Die Situation der deutschen Sprache und deutschsprachigen Kultur in Japan ähnelt in gewisser Hinsicht der in Korea. So werden die Musik, die Autos und der Fußball sehr geschätzt und gleichzeitig sieht sich die Germanistik in Bedrängnis. Es gibt aber auch wesentliche Unterschiede, z. B. im Bereich der Deutsch-Lernenden: in Korea ist der zahlenmäßig größere Teil an den Oberschulen zu finden, in Japan sind es hingegen die Studenten des ersten Studienjahrs, die eine weitere Fremdsprache wählen sollen. Die meisten deutschsprachigen Lehrenden arbeiten in beiden Ländern jedoch an den Universitäten. Derzeit sind im Bereich "Deutsche Sprache" in Japan im weiteren Sinne ca. 250 Deutschsprachige tätig.
Der Tätigkeitsbereich "Deutsche Sprache" im weiteren Sinne für deutschsprachige Lehrende umfasst nicht nur die Sprachvermittlung, sondern auch Germanistik als Literatur- und Sprachwissenschaft, DaF oder besondere Fächerangebote wie z. B. Philosophie, Jura, Ästhetik, Musikwissenschaft etc. Deutschsprachige sind an Oberschulen, an Universitäten, den Instituten des GI (Tokyo, Kyoto, Osaka), an privaten Sprachschulen, in der Erwachsenenbildung (Open College ähnlich wie VHS, jap.-deut. Freundschaftsvereine) und auch beim NHK in Radio- und Fernseh-Programmen beschäftigt. Nur an sehr wenigen Oberschulen in Japan, meistens mit fremdsprachlichem Schwerpunkt, kann Deutsch als Pflicht- oder Wahlfach gelernt werden und nur sehr wenige Deutschsprachige sind dort tätig.
Die weitaus größte Zahl der deutschsprachigen Lehrer unterrichtet an den staatlichen und privaten Universitäten und Colleges Vollzeit oder Teilzeit. Das Tätigkeitsprofil umfasst je nach Stellenbeschreibung die Bandbreite Anfänger-Sprachunterricht (für die zweite (dritte) Fremdsprache überwiegend im 1. und 2. Studienjahr, wahrscheinlich das Gros), kann aber auch Mittelstufen-Unterricht für das Hauptfach Germanistik (bzw. Deutschstudien) einschließen, und dann über Seminare, Vorlesungen zu Fachkursen, Abschlussbetreuung bis hin zum Doktorantenkurs gehen.
Die Beschäftigungsverhältnisse und die Vergütung sind sehr vielfältig und im Augenblick einer starken Veränderung unterworfen. Die DAAD-Lektorate wurden schon vor einiger Zeit zugunsten einer finanziellen Unterstützung von den Aktivitäten, Fortbildungen etc. für alle "Lektoren" umgewandelt. Die staatlichen Universitäten wurden im vergangenen Jahr (April 2004) in "Körperschaften" überführt und verfügen nun in gewisser Hinsicht über mehr administrative Autonomie, die auch die Ausschreibung und Besoldung der Stellen betrifft.
Das heißt, dass die sehr begehrten "Ausländer-Professorenstellen" nun an den verschiedenen Universitäten auf je eigene Weise "bearbeitet" worden sind. Hier einige Beispiele: Eine Universität führt jetzt die Stelle einfach unter den selben Bedingungen, jedoch unbefristet, weiter; eine andere Uni hat die Stelle den japanischen Rahmenbedingungen angeglichen und von befristet auf unbefristet umgestellt, was bedeutet, einen sicheren Arbeitsplatz, jedoch mit nennenswert weniger Gehalt, zu haben; wieder eine andere Universität hat die Stellen vom Professor auf Dozent heruntergestuft und auf zwei Jahre mit einer Verlängerungsmöglichkeit befristet und und und.
