Thomas Kuklinski-Rhee

Freizeit: Kampfsport in Korea


(Das Folgende stellt meine subjektive Sichtweise über Kampfsport in Korea dar, beruhend auf eigenen Erfahrungen und dem, was man so hört und liest. Der Text erhebt nicht den Anspruch einer vollständigen Auflistung oder gar objektiven Darstellung.)

Wer nach Korea kommt, hat sicherlich schon mal von Taekwondo gehört, seit 1971 koreanischer Nationalsport und seit 1996 eines von zehn ausgewählten Repräsentanten der koreanischen Kultur. Darüber hinaus ist Taekwondo seit der Olympiade 2000 in Sydney offizieller olympischer Sport und hat laut inoffiziellen Schätzungen weltweit zwischen 20 und 50 Mio. Anhängern (darunter ca. 80% Kinder). Dabei ist Taekwondo noch keine 50 Jahre alt und entstammt entgegen den offiziellen Angaben nicht der traditionellen koreanischen Kultur.

Traditionelle koreanische (waffenlose) Kampfarten, die heute noch praktiziert werden, sind Taekkyon und Ssireum. Ssireum ist eine Art Ringkampf (ganz ähnlich übrigens dem traditionellen schweizerischen Schwingen), den es etwa seit dem 14. Jahrhundert gibt. Vermutlich kam er mit der mongolischen Invasion ins Land. Es ist heute ein beliebter Zuschauersport, der ab und zu im Fernsehen gezeigt wird. Taekkyon (Silbentrennung zwischen den Konsonanten, also Taek-kyon) ist noch älter, aber seine Ursprünge liegen im Dunkeln. Möglicherweise praktizierten es bereits die legendären "Hwarang" (wörtlich "Blumenknaben") im Königreich Silla, und vermutlich hatte es ursprünglich andere Namen wie Subak und Takkyon, aber nichts genaues weiß man nicht, alles beruht mehr auf Spekulationen als auf Fakten. Es diente ursprünglich sicherlich als Kampftechnik und zur Selbstverteidigung. In seiner modernen Form ist es vorwiegend auf Beintechniken wie Tritte, Sprünge und Fußwürfe spezialisiert und erinnert in seiner Leichtfüßigkeit ans Tanzen. Mit der Übernahme des Konfuzianismus als Staatsideologie zu Beginn der Joseon-Dynastie (1392-1910), als Körperertüchtigung zugunsten von Gelehrsamkeit an Bedeutung verlor, verkam Taekkyon allmählich zu einer Art Spiel, das vor allem auf Festen gespielt wurde und bei Kindern beliebt war.

Im Militär trainierte man (natürlich) vor allem Waffentechniken und zusätzlich Kwonbeob, wörtlich "Faustmethode", das hauptsächlich aus verschiedenen Boxtechniken bestand. Diese Techniken sind in dem militärischen Handbuch "Muye Dobo Tongji" beschrieben, das nach der koreanischen Unabhängigkeit wieder entdeckt wurde und seitdem als Reprint immer wieder aufgelegt wird, inzwischen auch in englischer übersetzung. Dieses Buch wurde mit Hilfe eines Militär-Kollegen aus Ming-China verfasst und beruht offenbar auf verschiedenen chinesischen Quellen. Ebenso ähnelt das darin enthaltene Kwonbeob-Kapitel zu sehr dem chinesischen Chuan-fa, im Westen bekannter unter dem modernen Namen Kung Fu. Als angebliche traditionelle koreanische Kampfkunst werden diese Kampftechniken heute v.a. unter dem Namen Sippalki weiter betrieben, aber das sieht alles mehr chinesisch aus als koreanisch.

