Auf Wunsch der Redaktion stelle ich hier in veränderter Form noch einmal vor, was ich auf der Lektorenversammlung im Dezember 2003 unter dem Thema »Koreanische Literatur für die deutschsprachigen Länder« vorgetragen habe.
Die Aktivitäten, die Korea im Zusammenhang mit seiner Rolle als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2005 jetzt entfaltet, sind nichts prinzipiell Neues, sondern sie sind eingebettet in die Bemühungen der koreanischen Regierung und ihrer Kulturstiftungen, die koreanische Literatur weltweit bekannt zu machen. Das wichtigste Instrument dafür ist in koreanischer Sicht die großzügige Förderung der Übersetzung koreanischer literarischer Werke in fremde Sprachen und die Gewährung von Druckkostenzuschüssen.
Staatliche oder quasi staatliche Institutionen zur Förderung der Verbreitung der eigenen Kultur im Ausland gibt es wohl in den allermeisten Ländern der Welt. Aber soweit ich weiß, ist Korea das einzige Land, das ein mit relativ hohen finanziellen Mitteln ausgestattetes staatliches Programm zur Übersetzungsförderung unterhält, und zwar ein Programm, das es sich unter dem Motto »Die koreanische Literatur mit der ganzen Welt teilen« angelegen sein lässt, die eigenen Landsleute zum übersetzen der koreanischen Literatur in fremde Sprachen anzuregen und den ausländischen Verlegern die Veröffentlichung dieser meistens von Koreanern ausgesuchten Werke ganz oder zum größten Teil zu finanzieren. Das »Korea Literature Translation Institute« ist mit der Durchführung dieses Programms beauftragt, ihm sekundiert noch die private Daesan-Stiftung, die zur Kyobo-Versicherungsgruppe gehört.
Diese Art der Übersetzungsförderung ist aus zwei Gründen ein gewagtes Unternehmen. Erstens schreibt sie deutschen Verlegern praktisch vor, was sie an koreanischer Literatur zu verlegen haben, und ignoriert dabei die Gesetze der Marktwirtschaft, denen deutsche Verleger folgen: die geförderten Übersetzungen sind nämlich ein Angebot, das ins Leere hinein gemacht wird, denn eine nennenswerte Nachfrage nach koreanischer Literatur gibt es im deutschen Sprachraum so gut wie gar nicht. Das Leserinteresse hätte, ehe man vielerlei Übersetzungen fördert, zu aller erst mit einigen wenigen, dafür aber sehr guten Texten geweckt werden müssen. Zweitens zählt es zu den Grundüberzeugungen der Theoretiker und Praktiker des literarischen Übersetzens, dass man literarische Text angemessen nur in seine Muttersprache übersetzen kann.
Für das koreanische Wagnis der umfangreichen Übersetzungsförderung gibt es selbstverständlich Gründe: Es ist einfach unfair, dass die sehr vielfältige koreanische Literatur, die sich in ihrem Heimatland eines großen Echos erfreuen kann, außerhalb Koreas nicht zur Kenntnis genommen wird. Dagegen muss man auch staatlicherseits etwas tun. Am wirkungsvollsten wäre es natürlich, wenn ein koreanischer Autor den Nobelpreis für Literatur gewinnen könnte. Und dieses Ziel hat die koreanische Förderung von Übersetzungen in fremde Sprachen auch ständig vor Augen.
Es gibt viel zu wenige Ausländer, die über ausreichende koreanische Sprachkenntnisse verfügen, so dass sie selbstständig Werke auswählen und übersetzen könnten. Daher müssen Koreaner mit guten Fremdsprachenkenntnissen eben einspringen und in die fremden Sprachen übersetzen, wobei ihnen ein entsprechender native speaker als Helfer zur Seite stehen sollte.
Den allermeisten Koreanern, auch den Übersetzern und den Mitarbeitern der fördernden Institutionen, fehlt es an Problembewusstsein hinsichtlich des Übersetzens. Dafür gibt es historische Gründe, auf die ich ganz kurz hinweisen möchte.
