Erich Thaler

Leben und Studieren in Berlin.
Warum sich koreanische Studentinnen und Studenten in der deutschen Hauptstadt so wohl fühlen.

Der Autor ist Leiter der Abteilung Internationales Marketing an der privaten Sprachenschule BSI in Berlin


Frau Kim Ji-Young war schon ein wenig müde, als sie um halb elf Uhr Ortszeit am Flughafen Berlin-Tegel ankam. 13 Stunden Flug hatte sie hinter sich. Erschöpft von den letzten Tagen ihrer Reisevorbereitungen in Seoul und aufgeregt zugleich, wie es in diesem Land wohl sein werde, von dem sie so oft im Deutschunterricht an ihrer Universität gehört hatte, stand sie an der Zollabfertigung und würde in wenigen Augenblicken durchgewinkt werden und ihr Reisegepäck vom Förderband 12 der Lufthansa-Maschine nehmen, mit der sie eben in Berlin gelandet war.

Endlich in Berlin! Das Brandenburger Tor, die wiedervereinigte Stadt, ein wenig Wehmut, wenn sie dabei an ihre Heimat Korea dachte, die immer noch in zwei Landeshälften geteilt war, und der Alexanderplatz, von dem ihr ein engagierter Deutsch-Lektor in seinem Literaturunterricht erzählt hatte. Das alles kannte sie bereits. "Frau Kim?". Wo sollte sie jetzt hin? Sie wurde mit den vielen Reisenden in den Eingangsbereich des Flughafen aus dem Zollbereich nach draußen gespült und sah sich fragend um. "Wo war Daniel?". Er sollte sie abholen und in ihre Gastfamilie bringen. "Frau Kim?"

Ein drahtiger, junger Mann, etwa 1 Meter 75 groß, mit kantigem Gesicht und einem beinahe unwiderstehlichen Lächeln stand perfekt gekleidet vor ihr. "Daniel, von der BSI Sprachenschule. Sind Sie Frau Kim?"

Frau Kim war überglücklich. Der junge Mann nahm ihr Gepäck an sich, brachte sie zum Wagen und fuhr sie in weniger als 20 Minuten zu ihrer Gastfamilie, die die Ankunft von Frau Kim bereits erwartete.

Bei dieser Familie verbringt nun Frau Kim, wie viele andere Studenten aus Korea, die am BSI in Berlin Deutsch gelernt haben, ihren Aufenthalt.

Berlin ist für viele Sprachstudentinnen und Sprachstudenten aus Korea sehr attraktiv geworden. Nicht nur die individuelle Betreuung von Sprachenschulen wie BSI sind dafür ausschlaggebend, sondern auch die knapp über 7000 Koreanerinnen und Koreaner, die mittlerweile in Berlin leben.

Wer Koreanisch essen gehen, koreanische Lebensmittel einkaufen oder Sport wie Taekwondo betreiben möchte, kann dies mittlerweile ebenso gut in Berlin tun wie in Seoul oder in jeder anderen großen Stadt Koreas.

Restaurants in Berlin haben so klingende Namen wie "Ginseng", "Seoul", "Koreahaus" oder "Arirang Shiktang".

Die etwa 35 koreanischen Studenten, die derzeit am Spracheninstitut BSI Deutsch lernen, sind ein weiterer Grund, warum koreanische Studenten hier in Berlin so schnell Anschluss an das soziale Leben der Stadt finden und sich auch sehr schnell über die Studienbedingungen an den Berliner Universitäten und an Universitäten deutschlandweit aus erster Hand informieren können.

Darüber hinaus gibt der koreanische Verein Berlin eine eigene Monatszeitschrift mit dem Namen "Haninhoebo" heraus, die eine sehr umfassende Sammlung aller wichtigen Adressen für in Berlin lebende Koreanerinnen und Koreaner darstellt.

Informationen über Berlin und das Leben hier erteilt der Vereinsvorsitzende, Herr Chae E. koreanerberlin@hotmail.com. T.030 216 9052.

Das junge koreanische Berlin informiert sich beim Verein Hangaram (Frau Lee You-Jae E. 2dante@hanmail.net oder Frau Na-Rhee Scherfling E. dunkelgoettin@web.de) und ist auf diese Weise immer am Puls der Zeit.

Wer nun also Berlin noch nicht kennt, sollte dies in jedem Fall schnell nachholen und die unglaubliche Dynamik dieser jungen Stadt erleben. Für die ersten Kontakte stehen die genannten Vereine zur Verfügung, Sprachenschulen wie BSI, aber genauso die rührige und unermüdliche Lektoren-Vereinigung Korea sowie die DAAD-Beauftragte am Goethe-Institut in Seoul, Frau Garnatz.

Spätestens 2005 sollten aber alle jungen Koreaner hier in Berlin sein, wenn Korea das Thema der nun schon weit über die Grenzen hinaus bekannten Asien-Pazifik-Wochen sein wird. Jede Stimme zählt!


Copyright © 2003 by Erich Thaler


DaF-Szene Korea Nr. 18

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