In China hatten buddhistische Klöster großen Einfluss auf die Kampfkünste, allen voran das berühmte Shaolin-Kloster. Daneben waren es die sektenartigen Geheimbünde wie die Triaden (die angeblich von Shaolin-Mönchen gegründet wurden), die "I-ho Chuan", wörtlich etwa "gerechte Fäuste", die den Boxeraufstand ausgelöst hatten, und zahlreiche andere wie der Weiße Lotus, die Acht Diagramm-Sekte, die Rote Faust und die lange Messer-Vereinigung; sie alle trugen zur Verbreitung und Ausdifferenzierung der zahlreichen chinesischen Kampfstile bei. In Japan waren es vor allem die Samurai mit ihrem "Bushido"-Kodex sowie diverse Reaktionen anderer Gruppierungen darauf, wie etwa die Ninja-Clans oder das von der entthronten Adelsschicht im besetzten und unterdrückten Okinawa stammende Karate, die die Entwicklung der Kampfstile voran brachten. Ganz anders dagegen die Situation in Korea. Die (bereits erwähnte) Beförderung des Konfuzianismus zur Staatsideologie ging mit einer Unterdrückung des Buddhismus einher. In Korea gab es keine Kampfmönche, keine Kriegerkaste (auch die "Hwarang" waren dies nicht, und so etwas wie "Samurang" sind reine Erfindungen), keine Schattenkrieger (gelegentlich ist von so genannten "Sulsa" als koreanischen Ninjas die Rede, aber auch die sind eine Erfindung), keine rebellierenden Insulaner und keine Geheimbünde (und wenn, dann blieben sie bis heute geheim ;-).

Die koreanischen buddhistischen Klöster kommen erst mit der japanischen Besetzung Koreas ins Spiel, als das koreanische Militär aufgelöst und die Praktizierung von Kampfarten verboten wurde. Man kann vermuten, dass sich zumindest einige der Soldaten ins Bauern- und Klosterleben zurück zogen und trotz des Kampfkunstverbots vereinzelt Unterricht gaben, denn es ist immer wieder von koreanischen Kampfkünstlern zu hören, die ihr erstes Training während der japanischen Besetzungszeit von einem Bauern oder Mönch bekamen. Wo anders sollten Bauern und Mönche in der Joseon-Zeit Kampftechniken gelernt haben als beim Militär? Es sind darüber aber keine gesicherten Aufzeichnungen bekannt. Inzwischen haben koreanische buddhistische Klöster die Zeichen der Zeit erkannt und folgen dem Vorbild des chinesischen Shaolin-Klosters, indem sie spezielle temple stay-Programme für zahlungswillige Touristen anbieten, bei denen man einen Einblick ins Klosterleben erhält und beim täglichen arbeiten, meditieren und trainieren ihrer Kampfkunst mitmachen darf. Diese Kampfkunst wird Sunmudo oder Sonmudo genannt, was nichts anderes bedeutet als "Zen-Kampfart". Dementsprechend besteht es auch mehr aus meditativen Elementen (ähnlich Yoga und Tai Chi) als aus Kampfsporttechniken. Insbesondere typisch koreanische Stile - Ssireum, Taekkyon oder auch Taekwondo - wird man dort nicht finden.

Zurück zur Zeit der japanischen Besetzung Koreas (1910-1945). Gleich zu Anfang wurde die Ausübung sämtlicher Kampfkünste verboten, wodurch Taekkyon beinahe ausstarb. Das Verbot galt allerdings nicht für Japaner selber, die auch in Korea ihre Kampfkünste Judo, Kendo und Karate weiter praktizieren wollten. Im Laufe der Zeit lernten dies auch immer mehr Koreaner, auch wenn es ihnen offiziell untersagt war. Einige Koreaner gingen in den 1930ern zum Studium nach Japan und kamen später mit einem oder mehreren Schwarzgurten in Karate und Judo zurück nach Korea. Nach der Unabhängigkeit Koreas 1945 entstanden überall Kampfkunstschulen, denn in den unsicheren Zeiten lagen Kampffertigkeiten hoch im Kurs. Dabei bezeichnete man die japanischen Kampfkünste in der Regel mit einem koreanischen Ausdruck: Judo wurde zu Yudo (beides "sanfte Kunst"), Kendo wurde zu Kumdo (beides "Schwertkunst" oder "Weg des Schwertes"), Jujutsu wurde zu Yusul (beides "sanfte Technik") und Karate-Do wurde zu Kongsoodo ("Weg der leeren Hand") oder auch Tangsoodo ("Weg der Tang[-Dynastie]-Hand"), beides koreanische Übersetzungen derselben japanischen Zeichen.

