Roland Wein

Wirtschaftspartner mit Zukunft - Deutschland und Korea


Der Beginn der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Korea lässt sich auf das Jahr 1883 datieren. In diesem Jahr wurde unter der Federführung des Außen- und Wirtschaftsministers von Möllendorff, einem Deutschen in den Diensten des koreanischen Königs, der Deutsch-Koreanische Freundschafts-, Schifffahrts- und Handelsvertrag abgeschlossen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren die bilateralen Beziehungen durch das Primat des Handels, wenn auch auf niedrigem Niveau, geprägt. Korea lag nicht im Blickpunkt der politischen Interessen Deutschlands in Nordost-Asien. Nach der Gründung der beiden Staaten Bundesrepublik Deutschland und der Republik Korea entwickelten sich die Beziehungen unter den Bedingungen der Teilung beider Länder.

Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen waren in den 60er und 70er Jahren vor allem durch die Gewährung öffentlicher Kredite und einen Know-How-Transfer seitens der Bundesrepublik Deutschland gekennzeichnet. Damit leistete die Bundesrepublik Deutschland eine Beitrag für die industrielle Entwicklung Koreas.

Die Bundesrepublik Deutschland war das erste Land, das Korea Kapitalhilfe gewährte. Die Grundlage dafür bildete das Protokoll über die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit zwischen der BRD und der Republik Korea aus dem Jahr 1961. Bis zur Einstellung der Kapitalhilfe 1982 erhielt Korea Entwicklungskredite in der Höhe von 590 Mio. DM. Im Rahmen der technischen Zusammenarbeit, die ebenfalls 1961 aufgenommen wurde, erhielt Korea im Rahmen der Entwicklungshilfe bis 1989 209 Mio. DM.

Die deutsche Kapitalhilfe in Form von öffentlichen Krediten wurde in den Aufbau der koreanischen Infrastruktur, landwirtschaftliche Projekte und Kreditvergabe an öffentliche Banken investiert. Im Rahmen von Projekten, die den Transfer von Technologie und Management-Know-how zum Ziel hatten, gelangten zahlreiche deutsche Techniker, Landwirte, Förster, Ärzte und andere Experten nach Korea.

Um den Arbeitskräftenotstand in Deutschland zu beheben, wurden in den 60er und 70er Jahren koreanische Krankenschwestern und Bergarbeiter im Rahmen offizieller Abkommen nach Deutschland angeworben. Deren Geldsendungen an ihre Familien in Korea kurbelten wiederum die koreanische Wirtschaft an.

Während Kapitalhilfe und technische Zusammenarbeit ab den 1980er Jahren in den Hintergrund traten, gewannen der Technologietransfer v.a. im Maschinenbau, der chemischen und Elektroindustrie und deutsche Direktinvestitionen an Bedeutung.

Ein bilaterales Handelsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Korea wurde während des Staatsbesuches von Präsident Park Chung-hee in Bonn im Dezember 1964 paraphiert und dann am 8. April 1965 in Seoul unterzeichnet. Mit diesem Abkommen wurde die völkerrechtliche Basis für den bilateralen Handelsaustausch geschaffen. Vereinbart wurden dabei auch die Gewährung der Meistbegünstigung sowie die Bildung eines Gemischten Ausschusses auf Regierungsebene, der mindestens einmal im Jahr aktuelle Wirtschaftsfragen erörtern soll.

Die deutsch-koreanischen Handelsbeziehungen waren bis in die frühen 70er Jahre durch ein chronisches Handelsbilanzdefizit der koreanischen Seite gekennzeichnet. Ab 1973 konnte Korea einen Überschuss in der bilateralen Handelsbilanz erzielen, der 1976 mit über 500 Mio. DM den ersten Höhepunkt erreichte.

Mit der Gründung der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer (DKIHK) wurde einerseits dem erreichten Stand der Wirtschaftsbeziehungen Rechnung getragen, zum anderen aber auch eine wichtige Basis für deren weiteren Ausbau geschaffen. Die DKIHK hat heute über 300 deutsche und koreanische Mitgliedsfirmen.