ähnlich sieht es an den privaten Universitäten aus, die den größten Teil des Arbeitsmarktes bestimmen. Es gibt unbefristete Professuren, die meistens nicht an jüngere Kollegen vergeben werden. In der Regel werden hierfür japanische Sprachkenntnisse und eine mehrjährige Berufserfahrung in Japan, eine gute fachliche Qualifikation und eine rege Beteiligung an der akademischen Verwaltung, Betreuung von Studenten und Abschlussarbeiten erwartet. Ein sehr guter qualifizierter Arbeitsplatz also, der sehr viel Einsatz erfordert und sicherlich nicht mehr als 4 Wochen Urlaub pro Jahr zulässt. Es gibt auch befristete Stellen für 3 + 2 Jahre nur für Sprachunterricht, nur für 1 Jahr und und und.
Voraussetzungen sind in der Regel ein abgeschlossenes Hochschulstudium, nicht unbedingt in Germanistik, und möglichst ein paar wissenschaftliche Aufsätze, denen sehr große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Tendenziell gibt es sowohl Stellen, für die japanische Sprachkenntnisse erwartet werden, als auch andere, die lieber an "Neu-Angekommene" vergeben werden. Darüber hinaus kann man kaum Empfehlungen aussprechen und auch Vitamin B hilft nicht immer. Gut ist es, wenn Hochschulpartnerschaften bestehen. Die Stellenbeschreibungen sind so vielfältig, dass es kaum vorauszusagen ist, "ob man Chancen hat". Manchmal wird ein "DaF-ler" gesucht, dann jemand über 40, dann dies, dann das. Man sollte es einfach probieren.
Neben den Vollzeitstellen gibt es eine sehr große Zahl an Teilzeitstellen (Lehrbeauftragte, hijoukin = kangsa), mit der sich einige redlich ernähren (müssen und können). Diese Stellen können teilweise sehr interessant sein, sicherlich manchmal auch frustierend. Für die Teilzeitstellen gelten die gleichen Einstellungsvoraussetzungen. Die Bezahlung erfolgt nach den Stunden, die man unterrichtet hat (zwischen 2500 Yen und 5000 Yen für 45 Minuten, derzeit 30 Euro - 60 Euro), oder monatlich mit einem kleinen festen Gehalt (abhängig vom Alter pro Einheit (90 Minuten) und Monat ca. 25.000-30.000 Yen, derzeit ca. 300 bis 350 Euro), Fahrkosten extra. Das können monatlich schon 200.000 - 400.000 Yen (derzeit 2500 bis 4800 Euro) werden, allerdings kommt kein Bonus hinzu und als Teilzeitlehrer muss man die staatliche Krankenkasse und auch den gesetzlichen Rentenanteil selbst zahlen, man hat jedoch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Bei einer Vollzeitanstellung werden Rente, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung vom Arbeitgeber bezahlt. Das Gehalt für die Vollzeitstellen schwankt sehr stark. Wichtigste Faktoren sind das Alter und ob man schon vorher in Japan gearbeitet hat. Tätigkeiten in anderen Ländern und akademischer Grad sind nicht so ausschlaggebend. Ganz grob nach Hörensagen geschätzt kann ein Gehalt netto, also nach Abzügen, zwischen ca. 250.000 Yen (derzeit ca. 2800 Euro; jung (32), nicht verheiratet, erste Stelle) und ca. 500.000 Yen (derzeit ca. 6200 Euro; älter (50), Familie, Professor) liegen. Vielleicht kommen noch Bonuszahlungen, gegebenenfalls eine Dienstwohnung etc. hinzu. Es gibt kaum verlässliche Daten dazu.
Nach meiner Schätzung benötigt man zum einfachen Leben in Japan mindestens ca. 200.000 Yen (Miete, Strom, Gas, Telefon, Essen, sonstiges). Wenn ein Auto, ein Flug in die Heimat, ein Stück gutes Fleisch oder Obst, ein Konzertbesuch usw. hinzukommen sollen, dann sind es schon 300.000 Yen pro Monat.