Wegen der Verbreitung der chinesischen Zeichen als Mittel der literarischen Aufzeichnung in den Ländern Ostasiens konnten die Gebildeten in Korea z.B. die chinesische Literatur ohne große Übersetzungsleistung verstehen, sie brauchten nur die Begriffe, die die Zeichen meinten, koreanisch auszusprechen und das Ganze mit der koreanischen Grammatik in Einklang zu bringen. Und sie dichteten und schrieben ja auch selbst mit diesen Zeichen in einer Bildungssprache, die sich vom Alltagskoreanisch sehr unterschied. Diese Alltagssprache wurde erst durch die Bibelübersetzungen, die Missionare mit Koreanern zusammen durchführen, als Schriftsprache anerkannt und von den frühen modernen Autoren, die sich an westlichen Vorbildern schulen wollten, dann auch als Literatursprache durchgesetzt.
Als Korea am Ende des 19. Jhs. mit der westlichen Literatur in Berührung kam, da geschah dies auf dem Umweg über Japan, denn zunächst gab es keine Koreaner mit westlichen Sprachkenntnissen, die direkt aus dem Englischen oder Deutschen hätten übersetzen können. So gewöhnte man sich in Korea an das übersetzen aus zweiter Hand, eine Praxis, die noch bis weit in die achtziger Jahre hinein gang und gäbe war und auch heute noch nicht ausgestorben ist. Diese Praxis hat schlimme Folgen: von einem deutschen Roman, den man aus seiner japanischen Übersetzung ins Koreanische übersetzt, ist in der koreanischen Version nicht mehr allzu viel wieder zu erkennen, manchmal nicht einmal mehr der Handlungsverlauf. Jedenfalls hängt es mit dieser Praxis zusammen, dass man in Korea beim übersetzen oft wenig Respekt vor dem literarischen Original hat und sich daher auch nicht genug Mühe gibt, die stilistischen Nuancen mit zu übertragen, oder dass man die Anstrengung scheut, unbekannten Fachtermini oder Sachzusammenhängen nachzuforschen, und lieber so ungefähr übersetzt. (Übersetzer ins Koreanische führen als Grund für die nicht sorgfältig gemachten Übersetzungen allerdings meistens den Umstand an, dass die Verlage ihnen zu wenig Zeit ließen und sie zu schlecht bezahlen würden.)
Die fehlende Genauigkeit hat bei Schwierigkeiten, den fremden Text zu verstehen, noch eine andere Folge, der ich sehr oft begegnet bin: Viele Koreaner fragen sich angesichts eines ihnen schwer verständlichen Abschnittes nicht zuerst: was denn da Wort für Wort stehe und wie die Stelle syntaktisch konstruiert sei, sondern sie fragen sofort, was das bedeute, bzw. was der Autor damit sagen wolle, und liefern sich dann eine Interpretation nach ihrem Geschmack. Daher gibt es in vielen Übersetzungen große Ungereimtheiten, die den Übersetzern nicht auffallen.
Ein weiteres Problem ergibt sich aus der traditionellen Praxis des Sprachunterrichts, in dem übersetzen eine Form der Grammatikerklärung war, und zwar eine Art und Weise des Übersetzens, bei der die deutschen Satzstrukturen z.B. so weitgehend wie möglich mit koreanischen Wörtern nachgemacht werden, damit der Schüler einsieht, wie der deutsche Satz gemacht ist. Dabei wird aber nicht gefragt, ob diese koreanische Übersetzung gutes Koreanisch ist oder ob sie in Aussage, Stil und Konnotationen dem deutschen Satz entspricht. In dieser Praxis haben sich auch bestimmte, unzulässig generalisierte Korrelate zwischen deutschen und koreanischen Wörtern oder Pattern etabliert, die in den Übersetzungen ins Deutsche in den unmöglichsten Zusammenhängen wieder auftauchen. Hier tut sich ein weites Feld für Auseinandersetzungen zwischen dem koreanischen und dem deutschen Teampartner auf, da viele Koreaner fest davon überzeugt sind, dass ihr Deutsch das richtige Deutsch für eine bestimmte Textstelle ist, weil sie das immer so gelernt und gemacht haben.
