1. Bum-Kun Cha
Einige Koreaner, die
in Deutschland länger oder zeitweilig lebten, haben es doch zu einer gewissen
Bekanntheit, wenn nicht sogar Berühmtheit gebracht. Gehen wir nun vom
Bekanntheitsgrad aus, so müssen wir feststellen, dass Kunst und Literatur eher
hinten, Sport, besonders Fußball, weit vorne liegen.
Allen voran wäre hier Bum-Kun Cha zu nennen. Der erste Koreaner in der Bundesliga spielte für die Vereine Bayer Leverkusen und Eintracht Frankfurt. Der Stürmer begeisterte in seiner Zeit die Fans und Verantwortlichen mit großem Einsatz und herausragender Fairness. Cha wurde mit der Eintracht DFB-Pokalsieger (1981) und Uefa-Cupsieger (1988).
Der Schriftsteller und Satiriker Eckhard Henscheid verfasste auf ihn seine (vielleicht nicht ganz bierernst zu nehmende) „Hymne auf Bum Kun Cha“, in der es u.a. heißt:
Flirrend und
flackernd - nicht lange fackelnd,
Doch feuernd und feiernd; den fühlenden Herzen
Frankfurts zur Freude.
Bum Kun Cha! Freund aus dem Osten! Fremdling bist
Du nicht länger - nicht bitt'res Los ist Exil
Dir! Heimat, die zweite, du fandst sie.
Nach seiner Rückkehr nach Korea war Cha zeitweise Trainer der koreanischen Nationalmannschaft, dabei aber glückloser als sein niederländischer Nachfolger Guus Hiddink
Der Ex-Stürmer, der wegen seiner Torerfolge von den Fans in Deutschland liebevoll "Tscha-Bumm" genannt wurde, leitet heute in der Hauptstadt Seoul eine Fußballschule (Cha-Boum Soccer-School) und bildet dort mit mehreren Trainern junge Talente aus.
2. Du-Ri Cha
Heute schließt sich
der Kreis, denn sein Sohn Du-Ri Cha , ebenfalls Stürmer, geht für die Eintracht
Frankfurt auf Torejagd. Geboren wurde der Filius im deutschen Frankfurt, das
Fußball-ABC lernte er in der Jugend von Bayer Leverkusen. Cha junior, der seinem
Vater sehr ähnelt, rückte ins Rampenlicht der Öffentlichkeit, als seine Karriere
als Profisportler ins Rollen kam. Denn der junge Cha brachte den koreanischen
Fans die Erinnerung an Bum Kun Chas sagenhafte Auftritte in der Bundesliga
zurück, wo der Routinier Dank seines unermüdlichen Einsatzes und seiner
Treffsicherheit einen regelrechten "Bum-Boom" auslöste.
Der heute 24-jährige hatte in der Amateurliga Fußball gespielt, wo seine starke Physis und die offenbar von seinem Vater geerbte Robustheit auffielen, so dass Nationaltrainer Hiddink ihn schließlich sogar für die Endrunde nominierte. Mit seinem Auftritt auf der Weltpokal-Bühne hat sich der junge Cha endgültig als einer der kommenden Stars der neuen koreanischen Fußballergeneration etabliert.
3. Isang Yun
"Ein Komponist kann
die Welt, in der er lebt, nicht gleichgültig betrachten. Menschliche Leiden,
Unterdrückung, Unrecht... all das kommt zu mir in meinen Gedanken. Wo es
Schmerzen gibt, wo es Unrecht gibt, will ich mitsprechen durch meine Musik."
(Isang Yun, 1983).
Als Isang Yun am 17. September 1917 in der Nähe der südöstlichen Hafenstadt Tongyông geboren wurde, stand die koreanische Halbinsel unter japanischer Fremdherrschaft. Yun beteiligte sich am anti-japanischen Widerstand, wurde 1943 verhaftet und gefoltert. Nach der japanischen Besetzung wurde er 1955 mit dem Kulturpreis der Stadt Seoul ausgezeichnet und konnte 1956-59 in Paris und Berlin studieren. In Berlin lernte er bei dem Schönberg-Schüler Josef Rufer das Komponieren in der Zwölftontechnik; von Deutschland aus fand er den Anschluss an die internationale Avantgarde.