Bei einer Vollzeitanstellung bekommt man für den entsprechenden Zeitraum ein Arbeitsvisum, das für Neu-Ankommende vorher in Deutschland beantragt werden muss. Die ersten beiden Jahre sind steuerfrei. Der Steueranteil ist nicht so hoch wie in Deutschland. Auch Teilzeitlehrer können mit einer genügenden Stundenzahl ein Arbeits- und Aufenthaltsvisum erhalten.
Auch wenn die administrativen Rahmenbedingungen und Bezeichnungen der Stellen sich verändern, ist m. E. doch kein wesentlicher Rückgang der Stellen für deutschsprachige Lehrende in Japan insgesamt festzustellen. Die lukrativen Stellen der "Lektoren-Generation" gibt es nicht mehr, aber es gibt Stellen, für die man sich teilweise qualifizieren muss, z. B. durch Japanisch-Kenntnisse oder Publikationen. Es ist nun ein starker Wandel in der Stellenbeschreibung und Einstellungspolitik festzustellen. Nicht zuletzt behalten sich die japanischen Universitäten durch die Befristung der Stellen natürlich eine Möglichkeit vor, auf eine Veränderung der Studentenzahlen, die erwartet wird und im Gange ist, reagieren zu können.
Viel kritischer schätze ich die Situation der japanischen Deutsch-Lehrer und Germanisten ein. Ihre Stellen sind sehr viel stärker unter Druck. In letzter Zeit konnte ich mehrmals verfolgen, dass eine ursprüngliche Germanisten-Stelle einem Fachwissenschaftler (Soziologie, Politik, Kunstwissenschaft), der z. B. sehr gute Deutsch-Kenntnisse (auch durch längere Aufenthalte in Deutschland) hatte, aber kein eigentlicher Sprachlehrer ist, gegeben worden ist. Die Universitäten wollen ihren Studenten damit nicht nur Literatur- und Sprachbildung sondern auch ein Fachangebot auf Deutsch bieten.
Neben den Universitäten werden auch im Bereich der Sprachschulen zunehmend deutschsprachige Lehrende gesucht, die oftmals auf ganz spezifische Profile sich einstellen müssen, z. B. Business-Deutsch, Unternehmenskommunikation etc.
Mit den sinkenden Studentenzahlen haben die Universitäten das "Lebenslange Lernen" sich auf die Fahnen geschrieben und im Augenblick schießen "Open Colleges" wie Pilze aus dem Boden. Nicht nur für die reiferen Jahrgänge, sondern auch für den "Salary-Man" am Feierabend soll Bildung aller Art angeboten werden. Dies ist ein nicht zu vernachlässigender Markt, wenn man bedenkt, wie viele Japaner schon einmal Deutsch gelernt haben und trotz Vergnügungsneigung doch sehr bildungsbeflissen sind.
Im Bereich Deutsche Sprache, Germanistik - Literatur und Sprachwissenschaft, DaF und verwandten Fächern gibt es auf den Kongressen und in den Publikationen der Fachorgane eine sehr vielfältige, intensive und rege Diskussion wissenschaftlicher Themen, deren Spannbreite von Brechts Theater über Goethes Wahlverwandtschaften, Elfriede Jelinek, Märchen, Sprachtypologie, das Nibelungenlied bis zur Situation von DaF und CALL reicht.
Diese Interessen werden unter der Obhut der "Japanischen Gesellschaft für Germanistik (JGG)" vertreten, die zweimal pro Jahr, einmal im Frühjahr (Mai/Juni) und einmal im Herbst (Oktober), eine Tagung veranstaltet, auf der zu allen Themenbereichen der Germanistik im weitesten Sinne Fachreferate auf Japanisch oder Deutsch vorgetragen werden können.