Yudo und Kumdo (sprich "Kommdo") blieben ihren japanischen Namensvettern gegenüber weitgehend unverändert, und heutige Yudo- und Kumdo-Sportler nehmen regelmäßig (und mit großem Erfolg) an internationalen Judo- bzw. Kendo-Turnieren teil. Denn bei aller Betonung lokaler Eigenheiten werden hier die übergeordneten Gemeinsamkeiten nicht übersehen. Parallel zu diesem Daehan Kumdo entwickelten sich später Haidong Gumdo und zahlreiche andere Kumdo-Varianten, in denen man sich auf angeblich jahrhunderte, wenn nicht jahrtausende alte Traditionen des koreanischen Schwertkampfes beruft, älter als die der japanischen Samurai. Diese Stile sind indessen moderne Erfindungen, und über ihre Wurzeln gibt es keine gesicherten Belege. Dort betont man in der Regel den eher tänzerischen Formenaspekt, beim Daehan Kumdo dagegen geht es wie beim Kendo vorwiegend ums Vollkontakt-Fechten mit dem Bambusschwert. (Auch in Europa und Deutschland gibt es seit einiger Zeit Haidong Gumdo ® - hier hat man sich gleich zu Beginn den Namen schützen lassen, offenbar legt man viel Wert aufs Geld verdienen.)

Jujutsu wurde in Korea von Choi Yong-Sul (1904-1986) zunächst in Daegu eingeführt. Er wurde als Junge nach Japan verschleppt, wo er bis zum Ende des zweiten Weltkrieges lebte und nach eigener Aussage Daito-ryu Aikijujutsu unter dem berühmten Meister Takeda Sokaku (1860-1943) lernte. Er behauptete, fast 30 Jahre lang als Privatdiener oder sogar adoptierter Sohn in dessen Haushalt gelebt zu haben und der einzige zu sein, der im Laufe der Zeit das komplette Daito-ryu Aikijujutsu-Programm erlernt und den zweiten Weltkrieg überlebt hat. Diese Darstellung wird von japanischer Seite allerdings vehement bestritten, denn es gibt keinen dokumentierten Nachweis darüber. Wie dem auch sei, Choi fiel - zurück in Korea -   irgendwann dadurch auf, dass er (immerhin nicht mehr der Jüngste) besonders gut kämpfen konnte, und begann, seine Kunst an Schüler weiter zu geben. Ursprünglich nannte er seine Kunst Yukwonsul, also "sanfte Faust-Technik". Einer seiner herausragendsten Schüler war Ji Han-Jae (geb. 1936), der als erster damit nach Seoul ging und diesem Stil weitere, neue Elemente hinzu fügte, unter anderem zahlreiche Tritt-Techniken. Er gab dieser Kunst den Namen Hapkido, was soviel heißt wie "Weg der koordinierten Energie", und mit denselben chinesischen Schriftzeichen geschrieben wird wie das japanische Aikido (dessen Begründer, Ueshiba Morihei, ebenfalls Schüler von Meister Takeda Sokaku war). Ji war in den 1960er und 1970er Jahren Bodyguard des koreanischen Präsidenten und unterrichtete den Geheimdienst, die koreanische Polizei, Spezialeinheiten und an der Militärakademie. Er ging Ende der 1960er in die USA und trainierte US-Präsident Nixons Bodyguards sowie verschiedene Spezialeinheiten, lernte dort Bruce Lee kennen und arbeitete in den 1970ern in Hong Kong an diversen Film-Projekten (er taucht u.a. im Bruce Lee-Film "Game of Death" kurz auf). Er hatte somit einen großen Anteil daran, Hapkido international bekannt zu machen.

Heute ist Hapkido in derart viele verschiedene, größere und kleinere Verbände aufgesplittet, dass selbst Hapkido-Meister den Durchblick verlieren. In Korea sind nur einige konkurrierende Verbände offiziell anerkannt, darunter die Korean Hapkido Federation, vermutlich der größte Verband, und die Korean Hapkido Association. International sind manche Ableger des Hapkido fast bekannter als der ‚Mutterstil’ selbst, so etwa Hwarangdo und Kuksoolwon. In allen Stilen werden sowohl waffenlose Techniken als auch Techniken mit verschiedenen Waffen wie Kurz- und Langstock, Messer, Schwert, je nach Stil auch Nunchaku und eventuell anderen trainiert. Hapkido hat eine ungeheure Variationsbreite an Techniken, sodass in jedem Stil andere Schwerpunkte gesetzt werden. Auch in Deutschland gibt es Hapkido (verschiedener Verbände), Hwarangdo und Kuksoolwon, wobei Vereine ersterer Art in der Regel seriöser abschneiden.

