Michael Menke

KGIT im Aufbau
Zum Korean-German Institute of Technology in Seoul


Am 8. April fand in Seoul die Grundsteinlegung für das Korean-German Institute of Technology statt.

Struktur

Das KGIT, quasi eine deutsche Universität in Korea mit technischem und naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, ist Teil einer dreigliedrigen Struktur, bestehend aus dem genannten Korean-German Institute of Technology, dem Korean-German Industrial Park (KGIP) und dem Kuratorium deutscher Universitäten (KDU). Diese Dreigliederung soll es ermöglichen, eine enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, deutschen verbundenen Universitäten und dem KGIT zu erreichen.

KGIT

Das KGIT ist als koreanisch-deutsche Forschungs- und Lehreinrichtung gedacht, die im Hinblick auf wirtschaftliche Erfordernisse Spitzentechnologien entwickelt und hochqualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs ausbildet. Im Sinne des Wortes »universitas« soll eine transdisziplinäre Arbeit mit deutschen Qualitätsstandards in Forschung und Lehre in Korea entstehen. Für die Praxisorientierung sorgt der mit einbezogene Industriepark, für den Bezug zur deutschen Forschung und Wissenschaft sind die verbundenen deutschen Hochschulen und Forschungsinstitute zuständig.

Fächer sollen besonders die zukunftsträchtigen Disziplinen wie Bio-, Nano- oder Umwelttechnologie sein. Maschinenbau, Industriechemie und Sportmanagement zählen aber auch dazu, ebenso ein Kunstbereich, der sich weitgehend mit Kulturtechnologie befasst. Hotelmanagement, Tourismus und Kindererziehung sind andere geplante Fächer. Auch die Fraunhofer-Gesellschaft ist beteiligt, in Korea vielleicht am besten als Erfinder des MP3-Audio-Daten-Systems bekannt.

80 Professoren aus Deutschland werden an dieser Universität unterrichten, 250 weitere Forscher und Wissenschaftler sollen lang- oder kurzfristig Seminare und Vorlesungen abhalten. Die erwarteten Studenten sind natürlich Koreaner, aber auch Interessierte aus den Nachbarländern China, Japan usw. sind angesprochen, die somit an einer quasi deutschen Universität studieren können, ohne ihre Herkunftsregion verlassen zu müssen. Die Unterrichtssprache wird deshalb auch Englisch sein.

KGIP

Der Koreanisch-Deutsche Industriepark (KGIP) ist der eher koreanische Partner des Dreier-System, der auch die organisatorische Arbeit für das Gesamtprojekt in Korea übernimmt. Er soll auf Basis der deutsch-koreanischen Wirtschaftsbeziehungen in der sogenannten Digital Media City im Seouler Ortsteil Mapo entstehen, in Zusammenarbeit von koreanischer Regierung und Industrie. Ein Ziel ist es dabei, den bislang auf den USA und Japan konzentrierten Außenhandel Koreas auf die EU einschließlich Deutschland auszuweiten.

KDU

In einem Konsortium Deutscher Universitäten (KDU e.V.) zur Gründung des KGIT haben sich in der Zwischenzeit acht große deutschen Universitäten zusammengeschlossen: Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, die Freie Universität Berlin, die Technische Universität Berlin, die Universität Duisburg-Essen, die Fernuniversität Hagen, die Technische Universität Hamburg-Harburg, die Universität Hamburg und die Technische Universität München. Weitere Universitäten oder Fachhochschulen haben ihr Interesse bekundet.

»Zweck des KDU e.V. ist die Förderung von Forschung und Lehre durch die Beteiligung, Unterstützung und Mitarbeit an der Gründung und dem Betreiben einer Koreanisch-Deutschen Universität mit der Bezeichnung »Korean-German Institute of Technology (KGIT)« in Seoul auf dem Gebiet der technisch-technologischen Wissenschaften, der Wirtschaftswissenschaft und der Kultur- und Sprachwissenschaften.«, so die Satzung. Die deutschen Partner sollen auch helfen Lehr- und Forschungskräfte zu vermitteln, und Curricula und Forschungspläne zu entwickeln. Auch bei der Suche nach wirtschaftlichen Partnern und Sponsoren ist das KDU gefragt.

Dass die Sprachwissenschaften hier auch genannt werden, lässt darauf hoffen, dass die deutsche Sprache zumindest am Rande eine Rolle spielen könnte. Zu den Gründungsmitgliedern des KDU zählt übrigens Georg Neumann, der Repräsentant des KGIT in Deutschland ist. Georg Neuman war der erste DAAD-Lektor an der Seoul National-Universität 1963–1965 (siehe DaF-Szene Korea Nr. 18).

In den kommenden Jahren soll vom KDU das wissenschaftliche Personal ausgewählt werden, danach erfolgt die Auswahl und Ausbildung des Verwaltungspersonals. Für April 2008 ist die Entsendung deutscher Professoren und wissenschaftlicher Mitarbeiter geplant, im September 2008 soll dann der Lehrbetrieb anlaufen.

KGIT, KGIP und KGU haben eine gemeinsame Website, in deutscher, koreanischer und englischer Sprache: http://www.kgip.co.kr/german/index.asp [Anm. Webmaster: Link nicht mehr aktuell!!]


Copyright © 2004 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 19

Back Home