Man kann in Deutschland (eigentlich auch überall sonst auf der Welt) einen koreanischen Radiosender auf deutsch hören, über Kurzwelle oder im Internet. Für viele Koreaner der zweiten Generation im Ausland ist das eine wichtige Informationsquelle.

Bernd Esch

Die deutschsprachigen Sendungen von Radio Korea International


Die deutsche Redaktion bei Radio Korea International wurde am 1. Mai 1981 eingerichtet. Sie will – wie die anderen Redaktionen auch – sowohl ausländische Hörer als auch im Ausland lebende Koreaner nicht nur über die aktuellen Geschehnisse umfassend informieren, sondern es ihnen darüber hinaus ermöglichen, sich ein umfassendes und genaues Bild von Korea zu machen und die Freundschaft und Verständigung zwischen den Menschen der Welt zu fördern. Das Programm wird über Kurzwelle zweimal täglich ausgestrahlt, nämlich von 7.00-8.00 Uhr UTC (koordinierte Weltzeit) auf 15210 kHz und von 20.00 bis 21.00 Uhr UTC auf 3955 kHz, und kann außerdem über die Homepage von rki (rki.kbs.co.kr/GERMAN) komplett als stream parallel zur Ausstrahlung über Kurzwelle empfangen werde, Zudem sind jederzeit einzelne Programmteile als audio on demand-stream abrufbar. Das tägliche Programm hat eine Länge von einer Stunde.

Kurz zur Orientierung die Programmstruktur: Das Programm beginnt stets mit den Nachrichten (10 Minuten), die über auf Südkorea bezogene Ereignisse berichten, darauf folgt wochentags der 5-minütige Kommentar, der Ereignisse oder Entwicklungen des Welt- oder koreanischen Geschehens aus koreanischer Sicht beleuchtet.

Das Programm wird an den Wochentagen von der Magazinsendung Kreuz und quer durch Korea beherrscht, deren Länge 30 Minuten beträgt. Sie informiert über wichtige aktuelle Ereignisse und Entwicklungen aus Politik, Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft und anderen Bereichen und vermittelt so ein buntes und reichhaltiges Bild vom Alltagsgeschehen in Korea. So wurde in einer Ausgabe über die Einweihung des Industrieparks in Gaeseong in Nordkorea, die Aufnahme historischer Überreste des alten koreanischen Koguryo-Reiches in China und Nordkorea in die Liste des Weltkulturerbes sowie darüber berichtet, wie unterschiedlich Koreaner westliche und koreanische Gruselfilme wahrnehmen. Eine weitere Ausgabe berichtete über die Entwicklungen zu Wahl und Einrichtung der neuen Verwaltungshauptstadt sowie über den Plan der südkoreanischen Regierung, Richtlinien für die journalistische Berichterstattung über Selbstmorde zu erlassen, und stellte schließlich ein Buch vor, das von einem erfolgreichen Geschäftsmann, der durch den Verkauf von Toast ein Vermögen aufgebaut hat, geschrieben wurde. Neben den Hauptbeiträgen gibt es täglich wechselnde Rubriken: Schnappschüsse von Korea gibt in jeder Sendung einen Blick auf Korea und das koreanische Leben frei aus der Perspektive eines Nichtkoreaners, dem verschiedene Dinge im Alltag faszinierend, interessant, seltsam, kurios, putzig oder alles auf einmal erscheinen. Suchwort Aktuell informiert über die jeweils beliebtesten Suchwörter der Woche im Internet. An diesen Wörtern lässt sich ablesen, was ganz Korea in der entsprechenden Woche bewegt oder welche Trends gerade vorherrschen. Korea hautnah ist eine kleine und bunte Vor-Ort-Reportage eines RKI-Redakteurs, die mitten in das koreanische Leben hineingreift und von allerlei Veranstaltungen, Begebenheiten, Örtlichkeiten und Schauplätzen Koreas berichtet. Es war einmal ist die Mythen- und Sagenecke von RKI. Dort werden koreanische Mythen, Sagen und Geschichten vorgestellt, die in historischen Dokumenten bzw. Geschichtsbüchern überliefert sind. In Traditionelle Musik erhält der Hörer einen Einblick in die Welt der traditionellen Musik Koreas. Daneben gibt es auch die Koreanischkurs-Ecke, in der man Koreanisch lernen bzw. bereits erworbene Sprachkenntnisse festigen und erweitern kann.

Neben Kreuz und quer durch Korea gibt es an den Wochentagen kürzere Programme, die täglich wechseln und deren Länge 15 Minuten beträgt. Montags stellt die Sendung Geschichtsportal die koreanische Geschichte in abgeschlossenen Episoden vor, angefangen bei der vorgeschichtlichen, mythischen Zeit der Gründung Koreas bis zur Moderne. Hier wird alte Geschichte, werden Geschichten und Geschichtchen zu neuem Leben erweckt. Das soll dem Hörer die große Vergangenheit des Landes näher bringen.

Dienstags steht die Sendung Made in Korea auf dem Programm, eine Wirtschaftssendung, die jede Woche ein Industrieprodukt Koreas behandelt, das sich auf dem Weltmarkt einer gewissen Beliebtheit erfreut. Hier werden typische Produkte vorgestellt, wobei hierdurch einerseits die Innovationskraft Koreas gezeigt werden soll und andererseits das Ziel verfolgt wird, dass erfolgreiche Produkte koreanischer Firmen mit dem Image des Landes in der Welt identifiziert werden sollen.

