Es ist Montagmorgen. Die Grundschüler versammeln sich auf dem Hof der regulären koreanischen G-Grundschule in Seoul. Die Nationalhymne erklingt, dann folgt die Schulhymne - im Anschluss daran hält der Schuldirektor seine allwöchentliche Rede zur geistigen Erquickung der auf dem Schulhof versammelten Grundschüler. Nach diesem Ritual begeben sich die Schüler in ihre jeweiligen Klassenzimmer, in Erwartung des Erscheinens ihrer Klassenlehrerin oder auch des Klassenlehrers. Begrüßt wird diese Person bei Betreten des Klassenraumes von beiden Klassensprechern - der eine ist der Vertreter der Jungen, die andere ist die Vertreterin der Mädchen. Nun kann der Unterricht beginnen ... .
In der Grundschule werden die Erstklässler behutsam an den Unterricht herangeführt. Bezeichnend dafür ist, dass die Erstklässler in den ersten beiden Wochen erst morgens um zehn zum Unterricht erscheinen müssen und lediglich zwei Schulstunden haben, bis sie nach etwa fünf Wochen dann die gewöhnlichen vier Unterrichtstunden absolvieren. In den ersten beiden Schuljahren steht das Malen im Mittelpunkt. Der Lehrer gibt den Schülern ein Thema, z.B. "Weltraum", "Familienausflug" oder "Ferien", welches die Schüler ohne weitere Vorgaben in eine Zeichnung umsetzen müssen. Die besten Bilder werden belohnt. Einen Schatten auf diese recht kreative übungsform wirft jedoch die Tatsache, dass viele Eltern, um ihren Kindern möglichst viele Auszeichnungen bei den schulischen Malübungen zu sichern, ihre Sprösslinge in privaten Malinstituten einem speziellen Maltraining unterziehen lassen - und dies in der Regel bereits etwa zwei Jahre vor Schulbeginn.
Neben dem Malen gibt es noch weitere Unterrichtsfächer wie Koreanisch, Mathematik, Musik, Sport und auch Computer. Bereits bei Hausaufgaben in der ersten Klasse werden die Schüler zum Gebrauch des Internets motiviert, wenn es beispielsweise bei einer Aufgabe darum geht zu recherchieren, welche traditionellen Musikinstrumente es in Korea gibt. überhaupt sind die Hausaufgaben recht vielfältiger Natur. So ist es Pflicht, dass jeder Schüler von der ersten Klasse an - Schreiben und Lesen lernt man bereits im Kindergarten - ein Tagebuch führt, dessen regelmäßige Führung von der Lehrkraft kontrolliert wird. Zudem werden die Schüler dazu angehalten, jeden Tag etwa zehn Seiten aus einem Buch zu lesen, welches die Schüler selbst aussuchen können.
Ein beachtenswerter Punkt ist es auch, dass die Schüler in unregelmäßigen Abständen die Gelegenheit haben, ihre besonderen Talente vor der Klasse zu präsentieren. Es kann etwas Sportliches sein wie Taekwondo oder Ballett, etwas Musikalisches wie Flöten- oder Klavierspiel oder irgendeine andere kreative Tätigkeit.
Nachmittags gibt es dann freiwillige Angebote wie Geigenunterricht, Fußballspielen, technische Tätigkeiten (z.B. das Konstruieren eines Roboters) oder auch koreanische traditionelle Spiele.
Zum Abschluss eines jeden Schulhalbjahres gibt es Zeugnisse. Noten werden in diesen Zeugnissen nicht vergeben, vielmehr enthält das Zeugnis allgemeine Angaben zum Lern- und Sozialverhalten des Schülers. Das Sozialverhalten des Schülers wird recht ausführlich dargestellt, insbesondere der Umgang mit Klassenkameraden, wobei nicht nur die Anpassungsfähigkeit beurteilt wird, sondern beispielsweise auch der Umgang mit aus schwierigen gesellschaftlichen Verhältnissen kommenden Mitschülern.
Die Schulklassen werden jedes Jahr neu zusammengesetzt. Dies soll dazu dienen, dass den Schülern die Möglichkeit gegeben wird, Freundschaften mit neuen Schulkameraden zu schließen und somit soziale Kompetenz zu erwerben.
Die Eltern, insbesondere die Mütter, werden insofern miteinbezogen, als sie zu gewissen Hilfsarbeiten herangezogen werden, wie beispielsweise zu Aufräumarbeiten in der Schule, zur Begleitung bei Schulausflügen oder auch zur Arbeit als Schülerlotse.
In der regulären koreanischen Grundschule wird somit in den ersten Schuljahren gezielt die Ausbildung der kreativen Fähigkeiten der Schüler gefördert und dem sozialen Verhalten in der Beurteilung ein hoher Stellenwert beigemessen. Auch individuelle Talente der Schüler finden Beachtung. Leider ist es aber oft so, dass die Egozentrik vieler Eltern dazu führt, dass aus kreativen Tätigkeiten wie dem Malen in den ersten Grundschuljahren ein harter Wettbewerb wird, auf den die Kinder bereits in vorschulischer Zeit in privaten Hakwons (Bildungsinstituten) vorbereitet werden.
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