Michael Menke

Koreanische Firmen in Deutschland


Deutschland ist nach England der zweitgrößte Investitionspartner Koreas in Europa. Nach der IWF-Krise 1997 investierten koreanische Firmen weniger in Deutschland, doch danach zeichnete sich eine Tendenz zur hochqualifizierten Technik ab. Nach der Wiedervereinigung war Korea das erste asiatische Land, dessen Firmen sich in Berlin und den neuen Bundesländern ansiedelten. Samsung zum Beispiel ist im Ostteil von Berlin und in Tschernitz vertreten. In Leipzig gibt es eine koreanische Consulting-Firma. Allein in diesen drei Betrieben sind fast 2000 ehemalige ostdeutsche Mitarbeiter beschäftigt. Die koreanischen Konzerne haben mehrere Hundert Millionen Mark investiert.

Im Jahr 2000 gab es insgesamt 99 koreanische Firmen, Banken und Filialen in Deutschland, mit insgesamt 3995 Beschäftigten. Ungefähr 10% dieser Beschäftigten, 411 Personen, wurden von Korea entsandt.

Ein Schwerpunkt der koreanischen Firmen ist Frankfurt, daneben gibt es Sitze in Düsseldorf, Hamburg, in Berlin und Umgebung sowie in Ostdeutschland. Zu den wichtigsten koreanischen Unternehmen in Deutschland gehören Samsung Bauelemente, Samsung Corning, LG Electronics, Posco, Kia Automobile und Yangjiwon Werkzeuge.

DaewooAls die koreanischen Firmen nach Deutschland kamen, hatten sie zunächst einige interkulturelle Probleme. Das betraf beispielsweise den Umgang mit dem Personal. Mancher koreanische Vorgesetzte kam aufgrund des kulturellen Unterschieds mit seinen deutschen Angestellten nicht klar. So berichtete 1996 ein deutsches Magazin von einer Sekretärin, die von ihrem koreanischen Chef entlassen worden war, weil sie bei der Post aus Korea die DaewooBriefmarken ausgeschnitten hatte.

Koreanische Namen, aber auch die Firmenstrukturen, waren in Deutschland erst weitgehend unbekannt. Die Firma Daewoo startete 1995 eine groß angelegte Werbekampagne, in der es zunächst nur um die korrekte Aussprache des Firmennamens zu gehen schien. Andere Strategien standen dabei sicher auch im Hintergrund, aber die rätselhaften Plakate boten überall Gesprächsstoff.

 

Als koreanische Unternehmen werden in Deutschland am ehesten Autoproduzenten erkannt. Hyundai, Daewoo, Ssangyong und Kia sind seit langer Zeit auf dem Markt, Kia montierte sogar von 1995 bis 1998 etwa 25000 Einheiten seines Modells "Sportage" in Osnabrück.

Dass die meisten Firmen aus Korea Mischkonzerne (Chaebol) sind, die von der Nudelsuppe bis zum Supertanker alles herstellen, mag in Europa nicht immer ein Vorteil sein. Der Europa-Chef von General Motors (zu dem Daewoo seit etwa zwei Jahren gehört) Fritz Henderson sieht denn auch Imageprobleme, wenn das Firmenlogo nicht nur auf den Autos, sondern auch "... auf Toastern, Telefonanlagen und anderen Produkten steht." Die Folge ist, dass Daewoo in Europa nun als Chevrolet verkauft werden wird. (Spiegel 43, 2004)

Die meisten koreanischen Elektronikfirmen werden, vielleicht bis auf Samsung, von deutschen Verbrauchern kaum als "Koreaner" erkannt. Die hohe Verkaufsrate rührt eher von den niedrigen Preisen, mit denen sie angeboten werden. Teilweise sind koreanische Geräte in Deutschland billiger als im Herstellungsland.

Samsung, nach eigenen Informationen 1938 in Taegu gegründet und jetzt der weltweit fünftgrößte Konzern, hat schon früh auf Expansion in andere Länder und auf ein Qualitäts-Image gesetzt. Seit 1982 ist der Konzern in Deutschland vertreten. Man bemüht sich (erfolgreich), den Makel eines Billigproduzenten abzuschütteln, der noch vielen anderen koreanischen Herstellern in Deutschland anhängt. Wesentlich ist dabei auch die Werbung (Landen Sie mal am Flughafen Frankfurt, steigen Sie aus dem Flugzeug und zählen Sie dann die Sekunden, bis Sie den ersten Samsung-Schriftzug sehen), womit wir auch auf den folgenden Artikel verweisen möchten.

Samsung

"Was in Deutschland und Europa bislang fehlt, sind mittelständische koreanische Unternehmen, für die es sicher in Deutschland einen Nischenmarkt geben würde." Dies stellte im Frühjahr dieses Jahres der Leiter der EU-Delegation in Korea, Dorian Prince, fest. Große koreanische Unternehmen, die mit der Marktsituation in Europa vertraut sind, sind bereits dort repräsentiert. Aber die kleinen und mittleren Unternehmen werden gewöhnlich weitgehend vernachlässigt. Er fügte hinzu, dass die kleinen und mittleren koreanischen Unternehmen sich beeilen sollten, um möglichst viele Vorteile aus dem europäischen Markt zu ziehen. "Wenn man sich Italien und Deutschland ansieht, sind es die kleinen und mittleren Unternehmen, die führend in der Wirtschaft sind. Sie sind innovativer und dynamischer und können schneller auf Veränderungen reagieren".


Copyright © 2004 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 20

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