Jeden Mittwoch kann der Hörer im Programm Die Kulturreise eine Reise unternehmen, die ihn zu verschiedenen kulturellen Stätten und Sehenswürdigkeiten Koreas bringt. Er erfährt sozusagen an Ort und Stelle mehr über das kulturelle Erbe und die Traditionen Koreas. Diese Sendung ist damit für denjenigen gedacht, der herausfinden will, welche die wichtigen und bedeutenden historisch-kulturellen Stätten Koreas sind und was diese mit der Geschichte des Landes verbindet. So führt eine Sendung in den Norden Südkoreas zum in Korea einzigartigen Künstlerdorf "Heiri". Es wurde berichtet, wie man dort die Literatur, die bildende, darstellende sowie die Videokunst hautnah erfahren kann, oder wie die Künstler in Einklang mit der Natur leben wollen. Zudem wurde das kulturelle Angebot des Dorfes für Besucher - Musikkurse und Abenteuerreisen durch die Welt der Literatur und viele weitere Angebote - vorgestellt.

Am Donnerstag ist die Sendung Schritte zur Wiedervereinigung zu hören, die sich mit der Entwicklung der innerkoreanischen Beziehungen befasst und die aktuellen Ereignisse im Hinblick auf die Wiedervereinigung der beiden Koreas beleuchtet. So informiert das "Highlight der Woche" jeweils über die aktuellen Entwicklungen und gibt Hintergründe und südkoreanische Einschätzungen der großpolitischen Wetterlage, wie zum Beispiel zu den jüngsten Nuklearexperimenten in Südkorea, die - obwohl lediglich aus reinem Forschungsinteresse unternommen - zu einer Verstimmung in Nordkorea geführt haben, welche unter anderem Einfluss auf das (Nicht-)Stattfinden der nächsten multinationalen Sechser-Nukleargespräche haben könnte. Der zweite Sendungsteil der "Schritte" trägt den Titel "Menschen, die sich für die Wiedervereinigung einsetzen" und berichtet über einzelne Gruppen oder Personen, die sich für die Wiedervereinigung der beiden Koreas engagieren. So wird etwa ein Mitarbeiter des Wiedervereinigungsministeriums porträtiert, der nach jahrzehntelangen Bemühungen um die Wiedervereinigung in den Ruhestand geht und die Entwicklungen während seiner Dienstzeit noch einmal Revue passieren lässt. Oder es geht um eine Ausstellung von Künstlern und Architekten, die Möglichkeiten für eine Neugestaltung des westlichen Grenzgebietes zu Nordkorea aufzeigen und ein integratives künstlerisches Arbeiten im Sinne der Wiedervereinigung dokumentieren will.

Am Freitag bietet die Sendung Treffen zweier Welten Interviews mit Deutschsprechenden aus den verschiedensten Lebensbereichen, die mit Korea und dem deutschsprachigen Ausland zu tun haben und - wie der Titel andeutet - über Begegnungen zwischen dem koreanischem und deutschsprachigen Kulturraum berichten. Hier hat man oft die Möglichkeit, einen direkten Blick auf das Leben in Korea zu werfen durch die Schilderungen persönlicher und unmittelbarer Eindrücke von Ausländern, die mit Korea zu tun haben. Beispielsweise waren Interviews mit deutschen Austauschstudenten zu hören, die zur Teilnahme an einem neuen Tourprogramm der Gyeonggi-Provinz eingeladen worden waren und über dieses Programm und über ihre akademischen Erfahrungen in Korea berichten, daneben auch ein Interview mit Jutta Limbach, der Präsidentin des Goethe-Instituts oder mit Friedrich Homel, dem Chefkoch des Renaissance-Hotels in Seoul.

Am Samstag folgt auf die Nachrichten die 50-minütige Sendung Hörerecke, in der Hörerbriefe vorgestellt und Hörerfragen beantwortet werden. Dazu gehören unter anderem Meinungen, Anregungen und Wünsche zum Programm wie zur KW-Empfangsqualität. In der Sendung ist auch das Diskussionsforum Was meinen Sie? vertreten, wo die Hörer sich an der Diskussion monatlich wechselnder, auf Korea bezogenen Themen beteiligen können. Hier werden sehr engagiert interessante und aktuelle Themen erörtert.

Das Sonntagsprogramm ist geprägt von der seit 2002 von 35 auf 50 Minuten ausgedehnten Musiksendung Unterwegs mit Musik. Hier werden neben aktuellen Hits auch Schlager und klassische Musik aufgelegt. Genauso gibt es die neuesten Nachrichten aus der südkoreanischen Popszene sowie Interviews mit koreanischen Sängerinnen und Sängern. Damit bietet diese Musiksendung ein buntes und abwechslungsreiches Programm, mit dem man sich umfassend über die Musikszene in Korea informieren kann. So wird Unterwegs mit Musik sehr gerne von jungen Koreanern im Ausland gehört, die über das musikalische Geschehen in Korea auf dem Laufenden bleiben wollen. Und wer die koreanische Musik schon ein wenig kennt, kann Musikwünsche äußern oder jemanden mit einem Musiktitel grüßen.

Insgesamt bietet Radio Korea International also ein Programm, das facettenreich über die unterschiedlichsten Lebensbereiche des koreanischen Lebens hinweg informiert, wobei - dies sei noch bemerkt - besonders positiv auffällt, dass aufgrund der Zusammenarbeit koreanischer und deutschsprachiger Mitarbeiter am Programm stets eine zumindest doppelte Perspektive der Wahrnehmung gegeben ist: Einerseits die der Einheimischen, die fachkundig über die koreanische Sicht der Dinge berichten, und andererseits die der Ausländer, die ihre eigene Wahrnehmung in die Programme einbringen. Dadurch trägt eben auch die "Sicht von Außen" auf die koreanische Gesellschaft mit all ihren Fragen, die sie aufwirft, zur Bereicherung des Gesamtprogramms bei.


Copyright © 2004 by Bernd Esch


DaF-Szene Korea Nr. 20

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