Aber auch wenn ein koreanischer Übersetzer ins Deutsche von all diesen Problemen unberührt ist, bleibt es ein Problem, dass er als Koreaner ein koreanisches Buch ins Deutsche oder in irgendeine andere Sprache übersetzt. Warum? Für die deutschen Leser ist das koreanische Buch etwas Fremdes, der deutsche Übersetzer, der Koreanisch kann, hat dieses Fremde durch sein Sprachstudium kennen gelernt und versucht nun, beim übersetzen das Fremde als Fremdes zu verstehen und dann so in die ihm vertraute Muttersprache zu übertragen, dass die Leser der Übersetzung es ohne allzu große Mühe nachvollziehen können. Für den koreanischen Übersetzer aber ist das genau umgekehrt: er muss etwas ihm Vertrautes, nämlich ein literarisches Werk in seiner Muttersprache, in eine ihm eigentlich fremde Sprache übertragen, dabei bleibt in der Übersetzung für die deutschsprachigen Leser einfach viel zu viel Koreanisches als etwas Fremdes und das Verständnis Störendes stehen. Das sind Mängel in der deutschen Version, die manchmal irreparabel sind, die aber in jedem Fall viel mehr an Arbeit vom deutschen Teampartner verlangen als eine schnelle grammatische Kontrolle.
Der mitarbeitende native speaker aber ist seinerseits auch ein Problem, und zwar unter zwei Aspekten, nämlich im Hinblick auf die Ausgangssprache Koreanisch und im Hinblick auf die Zielsprache Deutsch. In sehr vielen Fällen ist der sog. deutsche Co-Übersetzer wegen mangelnder Koreanischkenntnisse gar nicht in der Lage, zu überprüfen, ob die Übersetzung seines koreanischen Partners überhaupt angemessen ist, d.h. er kann überhaupt nicht feststellen, ob die gewählten deutschen Satzstrukturen und sprachlichen Wendungen den Sinn des koreanischen Textes auch tatsächlich wiedergeben. Er kann daher nur offenkundige Grammatik- und Syntaxfehler korrigieren. Darüber hinaus fehlen ihm sehr oft auch Sachkenntnisse über Korea, so dass er bei der Suche nach adäquaten Benennungen für typisch Koreanisches kaum helfen kann und auch vieles von dem nicht wahrnehmen kann, was zwischen den Zeilen zu lesen wäre. Das Mitschwingen verschiedenartiger Konnotationen ist aber ein wesentliches Merkmal literarischer Texte. Dass Konnotationen der Ausgangssprache oft nicht in den zielsprachigen Text hinein zu retten sind, ist ein Kernproblem des literarischen Übersetzens, das nicht noch dadurch vergrößert werden sollte, dass der Übersetzer wegen mangelnder Sprachkenntnisse solche Konnotationen erst gar nicht zur Kenntnis nimmt.
Aber auch wenn man als native speaker des Deutschen gute Koreanischkenntnisse hat, ist man nicht automatisch schon ein guter Übersetzer ins Deutsche, denn es ist ja durchaus nicht selbstverständlich, dass ein native speaker in seiner Muttersprache auch über die literarische Kompetenz verfügt, die er als Übersetzer literarischer Texte haben müsste. Etliche der vorhandenen Übersetzungen belegen dies nur allzu deutlich.
In den folgenden Ausführungen werden nun noch einmal Institutionen und Verlage vorgestellt, die sich mit der Übersetzung koreanischer Literatur ins Deutsche und mit ihrer Veröffentlichung befassen.
1. Die koreanischen Stiftungen
Zwei Stiftungen widmen sich – wie schon erwähnt – intensiv der Förderung von Übersetzungen koreanischer Literatur in fremde Sprachen, die staatliche Stiftung »Korea Literature Translation Institute« und die private Daesan-Kulturstiftung, die von der Kyobo-Versicherung (was Erziehungsversicherung heißt) getragen wird und die außer der Übersetzungsförderung noch viele andere kulturelle Aufgaben wahrnimmt.
Korea Literature Translation Institute
Die Anschrift des Instituts lautet:
Korea Literature Translation Institute,
Seojin-Building, 5. Etage (koreanisch gezählt)
Pyeongdong 149-1, Jongno-gu, 110-102
Seoul, Korea
Tel: +82 2 732 1442, Fax: +82 2 732 1443
Homepage:
http://www.ltikorea.net/ (koreanische und
englische Version, weitere Fassungen sind geplant.)