Daneben finden jedes Jahr jeweils mit geladenen, renommierten Fachvertretern aus Deutschland, Österreich und er Schweiz insgesamt drei 4-tägige Fachseminare für max. 30-40 Teilnehmer statt: Mitte März eine Veranstaltung zur Literatur bzw. Literaturwissenschaft, dann Ende März eine zu DaF und Ende August eine zur Sprachwissenschaft. Diese Veranstaltungen stehen allen Mitgliedern offen, deutschsprachigen und japanischen in gleicher Weise. Sie sollen gewährleisten, dass sich die Mitglieder über die neuesten Entwicklungen der Forschung im Bereich der Germanistik auf dem Laufenden halten können.
Um das Profil und die Anerkennung der Publikationen und Forschungsleistungen der japanischen Germanisten zu erhöhen, wird von der JGG seit dem Jahre 2002/3 ihre Zeitschrift als "Neue Beiträge zur Germanistik" im Iudicium-Verlag in 3 Teilbänden pro Jahr herausgegeben. Wer Mitglied ist und/oder einen Vortrag auf einer der Tagungen gehalten hat, kann in der Regel einen Beitrag dafür schreiben zu den Bereichen DaF, Linguistik, Literatur etc. Manchmal wird man auch dazu eingeladen. Die Zeitschrift hat einen festen Erscheinungsrhythmus. Die Homepage der JGG http://wwwsoc.nii.ac.jp/jgg/ gibt es auch teilweise auf Deutsch.
Daneben gibt es auch zahlreiche Zeitschriften anderer Fachgruppierungen. Und auch die Universitäten haben meistens mehrere eigene Zeitschriftenreihen. Jede und Jeder an der jeweiligen Universität Lehrtätige, also fest Angestellte, befristet Angestellte oder Teilzeitangestellte, Japaner oder Nicht-Japaner, kann in den universitätsinternen Medien in einer beliebigen Sprache und zu einem beliebigen Fachthema einen Beitrag schreiben. Oftmals wird man auch dazu aufgefordert. In der Regel haben diese Publikationen einen festen Erscheinungsrhythmus. Dem kontinuierlichen Schreiben und Vortragen von wissenschaftlichen Themen (die nicht unbedingt im Bereich der Germanistik liegen müssen) wird bei Bewerbungen viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dies wird von der deutschsprachigen Seite oftmals unterschätzt.
Außerdem gibt es noch zahlreiche Möglichkeiten für Fortbildungen des DAAD, des GI, des DIJ, der OAG, Vorträge und Ausstellung an Unis und auch Initiativen von einzelnen Lektoren, z. B. Dichterlesungen oder auch zur Unterrichtsdidaktik. Wichtige Medien sind dabei die Mailinglisten und ein E-Forum. Das Angebot der Informationsveranstaltungen und Fortbildungen sowie des fachlichen Gedankenaustauschs ist allgemein sehr vielfältig, in den größeren Städten wie Tokyo, Osaka oder Kyoto sicherlich ein bisschen größer als auf dem Land.
So bleiben noch zwei Aktivitäten zu nennen, die von den Lektoren selbst ursprünglich als so genannte AG’s initiiert wurden, und auch bis jetzt noch weitergeführt werden: zuerst der Lektorenrundbrief: Er wurde 1996 als Lektoren-AG von Gernot Gad, Anne Gellert u. a. initiiert und dient der Informationsvermittlung und der kommunikativen Anregung unter den deutschsprachigen Lehrenden in Japan, insbesondere für den Unterricht, aber auch rund um das Lektor-inn-enleben in Japan. Der Druck und der Versand des Lektorenrundbriefs wird seither vom DAAD-Büro, Tokyo als Lektoren-AG finanziert (die Online-Version unter http://www.deutsch-in-japan.de/lektorenrundbrief/);
und die Lektorenhomepage in Japan (http://www.deutsch-in-japan.de/), die ebenfalls aus einer Lektoren-AG unter Beteiligung von Martin Lange, Markus und Martina Gunske von Kölln sowie Gernot Gad hervorgegangen ist, dann lange Zeit von Michael Mandelartz betreut wurde und nun in den Händen von Frank Mielke liegt.
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