Karate-Do wurde ebenfalls aus Japan von Koreanern, die dort während der Besatzungszeit studierten, nach dem Ende des zweiten Weltkriegs nach Korea importiert. Anfangs verwendete man einfach die koreanischen Bezeichnungen Kongsoodo ("Weg der leeren Hand") oder Tangsoodo ("Weg der Tang-China-Hand") und nannte das ganze im Ausland schlicht Koreanisches Karate. Einer der Urväter, Kee Hwang (1914-2002), ging später in die USA und behielt die Bezeichnung Tangsoodo bei, das dort (und anderswo, auch in Deutschland) unter dem Namen heute noch ausgeübt wird. überall in Korea entstanden zum Teil sich feindlich gegenüber stehende Schulen, und diverse Bemühungen, dem Auseinanderdriften dieser Schulen in verschiedene Stile entgegen zu wirken, scheiterten regelmäßig an Streitigkeiten der Schulbesitzer.

General Choi Hong-Hi (1918-2002) erfand 1955 den Namen "Taekwondo", und nicht zuletzt deswegen wird er außerhalb Südkoreas als "Vater" des Taekwondo gepriesen. Mit Unterstützung der Regierung führte er das Taekwondo-Training im Militär ein. Der Name "Taekwondo" war allerdings bis in die 1960er Jahre hinein in den Privatschulen nicht sonderlich verbreitet. Nach dem von General Park Chung-Hee (1917-1979) angeführten Militärputsch am 16. Mai 1961 gelang mit Hilfe der Regierung schließlich die Bildung einer landesweiten Vereinigung, der "Korean Taesoodo Association", kurz KTA. General Choi konnte sich mit seiner Namenskreation noch nicht durchsetzen. Dies gelang ihm erst im Jahre 1965, als er selber Präsident dieser Vereinigung wurde, die von nun an (bis heute) "Korean Taekwondo Association" hieß. Choi bemühte sich sogleich um Internationalisierung dieser Kampfkunst, und so kamen die ersten Taekwondo-Meister nach Europa und auch nach Deutschland. (Einer dieser Meister, Kwon Jae-Hwa mit Namen, wurde zunächst Bundestrainer und gründete später seinen eigenen Verband gleichen Namens in Deutschland, in dem "traditionelles Taekwondo", das unabhängig von den heutigen koreanischen Verbänden entwickelt wurde, praktiziert wird.)

Choi trat bereits ein Jahr später (aufgrund permanenter interner Streitigkeiten) vom Präsidentenamt zurück und gründete gleich die "International Taekwondo Federation", kurz ITF; man überließ das Feld der Internationalisierung zunächst also ganz ihm. Am 20. März 1971 wurde Taekwondo (wie bereits zu Anfang erwähnt) von Präsident Park mittels einer persönlichen Kalligraphie zur "nationalen Kunst Taekwondo" ("Kukki Taekwondo") erhoben, und ein Jahr später wurde das "Kukkiwon", die Stätte dieser nationalen Kunst, offiziell das "World Taekwondo Headquarter", eröffnet. KTA-Präsident zu dieser Zeit war Kim Un-Yong (geb. 1932), der später zu Koreas wichtigstem und beinahe allmächtigem Sportfunktionär aufstieg, indem er im Laufe der Zeit Präsident aller wichtigen nationalen Sportvereinigungen war und im Jahre 2001 zum IOC-Vizepräsidenten gewählt wurde. (Sicherlich war er mächtiger als der bei uns bekanntere Cha Bum-Kun.) Allerdings wurde er im Juni 2004 verhaftet und wegen Korruption und Veruntreuung zu zwei Jahren Gefängnis und einer hohen Geldstrafe verurteilt.

