Seit Ende der 50er Jahre, und verstärkt in den 60er und 70er Jahren, hatten die Krankenhäuser in Deutschland einen Mangel an Pflegepersonal zu beklagen. So warb man in Indien, in den Philippinen und in Südkorea Krankenschwestern an. Ein Großteil von ihnen lebt bis heute in Deutschland, aber lediglich die Koreanerinnen begannen sich schon früh zu organisieren und sind es bis heute geblieben. Im Oktober 2002 feierte der Verein Koreanischer Krankenschwestern in Berlin sein 30-jähriges Bestehen. Die Ankunft der ersten Schwestern jährt sich jedoch schon zum 40. Mal. Einige Publikationen erinnern daran.
Krankenschwestern wurden schon Ende der 1950er-Jahre dringend gesucht. Der wachsende Pflegenotstand führte dazu, dass kirchliche Unternehmen in Korea Krankenschwestern für den Dienst in Deutschland einstellten. So kam es auch, dass die meisten der Angeworbenen christlicher Konfession waren. Das wiederum führte dazu, dass sich bald in Deutschland koreanische Kirchen bildeten. Allein in Berlin gibt es über 20 christlich-koreanische Gemeinden.
Am 18. Februar 1970 schloss die Bundesrepublik ein offizielles Abkommen mit der Republik Korea über die Anwerbung von Krankenschwestern. Bis 1977 kamen etwa 10.000 Krankenschwestern und Schwesternhelferinnen nach Deutschland.
Im Ruhrgebiet lebt bis heute die größte Anzahl von Krankenschwestern aus Korea, dicht gefolgt von Berlin. Allein 3000 leben und arbeiten dort, bzw. sind nun schon im Ruhestand. "Die helfenden und pflegenden Hände aus Korea wurden zu einer wichtigen Stütze im Gesundheitswesen nicht nur Berlins", betont die Ausländerbeauftragte des Senats, Barbara John, bei der Vorstellung der Broschüre "Korea in Berlin" im Oktober 2002. "Die meisten waren zwischen 20 und 25 Jahre alt, gesund, nicht schwanger und hoch qualifiziert", schreibt Martin Greve, Autor der Publikation. In Korea umfasste ihre Arbeit vor allem medizinische Aufgaben, während die Pflege eher Sache der Angehörigen war. Angeworben wurden sie über Zeitungsinserate oder Schwesternorganisationen in Korea, zum Teil auch über ein dortiges deutsches Krankenhaus. In Kursen wurden sie auf Deutschland vorbereitet. In Zeiten des Kalten Krieges gehörten dazu auch eindringliche Warnungen vor der kommunistischen DDR.
Die erste Zeit war hart für sie, Heimweh, Stress, sprachliche Verständigungsprobleme und eine ungewohnte Lebensumgebung, anderes Essen und eine andere Mentalität. "Ich war völlig unselbständig erzogen worden. Ich hatte viele Fragen an meine Gesellschaft, aber auch an mich. Ich wollte wieder zurück", erinnert sich Frau Laux, mit Mädchennamen Park Young-Ran. Sie lebt seit den 70er Jahren in Tübingen. Auch für diejenigen, die später nach Korea zurückkamen, gab es Probleme. "Von außen bin ich Koreanerin. Aber ich weiß nicht genau, welche Punkte in mir koreanisch und welche deutsch sind." Sie hatten in Deutschland einen anderen, selbständigeren Lebensstil angenommen und wurden deswegen in ihrer Heimat nicht mehr akzeptiert. So gingen manche dann ein zweites Mal nach Deutschland.
Aber heute gilt die Integration der Koreanerinnen als vorbildlich - was im übrigen, so Barbara John, "diejenigen Lügen straft, die meinen, je entfernter die Kulturen voneinander seien, desto schwieriger sei die Integration". In den Krankenhäusern galten die koreanischen Kolleginnen nicht nur als hochqualifiziert, sondern vor allem auch als auffällig freundlich. Ihre Arbeitsverträge waren zunächst auf drei Jahre begrenzt, wurden dann aber meist verlängert. Nur etwa die Hälfte von ihnen kehrte nach Korea zurück. Viele holten später ihre Ehemänner nach oder heirateten Deutsche. Viele haben sich schon früh einbürgern lassen.
Heute ist eine neue Generation herangewachsen. "Dass auch sie nicht durch ihre Probleme auffallen, liegt" - so John - "unbedingt auch daran, dass ihre Eltern stets großen Wert auf eine gute Bildung, in der Schule und im Beruf, legten". Die Kinder oder Jugendlichen sollen nicht ganz ihre koreanischen Wurzeln verlieren, so werden sie oft auf eine der zwei koreanischen Wochenendschulen in Berlin geschickt.
Viele Krankenschwestern sind heute aber auch enttäuscht über ihren beruflichen Werdegang. Denn trotz ihrer in der Regel höheren fachlichen Qualifikation gelang nur wenigen der Aufstieg in höhere und besser bezahlte Positionen gelungen. Als Ursache nennt Greve die bei der Anwerbung stark vernachlässigte Sprachschulung und Diskriminierungserfahrungen. Bis heute sprechen viele der 1. Generation kein ausreichendes Deutsch oder haben zumindest ihren starken Akzent nicht ablegen können. Viele empfanden eine latente ethnische Diskriminierung und eine weder fachlich noch sachlich gerechtfertigte Benachteiligung gegenüber deutschen Kolleginnen. Diese habe sich, so Greve, nach der deutschen Einheit noch einmal verschärft.
Das Heimweh, die Sehnsucht nach heimischen Lebensmitteln und anderen alltäglichen Dingen führte dazu, dass man in Deutschland eine eigene koreanische Infrastruktur aufbaute - besonders in Berlin. Bereits 1968 öffnete hier das erste koreanische Geschäft. Heute gibt es etwa fast 20 Geschäfte, die vorwiegend oder zum Teil Koreanisches anbieten. So kann man auch hier frisches oder eingelagertes Kimchi bekommen, "Made in Germany".
Quellen:
Martin Greve, Korea in Berlin von A – Z, herausgegeben vom Ausländerbeauftragten des Senats, 2002
EMS, Länderheft Südkorea, 1996, S. 58-60
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