Das dunkelste Kapitel deutsch-koreanischer Beziehungen schloss sich 1967 an. Wegen des Vorwurfs von Kontakten mit Nordkorea wurde Yun vom südkoreanischen Geheimdienst aus Berlin nach Seoul entführt, dort gefoltert und des Landesverrates angeklagt. In einem politischen Schauprozess in erster Instanz zu lebenslänglicher Haft verurteilt, kam er nach internationalen Protesten 1969 frei. 1971 wurde er deutscher Staatsbürger und lebte in Berlin.
Von 1970 bis 1985 lehrte Yun Komposition an der Hochschule der Künste Berlin, seit 1974 als Professor.
Isang Yun starb am 3. November 1995 in Berlin, wo er in einem Ehrengrab der Stadt beigesetzt wurde. Er war Mitglied der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik, Ehrendoktor der Universität Tübingen und Träger der Goethe-Medaille des Goethe-Instituts sowie des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
In Nordkorea wurden seine Werke aufgeführt, und er selbst hielt sich dort etliche Male auf. Auch seine Witwe lebt heute in Pyeongyang. Seine Heimat in Südkorea durfte Yun nie mehr besuchen.
Die Musik Yuns verschmilzt Elemente der 12-Ton-Musik, der europäischen Avantgarde und der koreanischen Volksmusik. Unter Musikern und Musikkenner genießt Yun, sicherlich nicht nur in Deutschland (in den letzten Jahren auch wieder in Südkorea) hohes Ansehen.
4. Mirok Li (Lee, Mi-Rok)
Mirok Li wurde 1899
in Haeju, im heutigen Nordkorea, geboren. 1919 musste er, nach der Beteiligung
an einer Studentendemonstration gegen die Annektierung des Landes durch Japan
über den nördlichen Grenzfluss Yalu zuerst nach China fliehen und gelangte von
dort dann im März 1920 mit einem chinesischen Pass nach Deutschland.
In Deutschland
setzte er sein Studium der Medizin fort und promovierte 1928 an der Universität
München. Zu dieser Zeit begann er auch, seine Kindheits- und Jugenderinnerungen
festzuhalten, in deutscher Sprache. Die autobiographische Geschichte "Der Yalu
fließt" erschien 1946 und wurde in der literarischen Welt der deutschen
Nachkriegszeit bekannt.
"Das im besten Deutsch geschriebene Buch des Jahres stammt von einem Ausländer:
Mirok Li," urteilte damals die Kritik. Aus allen Teile Deutschland erfuhr er ein
positives Echo auf sein Buch. Teile des Textes wurden in einigen deutschen
Schulbüchern verwendet.
1947 bis 1949 übernahm er einen Lehrauftrag für koreanische Sprache und chinesische Literatur und Geschichte an der Universität München.
Er starb fast auf den Tag genau dreißig Jahre nach seiner Ankunft, im März 1950, nur wenige Monate vor dem Ausbruch des Korea-Krieges, der seine Heimat über Nacht in aller Welt bekannt machen sollte.
Von Mirok Li gibt es noch andere Erzählungen, auch in deutscher Sprache, die aber weniger bekannt wurden.
Die Deutsch-Koreanische und die Koreanisch-Deutsche Gesellschaft versuchen heute sein Andenken aufrecht zu erhalten, regelmäßig vergeben sie den Mirok-Li-Preis an Personen, die für die deutsch-koreanischen Beziehungen aktiv sind. Dennoch muss man sagen, dass sein literarischer Ruhm sich auf die Nachkriegszeit beschränkt. Heute ist er in Deutschland eher unbekannt.