E-Mail:
info@ltikorea.net
Das Institut wurde am 28. 02. 2001 durch die Zusammenlegung von relevanten Abteilungen aus verschiedenen staatlichen Institutionen als staatliche Stiftung errichtet, um die Übersetzungsförderung effektiver und sachgerechter durchführen zu können.
Die wichtigsten Aufgaben dieses Instituts sind:
Förderung der Übersetzung und Veröffentlichung koreanischer Literatur durch die Vergabe von Übersetzerstipendien und Publikationszuschüssen, sowie durch die Verleihung von Übersetzerpreisen
Förderung des internationalen Austausches zur koreanischen Literatur
Bereitstellung von Hilfeleistungen für Berufsübersetzer
Veranstaltung von Workshops zur Fragen der Übersetzung und der Veröffentlichung koreanischer Literatur
Finanzierung von Forschungsvorhaben zur koreanischen Literatur
Betreiben der virtuellen Bibliothek der koreanischen Literatur auf der Homepage des Instituts
Über alle diese Aktivitäten informiert die Homepage des Instituts, von der auch alle notwendigen Bewerbungsformulare runtergeladen werden können. Hier seien daher nur noch einige Angaben zur Übersetzungsförderung angefügt.
Übersetzt werden kann in alle denkbaren Sprachen
Bewerben kann man sich während des ganzen
Jahres, aber die Auswahlausschüsse
tagen nur zwei oder drei Mal im Jahr. Ihre Mitglieder sind koreanische
Professoren der jeweiligen Sprache und, soweit vorhanden, entsprechend
ausgebildete native speaker.
Bewerben soll sich in der Regel nur ein Team aus einem Koreaner und einem native speaker mit Koreanischkenntnissen und Koreaerfahrung, Ausnahmen sind aber möglich.
Die Förderungssumme beträgt rund 15 Millionen Won für ein Team, die Summe kann aber je nach dem Umfang des Buches etwas variieren.
Die fertige Übersetzung sollte innerhalb eines Jahres nach Vergabe des Stipendiums abgegeben werden, ungefähr nach sechs Monaten ist ein Zwischenbericht abzuliefern. Die eingereichte fertige Übersetzung wird einem native speaker vorgelegt, der ihre Qualität und ihre Aussichten auf dem deutschen Buchmarkt begutachten soll.
Der Übersetzerpreis wird alle zwei Jahre verliehen, und zwar für Werke, die innerhalb der letzten fünf Jahre erschienen sind. In der Regel werden vier Preise zu 10 000 Dollar verliehen, theoretisch kann es auch einen »Großen Preis« zu 20 000 Dollar geben und nur zwei Preise zu 10 000 Dollar.
Jedes Jahr werden außerdem Anfängerpreise verliehen. Sie werden für die erste Übersetzung neuer Übersetzer ins Englische, Französische, Deutsche oder Spanische vergeben, und das Preisgeld beträgt 3 Millionen Won pro Gewinner.
Nachweise von Übersetzungen enthält die Virtuelle Bibliothek, die es zur Zeit auf Koreanisch und Englisch gibt. Auf den Autorenseiten enthalten die Werklisten auch Angaben zu den Übersetzungen. Die Autorensuche macht allerdings in der englischen Version der Homepage einige Schwierigkeiten, weil man dort den Namen der Autoren nach dem neuen Umschriftsystem der National Academy of the Korean Language wiedergibt und nicht nach der Version, die der Autor für seinen Namen gewählt hat. Daher startet man die Suche am besten mit dem Namen des Autors in Hangul.
Wegen seiner Arbeitsgebiete ist das Korea Literature Translation Institute auch ganz wesentlich an den Vorbereitungen zum Auftritt Koreas als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2005 beteiligt. Unter seiner ägide ist z.B. die viel diskutierte Liste der 100 Bücher, die für Frankfurt in verschiedene Sprachen übersetzt werden sollen, entstanden. Die Liste ist auch auf der Homepage zu finden.
