Arbeitgeber für den Bereich Deutsch als Fremdsprache sind weitgehend Universitäten und Oberschulen, bei letzteren besonders die Fremdsprachenoberschulen. An etwa 70 Universitäten in Korea wird das Fach Germanistik angeboten, seit einigen Jahren oft im Rahmen der sogen. "European Studies". Fremdsprachenoberschulen gibt es 14; normale Oberschulen, an denen Deutsch angeboten wird, sind zahlreich, jedoch werden dort so gut wie nie "native speakers" eingestellt.
Es gab oder gibt noch ein oder zwei "Fremdspracheninstitute" (kor. "Hagwon"), die sich auf Deutsch spezialisiert haben, aber normalerweise bieten diese Einrichtungen nur Englisch an (und haben zum großen Teil bei den dort arbeitenden Amerikanern, Kanadiern oder auch Deutschen, die sich als Engländer ausgeben - Hauptsache, man sieht so aus -, einen denkbar schlechten Ruf).
In der Republik Korea gibt es fünf DAAD-Lektorate für Germanistik an Universitäten. Diese Lektorate werden bei Bedarf öffentlich ausgeschrieben und erscheinen z.B. in der "Zeit". Voraussetzung ist i.d.R. ein abgeschlossenes Germanistik-Studium, möglichst mit Promotion. Eine Anstellung über den DAAD erfolgt für einen Zeitraum von 3-5 Jahren.
Die anderen Universitäten suchen, wenn sie Bedarf haben, Lektoren auf verschiedenen Wegen. Die Anforderungen sind ein abgeschlossenes Germanistik-Studium, manchmal wird auch bereits DaF verlangt. Teilweise reicht aber auch ein verwandtes Fach, z.B. Literaturwissenschaft, Geschichte, etc. Man möchte natürlich gern einen "Doktor" haben, denn das ist gut für den Ruf der Uni, meistens sind eingestellten Lektoren Magister oder Lehramts-Absolventen. Voraussetzung für die Anstellung an staatlichen Hochschulen ist der Nachweis von einem Jahr Lehrerfahrung, private Unis fordern das auch, greifen aber im Notfall auch auf unerfahrenere Kandidaten zurück.
Der häufigste Vermittlungsweg ist auch der einfachste für die Verwaltung: Sie bitten den noch tätigen Lektor oder die Lektorin, einen Nachfolger vorzuschlagen. Der- oder diejenige hört sich dann im Bekanntenkreis oder an der Heimat-Uni um, und meist führen diese Aktionen auch zu irgendeinem Ergebnis. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der bisherige Amtsinhaber kann den Nachfolger über alles Notwendige informieren und als weiterer Ansprechpartner dienen. Schlecht für die Uni - gut für den Lektor: über die Nachteile und Schattenseiten wird auch gleich informiert, und manche Uni war darum verdientermaßen für eine gewisse Zeit "lektorenfrei". Quantitativ an zweiter Stelle ist die Bitte um Vermittlung an eine Organisation oder Institution. In den letzten Jahren war das meistens die Lektoren-Vereinigung Korea, die Stellengesuche von Hochschulen per Mail-Liste an suchende Germanisten und DaFler weiterleitete. Auch wir informieren natürlich nicht nur über die Sonnenseiten des Lektorenseins. Daneben fragt man auch schon mal das Goethe-Institut oder die Deutsche Botschaft, die dann aber wiederum an die LVK weiterreichten. Selten ist, dass eine koreanische Universität in einer deutschen Zeitung oder auf einschlägigen Websites inseriert, und manchmal reist auch ein koreanischer Professor zu der deutschen Uni, an der er studiert hat, und fragt dort nach geeigneten Kandidaten.
Sind sich beide Seiten einig, muss ein Arbeitsvertrag abgeschlossen werden. Gültig für die koreanische Seite ist dabei die koreanische Version, dem deutschen Lektor wird aber oft nur eine lückenhafte englische oder deutsche Übersetzung vorgelegt. So kann es passieren, dass man bei Streitfällen zwei Versionen hat, von denen aber nur eine gültig ist. Im Arbeitsvertrag sollte folgende Punkte festgelegt werden:
- Dauer des Vertrags: In der Regel ist das ein Jahr, das dann in beiderseitigem Einverständnis verlängert werden kann. Manche Universitäten bieten später Zweijahresverträge, in seltenen Fällen erfolgt eine feste Anstellung. ("Schwarze Schafe" bieten Elf-Monats-Verträge, um Sozialversicherung einzusparen. Diese Institute sollte man meiden...)