Kim und Ex-General Choi waren von Anfang an Gegner und versuchten, in "ihren" Verbänden ihre Vorstellungen vom Taekwondo durchzusetzen. Schließlich packte Choi 1972 seine Koffer und zog nach Kanada. "Seine" ITF nahm er dabei mit. Daraufhin wurde während der ersten Taekwondo-Weltmeisterschaften 1973 im Kukkiwon die "World Taekwondo Federation", kurz WTF, gegründet, mit Kim als Präsident. Die beiden internationalen Taekwondo-Organisationen ITF und WTF (resp. Choi und Kim) machten sich die nächsten Jahre gegenseitig das Leben schwer, aber Kim schaffte es dennoch, das WTF-Taekwondo ins olympische Programm zu hieven. Bei der Seoul-Olympiade 1988 und in Barcelona 1992 war Taekwondo zunächst noch Demonstrationssport, in Sydney 2000 und Athen 2004 dann endlich offizielle Sportart.

Choi, der in einer Gegend im heutigen Nordkorea geboren wurde, ging einen anderen Weg und suchte die Annäherung an den stalinistischen Bruderstaat Südkoreas. 1982 besuchte er das Land mit einem Taekwondo-Demonstrationsteam, wobei er u.a. von Kim Il-Sung persönlich empfangen wurde, und seitdem wird in Nordkorea der Taekwondo-Stil des ITF-Verbandes praktiziert. Andere, traditionelle Kampfarten wurden (wie in China) von den Kommunisten unterdrückt, sodass sich ein etwaiger eigener nördlicher Taekwondo-Stil nie selbständig hatte bilden können. Diese Aktivitäten wurden im antikommunistischen, vom Militär regierten Süden selbstverständlich als Landesverrat eingestuft, und spätestens seitdem ist der "Vater des Taekwondo", Ex-General Choi Hong-Hi, in Südkorea geächtet und wird in offiziellen Taekwondo-Darstellungen meist totgeschwiegen. Daneben denunzierte man ihn, er sei nach Nordkorea ausgewandert, aber er ging erst in seinem Todesjahr 2002 dorthin, um dort zu sterben.

Heute wird Taekwondo von der WTF dominiert, die ihren Stil bei der Olympiade durchgesetzt und sich damit selbst die Krone aufgesetzt hat. Seitdem ihr langjähriger Antriebsmotor, Kim Un-Yong, verhaftet wurde, versucht man dort umfassende Reformen durchzusetzen, um aus dem eher provinziell geführten, südkoreanisch dominierten Verband einen international angesehenen Sportverband zu machen. Bei der ITF führte der Tod von Choi Hong-Hi zu Streitigkeiten zwischen seinen Nachfolgern, was darin resultierte, dass die ITF in drei konkurrierende Splitterverbände mit jeweils demselben Namen "ITF" auseinanderbrach und damit international in die Bedeutungslosigkeit versinken wird. In Südkorea gehören alle Taekwondo-Schulen der KTA und damit der WTF an, und man macht überall (fast) die gleichen Techniken und übungen. Außerhalb Koreas gibt es aber eine unüberschaubare Anzahl kleinerer und noch kleinerer Taekwondo-Verbände, die zum Teil ihren eigenen Taekwondo-Stil entwickelt bzw. die Weiterentwicklungen der WTF boykottiert haben, sodass der Unterschied in den Techniken und übungen zum südkoreanischen, "olympischen" Taekwondo z.T. erheblich sein kann.

Taekwondo wurde in der Zeit der Militärdiktatur(en) aus kurzfristigen politischen Motiven heraus zum koreanischen Nationalsport erkoren, und dies auf Kosten des Taekkyon, des eigentlichen traditionellen koreanischen Kampfsports. Schon der Name "Taekwondo" sollte an "Taekkyon" erinnern und eine Art ‚Erbfolge’ suggerieren, obwohl die Silben - einerseits "Tae-Kwon-Do", andererseits "Taek-Kyon" - dies etymologisch nicht zulassen. Song Dok-Ki (1893-1987) war nach der koreanischen Unabhängigkeit beinahe der einzige überlebende, der Taekkyon gelernt hatte und an andere weitergeben konnte. Seit den 1970er Jahren gibt es einen kleinen Taekkyon-Aufschwung, 1983 wurde Taekkyon (neben Ssireum und dem koreanischen Bogenschießen Kug-Gung) bei der koreanischen Regierung als "immaterielles kulturelles Erbe Nr. 76" eingetragen, und heute gibt es Schätzungen zufolge etwa 100.000-250.000 Anhänger in Korea. Inzwischen hat sich die Szene in drei verschiedene Taekkyon-Verbände aufgespalten, in die Korean Taekkyon Association KTA (der älteste Verband), die Kyeolyeon Taekkyon Kyaeseung-Hwe KTK (etwa "Taekkyon Erhaltungsverband", also traditioneller, d.h. ‚härter’ ausgerichtet) und die Korea Traditional Taekkyon Association KTTA (ebenfalls traditioneller). Private Vereine gehören in der Regel der KTA an, Uni-Gruppen dagegen meist der KTK; Ausnahmen bestätigen diese Regeln. Im Ausland ist Taekkyon dagegen weitgehend unbekannt, und wenn, dann wird es meist fälschlich als ‚Vorläufer des Taekwondo’ verkauft.