5. Unsoung Pai - ein koreanischer Maler in Deutschland
Der koreanische
Maler Unsoung Pai wurde 1900 in Seoul geboren. Als Student der Nationalökonomie
kam er 1923 nach Europa, insbesondere, um sich in Deutschland mit der Ökonomie
zu beschäftigen. In Marseille betrat er zum ersten Mal europäischen Boden. Diese
Erfahrung war eine so große Enttäuschung für ihn, dass er am liebsten direkt
wieder in seine Heimat zurückgekehrt wäre. Doch ein Besuch in einem Museum
änderte alles. Von den dort gezeigten Werken war er derart überwältigt, dass in
ihm der Wunsch erwachte, selber Maler zu werden.
Er fand einen Lehrer und wurde in die "Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst" in Berlin aufgenommen. Bald gehörte er zu den Malern, die in aller Munde waren.
Seine Bilder waren geprägt durch die Kombination ostasiatische Geistes mit europäischer Technik.
Unsoung Pai hat die Erfahrung machen müssen, dass Europa ganz anders war, als er sich vorgestellt hatte. Auch musste er feststellen, dass nur wenige seine Heimat kannten und nicht einmal wussten, wo Korea liegt. Daher machte er es sich zur Aufgabe, den Europäern die Schönheit seines Vaterlandes zuerst im Bild und später dann auch im Wort näher zu bringen. Er hielt Vorträge über koreanische Tusch-Malerei und veröffentlichte Texte mit Geschichten und Märchen aus Korea unter dem Titel Unsoung Pai erzählt aus seiner koreanischen Heimat.
1944 kehrte Pai nach Korea zurück und präsentierte eine erste Ausstellung in seiner Heimat. In der koreanischen Kunstszene galt er als ein Exot, da er die traditionellen westlichen Maltechniken beherrschte. Ab 1950 lebte und wirkte er in Nordkorea, wo er dann 1978 verstarb.
6. Nam-Jun Paik
Nam June Paik ist
weltweit als "Vater der Videokunst" bekannt. Darüber hinaus gilt er als
"Renaissancekünstler des 20. Jahrhunderts", der in seinem Werk Wissenschaft und
Kunst, Philosophie und Technik, Unterhaltung und Ernst verknüpft. In seinen
Texten und Aphorismen bezieht er Position zu Fragen der Mediengeschichte und
-zukunft.
Bereits mit 15
Jahren soll sich Paik mit der Musik von Arnold Schönberg befasst haben. Nach dem
Musik- und Kompositionsstudium in Japan und Deutschland wurde der 1932 in Seoul
geborene Koreaner durch spektakuläre Fluxus-Konzerte bekannt, angeregt durch den
Avantgarde-Musiker John Cage und den Kreis um Karlheinz Stockhausen und Mary
Bauermeister in Köln.
Paiks bildkünstlerische Tätigkeit setzte 1963 mit der Ausstellung Exposition
of Music – Electronic Television in Wuppertal ein. Hier zeigte er erstmals
TV- und Klangobjekte.
Bereits seit den frühen 60er Jahren manipulierte Paik Fernsehgeräte, indem er etwa Fernsehbilder durch das Auflegen von Magneten verzerrte.
Als Nomade zwischen den Kontinenten schuf Paik bis heute neben Werken von westlicher, optischer überfülle immer auch Videoarbeiten von östlicher, kontemplativer Stille: Arbeiten mit "zu viel" und "zu wenig", von neuer Technologie einerseits und Minimalisierung bzw. Verweigerung andererseits, stehen sich wie Ying und Yang in seinem Werk gegenüber.
Paik lebt in New York und in Düsseldorf.
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Zitate aus:
Eckhard Henscheid: Ein scharmanter Bauer. Frankfurt 1980
Li Mirok: Der Yalu fließt. Eine Jugend in Korea. Herausgegeben von Kyu-Hwa Chung. Mit Illustrationen von Chung Im-Pok und einem Vorwort von Wolfgang Bauer. St. Ottilien: EOS Verlag, 1996
Website: http://www.koreaheute.de/spez/0011/sp11-002.htm#
Copyright © 2004 by Michael Menke