Auch in den 80er Jahren verbuchte die koreanische Seite bei einem weiterhin hohen Wachstum des bilateralen Güteraustausches stetige Überschüsse in der Handelsbilanz. 1981 überschritt der Handelsüberschuss Koreas erstmals die Marke von einer Milliarde DM. Während sich das Volumen des deutsch-koreanischen Handels zum Ende des Jahrzehnts einer Größenordnung von neun Milliarden DM annäherte, ging jedoch gleichzeitig der Handelsüberschuss Koreas zurück. 1990 konnte die Bundesrepublik erstmals seit mehr als 15 Jahren wieder ein positives Saldo im bilateralen Handel verbuchen. Auch zwischen 1993 und 1997 konnte Deutschland kontinuierliche Überschüsse im Handel mit Korea verzeichnen. 1996 erreichte der gesamte bilaterale Warenaustausch dabei die damalige Rekordmarke von 16,3 Mrd. DM, was dem 160fachen des Handelsvolumens von 1966, also 30 Jahre zuvor, entsprach.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die 1997/98 auch Korea ergriff, hatte sowohl Auswirkungen auf den bilateralen Handel, als auch auf die Investitionen deutscher Unternehmen im Land. Einerseits kam es zu einem Rückgang der deutschen Exporte nach Korea um 45%. Andererseits investierten deutsche Unternehmen in bisher nicht gekanntem Ausmaß in Korea. Die deutschen Gesamtinvestitionen wurden innerhalb von zwei Jahren bis 2000 mehr als verdoppelt und betrugen - akkumuliert seit 1964 - Ende  2002: 5,206 Mrd. US$.

Deutsche Unternehmen haben sich in Korea als zuverlässige und langfristige Partner auch in schwierigen Zeiten bewährt. Große deutsche Firmen wie Siemens, BASF, Commerzbank, Degussa, FAG und Allianz haben umfangreiche Investitionen in Korea getätigt. Aber auch kleine und mittlere Unternehmen, die das Rückrat der deutschen Wirtschaft bilden, haben investiert und spielen eine wichtige Rolle insbesondere als Zulieferer, u.a. für die koreanische Autoindustrie.

Deutsche Unternehmen setzen ihre Investitionstätigkeit in Korea fort. BASF, DaimlerChrysler und Allianz als die größten Investoren planen einen weiteren Ausbau ihres Engagements in Korea. Deutsche Firmen nutzen das günstige Investitionsklima, das von der koreanischen Regierung durch ihre öffnungs- und Liberalisierungspolitik geschaffen wurde und das weiter ausgebaut werden soll.

In den letzten Jahren haben koreanische Unternehmen auch verstärkt in Deutschland investiert, allerdings ist das Gesamtvolumen noch relativ gering. Im Jahr 2002 betrugen die koreanischen Direktinvestitionen in Deutschland 144 Mio. US$.

Bereits 1999 stiegen die deutschen Exporte wieder um 14,4% im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Wert konnte im Jahr 2000 mit 20,9% Anstieg auf 4,62 Mrd. US$ deutlich übertroffen werden. Zwar gingen die deutschen Exporte daraufhin im Zuge der weltweiten Konjunkturschwäche im Jahr 2001 um 3,3% auf 4,47 Mrd. US$ zurück, 2002 verbesserte sich aber in 2002 wieder 22,3% auf 5,47 Mrd. US$.

Koreas Exporte nach Deutschland verzeichneten im Jahr 2000 einen Zuwachs von 23,2% auf 5,15 Mrd. US$. 2001 gingen sie um 16,1% auf 4,32 Mrd. US$ zurück. Im Jahr 2002 fielen sie dagegen nur leicht um 0,8% auf 4,29 Mrd. US$.

Zum zweiten Mal in Folge seit 1997 konnte Deutschland im Jahr 2002 eine positive Handelsbilanz mit Korea von fast 1,2 Mrd. US$ abschließen.

Im Jahr 2002 waren Deutschlands Hauptexportgüter nach Korea Maschinen und Ausrüstungen, elektrotechnische Erzeugnisse und Fahrzeuge. Hauptimportgüter aus Korea waren elektrotechnische Erzeugnisse, Maschinen und Ausrüstungen und Schiffe.

