Dieses Buch entstand ursprünglich aus den Erfahrungen, die Sylvia Knoß gemacht hat, als sie 1995 nach Korea zog. Seitdem ist es mehrmals verändert worden, wobei für die dritte und vierte Auflage andere Personen (jeweils Frauen) verantwortlich zeichnen, zuletzt Simone Schrötter. Die Bearbeitung der nächsten Auflage hat Frau Ricarda Bollmann in Angriff genommen. Es umfasst knapp 160 Seiten. Zusätzlich (etwas ungewöhnlich für ein Buch) befinden sich am Anfang und am Ende insgesamt 9 Seiten Firmenwerbung meist deutscher Firmen (die z.T. auch in der DaF-Szene Korea inserieren), aber auch z.B. des Oakwood Premier COEX-Centers, des Seoul Club sowie der Deutschen Schule Seoul. Ausreise nach Korea beginnt mit einem sehr ausführlichen Inhaltsverzeichnis und endet mit Auflistungen hilfreicher Anschriften, Internet-Adressen, mit Sternchenbewertungen versehener Literaturtipps über Korea, einem Anhang faksimilierter Antragsformulare (für Ausfuhr- und Registrierungsbelange) sowie einem hilfreichen Stichwortindex.
Die Sprache ist sachlich und unspektakulär gehalten, die Artikel sind alle kurz und knapp geschrieben, wobei gelegentliche Schreib- und Grammatikfehler durch den Informationsgehalt mehr als wettgemacht werden. (Mir persönlich ist natürlich die Schreibweise "Taek-Won-Do" am unangenehmsten aufgefallen; richtig würden die Silben "Tae-Kwon-Do" lauten.) Die Umschrift koreanischer Ausdrücke folgt keinem festen System, so gerät sie manchmal durcheinander - Koreas internationaler Flughafen etwa heißt einmal "Incheon", auf der nächsten Seite dann aber "Inchon". Bei besonders wichtigen Ausdrücken orientieren sich die Autorinnen an einer Art selbst gestrickter Lautschrift, etwa "Adschuma" als Anrede für eine Haushaltshilfe oder "tschim-dä" für ein Bett westlichen Stils.
Das Buch bietet in seinen 38 Kapiteln und unzähligen Unterkapiteln eine fleißige Sammlung von Institutionen, Anschriften, Internet- und E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Preisen und anderen Daten zu allen möglichen Bereichen des alltäglichen Lebens in Südkorea, angefangen mit allgemeinen Auskünften über Land, Leute und Lebensstil, über das Arbeiten in Korea, über die Währung und andere Maßeinheiten, über Kontos und Kreditkarten, über verschiedene Mobilitäts- und Immobilitätsfragen, Einreise-, Aufenthalts- und Ausfuhrbestimmungen, steuer- und andere rechtliche Sachen, über die Benutzung und den Erwerb von Informations- und Kommunikationsmedien, das Gesundheitswesen, Freizeitangebote, Einkaufstipps und verschiedenen Kleinigkeiten wie Motorrad fahren, Handwerker, Visitenkarten und Zivilschutzübungen bis hin zu Beratungskapiteln über Kleiderkonventionen und einem kleinen Korea-Knigge. Außer einer Seite mit allgemeinen Hinweisen finden sich aber keine weiteren Angaben über die koreanische Schrift und Sprache, kein koreanisches Alphabet, keine Auflistung der verschiedenen Zahlensysteme und keine Angaben darüber, wie Koreanisch in lateinische Schriftzeichen transkribiert werden kann (und umgekehrt). Ansonsten lässt die Themenauswahl kaum Wünsche offen, und falls man doch etwas vermissen sollte - etwa "wie mache ich mich in Korea selbständig?" -, kann man sich damit über die weiter unten angegebene Kontaktadresse an die derzeitige Sachbearbeiterin wenden.
Die Angaben im Buch sind alle ohne Gewähr, denn den Autorinnen ist klar, wie schnell sich in Korea Anschriften und insbesondere Internetadressen und Telefonnummern, aber auch Preise ändern. Mir sind jedenfalls bei der schnellen Durchsicht keine Fehler aufgefallen, aber ich habe auch nicht großartig nachgeprüft. Es finden sich überall nützliche Informationen, auch wenn man schon länger hier lebt. Ich wusste z.B. noch nicht, dass man bei einem "Victory"-Zeichen mit den Fingern von Taxifahrern bevorzugt mitgenommen wird, denn es bedeutet, dass man bereit ist, den doppelten Preis zu zahlen (was allerdings nicht ganz legal ist), und auch die beiden Antiquariate in Itaewon - der "Foreign Bookstore" an der Noksapyeong-Station sowie "Ally’s Book Nook" bei der islamischen Moschee - waren mir bis dato unbekannt.