Die Daesan-Stiftung
Die Anschrift der Stiftung lautet:
The Daesan Foundation
Kyobo Building Nr. 907
Jongno 1-ga 1, Jongno-gu, 110-714 Seoul, Korea
Tel: + 82 2 721 3202/3, Fax: + 82 2 725 5419
Homepage:
www.daesan.or.kr (Koreanische und
englische Version)
E-Mail: daesan@daesan.or.kr
Die Daesan-Stiftung, die 1992 gegründet wurde und im Koreanischen Daesan-Kulturstiftung heißt, widmet sich – diesem Namen entsprechend – der Förderung vieler verschiedener literarischer Programme in Korea. Jährlich vergibt sie den hier im Lande sehr angesehenen und mit 30 Millionen Won vergleichsweise auch hoch dotierten »Daesan Literaturpreis« in den Sparten, Lyrik, Prosa, Drama, Essayistik und Übersetzung in fremde Sprachen, wobei nicht unbedingt in jedem Jahr in allen Sparten jemand ausgezeichnet werden muss. Der Literaturpreis für übersetzen ist als Bestandteil der Übersetzungsförderung zu betrachten, mit der die Stiftung 1993 begann.
Im Rahmen ihrer Förderung von Übersetzungen gewährt die Stiftung dann nicht nur Übersetzerstipendien, sondern sie unterstützt auch ausländische Koreanisten bei Forschungsprojekten und Veröffentlichungen.
Die Einzelheiten kann man der Homepage entnehmen, hier werden nur die wichtigsten Punkte kurz genannt.
Zielsprachen sind Englisch, Französisch,
Deutsch und Spanisch.
Bewerben sollen sich Teams von einem
Koreaner und einem native speaker der Zielsprache.
Die Bewerbungsfrist läuft von Mitte Februar
bis zum 31. Mai.
Die Auswahlverfahren finden im Juni und Juli statt, so dass die Bewerber Ende Juni, Anfang Juli benachrichtigt werden können. Der Auswahlausschuss besteht im Falle der deutschen Übersetzungen aus koreanischen Germanistikprofessoren und einem deutschen Muttersprachler. Die Arbeitsfrist beträgt ein Jahr, ungefähr in der Mitte ist ein Zwischenbericht fällig.
Die Förderungssumme beträgt 10 Millionen Won pro Team. Die erste Hälfte dieser Summe wird sofort bezahlt, der Rest dann bei der Abgabe der fertigen Übersetzung.
Die fertige Übersetzung wird einem Deutschen oder einem koreanischen Fachmann zur Begutachtung vorgelegt, der ihre Qualität und ihre Chancen auf dem Buchmarkt der deutschsprachigen Länder beurteilen soll.
Ein Druckkostenzuschuss wird auf Antrag des Verlegers gewährt.
Auf der Homepage gibt es einen Link zu einer nach Sprachen sortierten Liste aller bisher in fremden Sprachen erschienenen Werke, diese Liste kann auch von der Homepage runtergeladen werden. Zur Zeit reicht sie bis 2001. Übersetzungen, die später erschienen sind oder zur Zeit in Arbeit sind, kann man auf den aktuellen Seiten der Stiftung und des Korea Literature Translation Instituts finden.
Die Daesan-Stiftung will sich von diesem Jahr 2004 an, regelmäßig an der Frankfurter Buchmesse beteiligen.
Verlegersuche
Beide Stiftungen vermitteln, auch wenn sie die Drucklegung fördern, den Übersetzern keinen Verlag. Das Korea Literature Translation Institute hat zwar gelegentlich versucht, größere deutsche Verlage für die koreanische Literatur zu interessieren, aber es hatte damit keinen Erfolg. Bislang ist es Übersetzern oder Übersetzerinnen mit einer Ausnahme[1] nicht gelungen, ihre Übersetzung bei einem großen renommierten Verlag unterzubringen. Nur kleine sog. Nischenverlage kümmern sich zur Zeit um die koreanische Literatur in deutscher Übersetzung, sie alle könnten ihr koreanisches Programm ohne die Zuschüsse aus Korea nicht finanzieren. Im Hinblick auf die Buchmesse 2005 mit dem Gastland Korea haben nun allerdings einige Großverlage ihr Interesse daran bekundet, etwas Koreanisches in ihr Programm aufzunehmen, aber das ist nur eine leicht zu durchschauende Business-Entscheidung aus gegebenem Anlass und berechtigt wohl kaum zu optimistischeren Prognosen für die Zukunft.