- Höhe des Gehalts (Siehe auch der Artikel in diesem Heft dazu) Das Gehalt an koreanischen Hochschulen setzt sich aus vielen Teilen zusammen. Da ist einmal das Grundgehalt, das aber oft nur die Hälfte des Gesamtslohns ausmacht. Dazu kommt manchmal ein jährlicher Bonus, am Anfang für einen Monat, später für 2, 3 oder mehr Monate. Forschungsgelder machen einen großen Teil des Lohns aus; für Fachaufsätze oder Vorträge wird relativ viel erstattet, da diese für das "Ranking" der Hochschule zählen, Ausländer werden von diesen Vorzügen aber oft ausgeklammert. Man solle auch klären, ob man in den ersten zwei Jahren von der Einkommensteuer befreit ist, an manchen Unis ist das der Fall. Die Steuer bekommt man durch einen Lohnsteuerjahresausgleich zurück.
- Unterrichtsstunden pro Woche (normalerweise 9-15) ?
- andere Verpflichtungen (Theaterkurse, Sommerkurse, ... Das ist wichtig, um einschätzen zu können, ob man in der vorlesungsfreien Zeit anwesend sein muss oder nicht.) ?
- freie Zeit (Dauer der Ferien, vorlesungsfreie Tage) ?
- Wohnung oder keine Wohnung. (Wohnungen sind in Korea wesentlich teurer als in Deutschland, man sollte auch ausmachen, ob die Wohnung möbliert ist oder nicht, ob und wie viel Nebenkosten man zahlen muss.)
- Krankenversicherung ?
- Rentenversicherung: Viele Universitäten sind in das koreanische Versicherungssystem eingegliedert. Hier muss man klären, ob das der Fall ist, ob man dann die eingezahlten Beträge hinterher wieder ausgezahlt bekommt, oder ob der Arbeitgeber am Ende ein "severance pay" auszahlt, das ist für jedes geleistete Arbeitsjahr ein Monatsgehalt.
- Steuer: Generell kann man sagen, dass der gesamte Steuer- und Abgabensatz in Korea wesentlich niedriger ist als in Deutschland. Von einem Gesamteinkommen gehen nur etwa 15 Prozent ab für Krankenversicherung, Rente, Steuer, ... Das ist natürlich angenehm niedrig, andererseits hat der koreanische Staat damit auch wesentlich geringere Verpflichtungen gegenüber seinen Bürgern.
- Wird ein Hin- und Rückflug gezahlt ?
Die oben genannten Bedingungen gelten für Universitäts-Lektoren. Lehrer an Oberschulen haben ein größeres Arbeitspensum (bis 25 Stunden in der Woche), und etwas weniger Ferien, die dann aber teilweise nicht bezahlt werden. Warum das so ist, ist etwas rätselhaft, denn koreanische Lehrer gelten (wie natürlich auch die Professoren) zum Kreis der gut bezahlten Personen.
Mit dem unterschriebenen Vertrag geht man zu einer koreanischen Botschaft oder einem Konsulat außerhalb Koreas. In Korea selbst kann man kein Arbeitsvisum bekommen, auch ein 90-tägiges Touristenvisum kann man nicht umwandeln. (Es gibt hier einige wenige Ausnahmefälle, die sind aber offensichtlich immer vom Wohlwollen der Beamten abhängig). Erkundigen Sie sich vorher über die notwendigen Unterlagen, und rufen Sie sicherheitshalber auch mit denselben Fragen bei anderen koreanischen Vertretungen an. Es ist schon mehrmals vorgekommen, dass dortige Mitarbeiter falsche Informationen gegeben haben (Lebenslauf, Lebenslauf mit Nachweisen, polizeiliches Führungszeugnis, ...?). Dann stehen Sie dort, vielleicht nach langer Anreise zur Botschaft, vielleicht gar irgendwo im Ausland, und müssen unverrichteter Dinge wieder gehen. Es kann auch durchaus vorkommen, dass die Koreanische Botschaft in X etwas anderes verlangt als die in Y. Sie bekommen nach ca. einem Monat ein E-2 oder E-1 Visum, "E" steht hier für "education".
