seinen Film „Samaria“ den Silbernen Bären für die beste Regieleistung. KIM Ki-Duks Kunstfilm „Frühling, Sommer, Herbst, Winter... und Frühling“ – eine Gemeinschaftsproduktion des deutschen Filmunternehmens „Pandora Films“ und einer koreanischen Produktionsfirma – lockte im Frühjahr dieses Jahres 200 000 Zuschauer in die deutschen Kinos.

Bei der Berlinale 2005 gab es eine Retrospektive der Werke des koreanischen Altmeisters IM Kwon-taek – eine außergewöhnliche Entscheidung der Veranstalter, da bei den Retrospektiven bisher immer nur die Werke bereits verstorbener Filmemacher präsentiert wurden.

Die deutsche Filmverleihfirma 3L möchte im kommenden Jahr 2006 verstärkt koreanische Filme in Deutschland zeigen. Es ist geplant, neun koreanische Kassenschlager, die sowohl kommerziellen als auch künstlerischen Ansprüchen gerecht werden, in die deutschen Kinos zu bringen.

3. Staat und Film

Die Verbindung von Staat und Film war in Korea lange Zeit sehr eng. Die seit 1966 in Korea existierende Screen Quota besagt, dass in den koreanischen Kinos 40% der Spielzeit oder alternativ 146 Tage im Jahr koreanische Filme gezeigt werden müssen. Seit einigen Monaten überlegt die Regierung, diese Regelung abzuschaffen oder zumindest auf 20% abzusenken.

Hintergrund für die Pläne der Regierung sind u.a. Forderungen der USA, die Quote abzusenken, um einen größeren Marktanteil in Korea zu bekommen. Die Absenkung wurde mehrfach als Voraussetzung für Verhandlungen über ein bilaterales Freihandelsabkommen  genannt.

Seitens der koreanischen Filmindustrie gibt es heftigen Widerstand gegen die geplante änderung, da befürchtet wird, dass es sich bei den gegenwärtigen Erfolgen nur um ein Strohfeuer handeln könnte und die koreanischen Kinos im Zweifelsfall eher amerikanische Blockbuster als koreanische Filme zeigen.

Am 14. Juli gab es eine Großdemonstration, an der berühmte Schauspieler, Regisseure und Produzenten gegen die Abschaffung der Screen Quota protestierten.

Die regierende Uri-Partei arbeitet derzeit an dem Entwurf einer „Minority Quota“, die Prämienzahlungen für die Kinos vorsieht, die Low-Budget-Filme zeigen.


Copyright © 2005 by Monika Rättich


DaF-Szene Korea Nr. 22

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