2. Die Verlage
Die wichtigsten Verlage, die koreanische Literatur herausbringen, seien hier noch genannt.
Pendragon Verlag
Stapenhorststraße. 15
D – 33615 Bielefeld
Tel: + 49 (0)521 699689, Fax: +49 (0)521 174470
www.pendragon.de
Der Verlag gibt die Reihe »edition moderne koreanische Autoren« heraus, in der bislang 22 Bände erschienen sind, weitere sind in Vorbereitung. Der Verleger leistet eine gute Öffentlichkeitsarbeit, hilft gelegentlich auch bei der Organisation von Lesereisen und ist immer sowohl auf der Frankfurter als auch auf der Leipziger Buchmesse vertreten. Die Bücher können u.a. direkt beim Verlag online bestellt werden, sind aber auch im Buchhandel erhältlich, allerdings meist nur auf Bestellung, da die großen Buchhandlungsketten solche selten verlangten Bücher nicht auf Lager haben. Die Lieferfrist beträgt aber in der Regel nur ein oder zwei Tage, da viele Grossisten die Bände auf Lager haben.
edition peperkorn
Hauptstraße 45
D – 26427 Thunum / Ostfriesland
Tel: +49 (0)4971 91873 83,
Fax: +49
(0)4971 91873 84
www.peperkorn.de
Der Verlag hat einen Schwerpunkt »Korea« und hat bislang auch schon 22 Bände in deutscher Sprache veröffentlicht, es gibt außerdem einige Übersetzungen ins Englische. Zudem verlegt er in Zusammenarbeit mit dem Center for Comparative Studies of Korean Poetry an der Universität von Siena in Italien die Reihe »Collana« mit Übersetzungen moderner Literatur sowie mit Einführungen in die koreanische Literatur- und Kulturgeschichte. Die Schriften erscheinen Englisch oder Deutsch. (www.peperkorn.de/collana.htm).
Der Verlag beteiligt sich nicht an den deutschen Buchmessen und leistet auch praktisch keine Öffentlichkeitsarbeit. Er bietet seine Veröffentlichungen nicht online an, die Bücher müssen über den Buchhandel erworben werden. Die Lieferfrist beträgt ein paar Tage, da die Grossisten diese Titel meistens auch nicht führen.
EOS-VERLAG
Erzabtei St. Ottilien
D – 86941 St. Ottilien
Tel: +49 (0)8193 71261,
Fax: +49 (0)8193
6844
www.eos-verlag.de
Der Verlag gibt die Reihe »Korea erzählt – Edition Bonner Übersetzungen« heraus. Die Reihe wird von Dr. Albrecht Huwe, dem Leiter der Abteilung Koreanisch im Seminar für Orientalische Sprachen der Universität Bonn betreut, und man sollte sich an ihn wenden, wenn man in dieser Reihe publizieren möchte, die im Prinzip Texte veröffentlicht, an deren Übersetzung Absolventen und Mitarbeiter des Studiengangs Diplomübersetzer mit Koreanisch als Hauptfach (am Seminar für Orientalische Sprachen der Universität Bonn) mitgearbeitet haben. Bislang sind drei Bücher erschienen, weitere sind in der Planung. Die Bücher können direkt beim Verlag online bestellt werden. Sie können aber auch im Buchhandel auf Bestellung erworben werden.
secolo Verlag
in der sec Kommunikation und Gestaltung
GmbH
Rolandsmauer 13/14
D– 49074 Osnabrück
Tel: +49 (0)541 28998,
Fax: +49 (0)541
201555
www.secolo-verlag.de
Der Verlag hat einen Arbeitsbereich »Asien – Kultur und Politik«. Dort sind bislang die beiden deutschen Bände »Land« von Park Kyongni erschienen. Ob man von diesem Verlag in Zukunft viel erwarten kann, scheint ungewiss, da der Mitarbeiter, der sich besonders für Korea interessierte, den Verlag verlassen hat.