In Korea angekommen, müssen Sie sich beim Immigration Office anmelden. Sie bekommen dort eine "Residence Card", sozusagen ein Ausweis für Ausländer. Diese müssen Sie jedes weitere Jahr verlängern. Das zuständige Office ist immer dort, wo sie wohnen, nicht am Arbeitsort (manche Lektoren wohnen z.B. in Seoul, arbeiten aber in den Nachbarstädten).
Reisen Sie mit Ihrem koreanischen Ehepartner ein, können Sie nach einem gewissen Zeitraum (die Anzahl der Jahre erfragen Sie bitte vom zuständigen Immigration Office in Korea, auch hier ändern sich alle naselang die Vorschriften) ein Familienvisum beantragen. Damit dürfen Sie auch ohne Arbeitsvertrag in Korea leben, allerdings nicht ohne Genehmigung arbeiten. Außerdem brauchen Sie dann nicht mehr jedes Jahr die "Residence Card" verlängern.
Darüber könnte man hier in ein langes Lamento einstimmen. Probleme tauchen oft und überall auf, einige will ich hier kurz skizzieren.
- Verträge werden nicht eingehalten: Das versprochene Gehalt ist niedriger, als im englischen oder deutschen Vertrag ausgemacht (siehe oben: nur die koreanische Version gilt).
- Wohnung: Es wurde eine Wohnung versprochen, und man traf eine Höhle an, oder man will Sie im Studentenwohnheim einquartieren (fragen Sie einfach Ihre koreanischen Kollegen, wie diese wohnen...).
- Arbeitsanforderungen: Sie sind angeworben worden, um akademischen Unterricht zu erteilen. Möglicherweise hat man auch eine Promotion als Voraussetzung verlangt. Und nun stehen Sie im Unterricht vor 30 Studenten, die auf die Anrede "Guten Tag" nur mit fragenden Gesichtern reagieren. Lassen Sie sich nicht vom Anspruch, von Websites oder Informationen auch der sogen. Elite-Unis blenden. Deutsch-Unterricht in Korea ist weitgehend Unterricht auf Anfänger-Niveau. Wenn Sie das Glück haben, fortgeschrittene und motivierte Studenten zu unterrichten, seien Sie froh und hegen Sie diesen Schatz. Und die Anfänger-Studenten sind durchaus nicht dumm, sie haben nur keine Erfahrung und manchmal (wer mag es ihnen verdenken) wenig Motivation, sich auf das Abenteuer Deutsch einzulassen. Um das zu ändern, sind Sie ja da.
- Probleme mit Kollegen und dem Arbeitsumfeld: Koreaner sind höflich, zuvorkommend, hilfsbereit und achten sehr auf Hierarchie und Stand. Das ist der Normalfall. Als ausländischer Gast sind Sie hier willkommen. Natürlich gibt es manchmal auch Ausnahmen, die aber oft aus dem Vorangesagten resultieren. Man betrachtet Sie eben als Gast, der also irgendwann wieder gehen wird. Zudem haben viele neue Lektoren und Lehrer nur geringe oder keine Kenntnisse der koreanischen Sprache. Damit sind Sie also nicht voll in das berufliche Umfeld integriert, was auch dazu führt, dass man die Lektoren nicht in Laufbahnen aufnimmt, die jeder Koreaner an der Universität mitmacht. Bei Beförderung, Gehaltserhöhung, Anerkennung wissenschaftlicher Arbeit und Fortbildung stehen die ausländischen Mitarbeiter in der Regel außen vor. Dem steht eigentlich die Tatsache entgegen, dass gerade in den letzten Jahren viele ausländische Angestellte, besonders die mit koreanischem Ehepartner, sich auf ein langfristiges Bleiben in Korea einstellen. Korea ist eben nicht mehr ein armes Dritte-Welt-Land, sondern bietet abschätzbare Lebensperspektiven. Hier hängt es auch vom Verhandlungsgeschick und individuellen Auftreten der Lektoren ab, wie sie mit ihren koreanischen Kollegen umgehen und kommunizieren. Vielleicht wäre es aber auch nützlich, offizielle deutsche Stellen mit Hinblick auf das deutsch-koreanische Kulturabkommen zu einer Hilfestellung in diesen Fragen zu bewegen.
Copyright © 2005 by Michael Menke