Kleinigkeiten, die ich zu ergänzen hätte, wären z.B., dass es in manchen großen Supermärkten (z.B. bei "Carrefour" in Dobong-Gu, der übrigens auch nicht auf der Liste auftaucht) die Möglichkeit gibt, kleinere Auto-Reparaturen und Wartungsarbeiten umsonst erledigen zu lassen. Und dass es im koreanischen Straßenverkehr keine allgemeine Vorfahrtsregel à la "rechts vor links" gibt, sondern dass der Schnellere bzw. das ‚eindrucksvollere’ Fahrzeug meist einfach Gas gibt.
über Nordkorea gibt es nur Reiseinformationen. Es wäre sicherlich interessant, zu manchen Punkten Vergleichsinformationen zu haben.
Im Buch findet sich die Angabe, dass ca. 1.700 Deutsche in Korea leben, davon etwa 1.000 in Seoul, und von diesen ungefähr 50% in den ‚Ballungsräumen’ Itaewon, Hannam-Dong und um den Namsan; weitere 20% leben in Gangnam. Die meisten Deutschen in Korea arbeiten vermutlich in der Wirtschaft, und für diese und ihre Angehörigen ist das Buch in erster Linie geschrieben. So sind viele Angaben Seoul-zentriert und Beispiele (z.B. für Mietpreise) vielfach aus diesen Gebieten, was den Bedürfnissen vieler Wirtschafts- und auch der Botschaftsangehörigen sicherlich entgegenkommt. Lektoren dürfte das indessen meist nicht direkt selbst betreffen, und so befriedigen manche Angaben in dem Buch eher die Neugier als unsere vitalen Interessen. Bei vielen Themen merkt man, dass die Informationen nicht aus einer koreanischen Insiderperspektive stammen, so etwa bei der Wohnungssuche, den Angaben über Ausbildung- und Erziehungsfragen, über die Freizeitgestaltung sowie über koreanische Restaurants. Mit der Hilfe freundlicher Inländer können sich einem hier vielfach bessere und preiswertere Alternativen eröffnen, als es im Buch beschrieben ist.
Auffällig ist die Rolle der Frau im Buch. Frauen werden hier weniger als eigenständige Personen behandelt, sondern mehr als eine Art 'Anhang', den jemannd (!) mitgebracht hat und der sich in Korea vor lauter Beschäftigungsmangel oftmals auf die Kindererziehung konzentriert. Während derartige Ansichten in Lektorenkreisen eher auf Reaktionen wie Unverständnis oder Erheiterung stoßen dürften, findet sich anderswo genau diese Lebenswirklichkeit, z.B. im "Deutschen Club Seoul", der im Kern aus ‚mitgebrachten’ Frauen deutscher Wirtschaftsangestellter mit spürbaren Langeweile-Symptomen besteht. Aber auf diesen Personenkreis zielt das Buch schließlich ab, und da darf es nicht verwundern, wenn man dessen Perspektive wieder findet. Daneben wird ab und an explizit die Sichtweise von Botschaftsangestellten eingenommen, eine Perspektive aus Uni-Sicht fehlt dagegen ganz. Spezifische Informationen für Lektoren oder auch Austauschstudenten wird man im Buch daher nicht finden.
Insgesamt empfiehlt sich das Buch dennoch für alle Neulinge in Korea und für alle, die einen längeren Korea-Aufenthalt planen, zur Anschaffung. Aber auch ‚alte Hasen’ können noch genug interessante Informationen entdecken, vor allem, was die Auflistungen von Institutionen angeht. Wer auf nähere Angaben über Sprache und Schrift verzichten kann, für den stellt das Buch eine umfassende Informationsquelle dar. Wegen der besonders für Lektoren teilweise ungewöhnlichen Perspektive der Autorinnen kann es aber nicht schaden, sich zusätzlich noch aus anderen Quellen über Korea zu informieren.
Das Buch kann man in Korea für 24.000 Won bei Frau Ricarda Bollmann unter rbollmann@hotmail.com beziehen; Mitglieder des "Deutschen Club Seoul" - www.deutscherclubseoul.com - bekommen einen kleinen Preisnachlass. In Deutschland ist es für € 16,80 bei Frau Knoß unter knoss@compass-relocation.de zu haben.
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