Unionsverlag
Rieterstr. 18
CH – 8059 Zürich
Tel: +41 1 281 1400,
Fax: +41 1 2881 1440
www.unionsverlag.com
Dieser Verlag ist auf die Veröffentlichung von Übersetzungen literarischer Werke aus nicht europäischen Ländern spezialisiert. So hat er z.B. das Werk des Literaturnobelpreisträgers Nagib Machfus in deutscher Übersetzung publiziert. In seiner Taschenbuchreihe wird nun als UT 291 auch zum ersten Mal ein koreanischer Text erscheinen, und zwar »Der entstellte Held« von Yi Munyol, der zuvor bei Pendragon erschienen war. Als zweites Taschenbuch soll »Vögel« von Oh Jung-Hee folgen. Der Pendragon-Verlag strebt eine dauerhafte Zusammenarbeit mit dem Unionsverlag an, so dass weitere Bände folgen könnten. Ob der Unionsverlag auch zu einer Erstveröffentlichung bereit wäre, kann ich nicht beurteilen.
Hilfestellung bei der Verlagssuche kann auch die folgende Institution leisten:
Gesellschaft zur Förderung der Literatur
aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.
Reineckestr. 3
D – 60313 Frankfurt am Main
Tel: +49 (0)69 2102247,
Fax: +49 (0)69
2102227
E-Mail:
litprom@book-fair.com
www.litprom.de
Der Leiter und Ansprechpartner ist Peter Ripgen.
Vieles, was hier erwähnt wurde, sieht auf den ersten Blick vielversprechend aus, aber die Realität ist doch eher trübe. Dafür sei ein Beispiel genannt.
Die Initiative LiBeraturpreis e.V. , die im Oktober 2003 Oh Jung-Hee für ihren Roman »Vögel« mit ihrem Literaturpreis ausgezeichnet hat, vergibt auch einen Förderpreis für noch nicht ins Deutsche übersetzte Autorinnen, der jeweils auf der Leipziger Buchmesse überreicht wird. Als Preisträgerin konnte Frau Oh für 2004 koreanische Autorinnen zur Auswahl vorschlagen. Der Förderpreis ging dann an Lee Hye-Kyung für ihren Roman »Das Haus auf dem Weg«, den Christina Youn-Arnoldi übersetzen soll. Für den Auftritt auf der Messe in Leipzig und für die damit verbundene Lesereise wurden zwei Kapitel vorab übertragen. Der Initiative LiBeraturpreis war es allerdings nicht möglich, deutsche Veranstalter dafür zu gewinnen, einen Leseabend mit einer unbekannten koreanischen Autorin zu veranstalten (was bei Kuba im Jahre 2001, bei Haiti 2002 und bei Afghanistan 2003 kein großes Problem war), denn allen war das Risiko zu groß, eine Autorin aus einem Land vorzustellen, dessen Literatur ihnen so gänzlich unbekannt war. Dies ist trotz aller schon erschienenen Bücher also immer noch die Realität. Abgesehen von der Veranstaltung in Leipzig, zu der erfreulicherweise etwa 40 deutsche Gäste gekommen waren, fanden die Leseabende der Autorin in den diplomatischen Vertretungen Koreas in Berlin und Wien und beim Generalkonsulat in Frankfurt statt, die jeweils Einladungen zur Lesung mit anschließendem kleinen Empfang verschickt hatten, denen etliche Koreaner und Koreanerinnen mit ihren deutschen Freunden und Freundinnen gefolgt waren. Die Gekommenen erwiesen sich als ein interessiertes, aufgeschlossenes Publikum, so dass es nach den Lesungen zu anregenden Diskussionen kam. (Angaben nach dem Bericht der Initiative LiBeraturpreis).
Wie man daran sieht, lässt sich durchaus Interesse für die koreanische Literatur wecken, wenn Deutsche angesprochen werden, die schon irgendwie Beziehungen zu Korea oder zu Koreanern haben. Das Problem ist, wie man das generelle Lesepublikum zur Nachfrage nach koreanischen Werken anregen kann, so dass deutsche Verleger sich davon überzeugen, dass sie kein Verlustgeschäft machen, wenn sie ein Buch eines koreanischen Autors oder einer koreanischen Autorin verlegen. Den Durchbruch erhofft man sich allerseits jetzt vom Auftritt Koreas als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse 2005. Ob er gelingen wird, ist freilich eine andere Frage.
Copyright © 2004 by Edeltrud Kim