
Sehr geehrte Professoren,
bald nach meiner Ankunft habe ich eine größere Sammlung älterer "DaF-Szenen" von Herrn Menke erhalten und sie eifrig mit dem Gelbstift studiert. Jetzt nach zwei Jahren wäre es wohl wieder an der Zeit für eine Gedächtnisauffrischung. Die besondere Achtung gegenüber deutschen und koreanischen Lektoren der deutschen Sprache habe dadurch deutlich gemacht, dass ich so viele Treffen wie möglich besucht und mich auch aktiv beteiligt habe, denn ich halte es für eine zentrale Aufgabe der Botschaft, Ihre Vorschläge aufzugreifen und Ihre Probleme aktiv in die Diskussion mit unserer koreanischen Gastregierung einzubringen.
Die allgemeine Feststellung der deutschen Botschafterkonferenz in Bangkok im vergangenen November, dass Asien "asiatischer" wird und damit weiter von Europa abrückt, trifft natürlich auch für Korea zu. Dabei hilft es nicht viel, dass die Europäische Union weiterhin der größte Investor in Korea ist und Deutschland der wichtigste Partner in dieser Union. Auch können Koreaner wohl vor allem aus Deutschland und Europa eine uneingeschränkte und uneigennützige Unterstützung der "Frieden und Wohlstand" Politik und einer koreanischen Wiedervereinigung erwarten. Letzteres wurde auch beim Staatsbesuch in Berlin deutlich. Immerhin: die Republik Korea hat erkannt, dass ihre beachtliche Position in Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in Deutschland weiterer besonderer Anstrengungen bedarf: das "Koreajahr 2005" in Deutschland mit seinen vergehenden aber auch den dauerhaften Angeboten an die deutschen Freunde Koreas ist ein nachahmenswertes Beispiel. Der Koreanische Garten in Frankfurt und der Seoul Garten in Berlin werden uns dauernd erhalten bleiben.
Die überzeugenden Anstrengungen der Lektorenvereinigung, das Lehrangebot auf Nachbarfächer auszuweiten und somit für koreanische Stundenten attraktiver und für die Karriere nützlicher zu gestalten, verdienen Interesse und Zustimmung. Der Dialog der Lektoren mit den deutschen Unternehmen vor Ort muss wieder angeschoben werden. Dies ist auch deshalb notwendig, weil die Tendenz zu immer kürzeren Aufenthalten immer jüngerer Mitarbeiter aus den Firmenzentralen führt, die noch weniger Zeit und Motivation haben, sich die anzuhören, die einen wesentlicheren Beitrag für die Akzeptanz Deutschlands in Korea leisten und sich das spannende Projekt "Deutschland - Korea" zum Teil zur Lebensaufgabe gemacht haben.
In diesem Heft geht es vor allem um Praktisches. Sie dabei zu unterstützen ist der leichtere Teil der Arbeit der Botschaft. Wir werden uns aber auch gern an den grundsätzlichen Debatten weiter beteiligen und hoffen, dass die Tür für uns offen ist.
Mit freundlichen Grüßen