Kampfsport war und ist in Korea beliebt. Mittlerweile ist man dabei von der Dominanz des Taekwondo ein wenig abgekommen, und er wird nicht mehr so stark propagiert. Im Fernsehen ist vom Taekwondo tatsächlich kaum etwas zu sehen, selbst große Turniere wie Weltmeisterschaften oder bei der Olympiade werden nicht live ausgestrahlt (außer, es steht ein Koreaner im Finale). Beliebtere Kampfsportarten bei Zuschauern sind Boxen, das aus Japan stammende Kickbox-Event K1 und das davon abgekupferte "Gimme 5", das im COEX-Gelände in Seoul statt findet. Mit dem ehemaligen Ssireum-Star Choi Hong-Man (7 feet 2 inch), genannt "Technik-Goliath", hat Korea nun auch einen heißen nationalen K1-Thronanwärter im Rennen, der das Interesse daran natürlich weiter anheizt. Dies zeigt, dass man mittlerweile auch ganz andere Stile wie Muay Thai oder Brazil Jui-Jitsu in Korea erfolgreich trainieren kann.

Grundsätzlich gibt es für Interessierte zwei verschiene Trainingsmöglichkeiten: Privatschulen oder studentischen Gruppen an einer Uni. Für Lektoren dürften Uni-Gruppen sicherlich interessanter sein, da sie keinen oder nur wenig Beitrag kosten - bei Privatschulen rangiert der Monatsbeitrag etwa zwischen 70.000 und 100.000 oder auch schon mal mehr Won - und man in jedem Fall erwachsene Trainingspartner hat. Private Taekwondo-Schulen sind dagegen dominiert von Grundschülern, mit denen man als (erwachsener) Lektor nicht wirklich sinnvoll Partnerübungen trainieren kann. Wer sich für das eine oder andere interessiert, sollte am besten an seiner (oder einer benachbarten) Uni nach entsprechenden studentischen Gruppen fragen und einfach mal vorbei schauen. Meist haben diese Gruppen feste Trainingszeiten; Privatschulen dagegen sind beinahe den ganzen Tag über geöffnet, und man kann (beinahe) kommen und gehen, wann man will. Wer also ernsthaft (d.h. täglich) trainieren will und eventuell auch Prüfungen ablegen möchte, wird also um eine private Schule kaum herum kommen. Das kann ein bisschen umständlich werden, weil viele gute Kampfkunst-Meister nie richtig eine Fremdsprache gelernt haben, aber mit etwas Glück spricht der eine oder andere Schüler genügend Englisch. Andererseits kann das auch ein guter Anreiz dazu sein, (endlich) Koreanisch zu lernen.

Man findet fast alle nützlichen Links über koreanische Kampfkünste auf der folgenden englischsprachigen Seite: http://www.martialartsresource.com/korean/korframe.htm. Darüber hinaus ist die Seite des deutschsprachigen Taekkyon-Zirkels (www.Taekkyon.de) allgemein informativ, auch, was Taekkyon in Korea angeht. über Fragen zum Taekwondo in Deutschland ist www.Taekwondo.de ganz nützlich (abgesehen vom historischen Teil), ansonsten bemühe man die einschlägigen Suchmaschinen.

Darüber hinaus sind einige Diskussionsforen besonders empfehlenswert:
http://www.kampfkunst-board.info/forum/index.php (deutsch),
http://www.kampfkunstforum.de/index.php (deutsch),
http://www.bullshido.net/forums/ (englisch).


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DaF-Szene Korea Nr. 21

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