Im vergangenen Jahr konnte Deutschland seinen Anteil am gesamten Handel Koreas auf 3,1% steigern. Damit war Deutschland im Jahr 2002 nach den USA, Japan, der Volksrepublik China, Hongkong und Taiwan sechstgrößter Handelspartner Koreas. Innerhalb der EU stellt Deutschland für Korea den wichtigsten Handelspartner dar. Deutschland exportiert vor allem im Elektro-, Automobil- und Maschinenbereich, wobei gute Absatzchancen besonders bei Spezialmaschinen bestehen. Bei technisch weniger anspruchsvollen Produkten oder etwa bei Konsumwaren ohne Markenprofil sind koreanischen und weiteren asiatischen Herstellern auf Grund des Kostenvorteils grundsätzlich bessere Absatzmöglichkeiten einzuräumen. Da Deutschland, seine Unternehmen und Qualitätsprodukte in Korea traditionell ein hohes Ansehen genießen, dürften Exporteure vor allem im Bereich der Markenartikel und im hochtechnologischen Bereich erfolgreich sein.

Einen wichtigen Impuls für den weiteren Ausbau der bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen wird die "German World 2003 - German High Tec Fair" geben, die von der Deutsch-Koreanischen Industrie- und Handelskammer (DKIHK) vom 5. bis 8. Juni 2003 im Convention und Exhibition Center (COEX), Indian Hall, veranstaltet wird. Diese Imagemesse knüpft an die Erfolge der "Leistungsschau der Deutschen Wirtschaft" in Korea in den Jahren 1999 und 2001 an. Sie soll den hohen Stand der Technik deutscher Produkte darstellen und das gute Image Deutschlands in Korea festigen.

German World 2003 wird neue Maßstäbe setzen. Im COEX, einem der modernsten Messegelände der Welt, wurden die Ausstellungsfläche und die Zahl der Aussteller im Vergleich zu den Hotelausstellungen 1999 und 2001 mehr als verdoppelt. 2003 stellen auf einer Fläche von ca. 4000 m2 mehr als 60 Aussteller aus den verschiedensten Wirtschaftsbereichen  dem koreanischen Fachpublikum und den interessierten Besuchern ihre neuesten Produkte und Hochtechnologien vor.

Neben den Firmen nehmen der Freistaat Thüringen und das Bundesland Nordrhein-Westfalen mit Gemeinschaftsständen an der German World 2003 teil. Der Deutsche Akademische Austauschdienst organisiert im Rahmen der German World 2003 auf einer Fläche von ca. 300 m2 eine "Study & Research Fair", die 15 deutsche Universitäten vorstellt und für den Studienstandort Deutschland wirbt. Beteiligt an dieser Ausstellung sind auch das DAAD Information Center Seoul, das Goethe-Institut und die deutsche Botschaft in Seoul.

Daneben präsentiert die Deutsche Forschungsgemeinschaft eine Ausstellung "The New Way into Space", die Forschungsergebnisse von Instituten in Aachen, Stuttgart und München zu kosteneffektiven, sicheren und umweltschonenden neuen Wegen des Weltraumtransports vorstellt.

Während der German World 2003 werden verschiedene Symposien durchgeführt. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen veranstaltet ein Symposium zu Umwelttechnologien. Der Deutsche Akademische Austauschdienst informiert über Wissenschaft, Ausbildung und Forschung in Deutschland und organisiert Symposien zu Nano- und Umwelttechnologien, Raumfahrttechnologien und Krankenhausmanagement. Firmensymposien ergänzen die Präsentation.

Das Deutsche Weininstitut stellt auf einer Fläche von 36 m2 unter Beteiligung von acht deutschen Weingütern und Weinexporteuren deutschen Wein vor, und die deutsche Weinkönigin lädt am Stand des DWI zu Weinverkostungen ein.

Die Ausstellung wird ergänzt durch ein Restaurant, das typische deutsche Speisen und Getränke anbietet.

Die Leser der "DaF-Szene Korea" sind herzlich zu einem Besuch der Ausstellung eingeladen.


Copyright © 2003 by Roland Wein


DaF-Szene Korea Nr. 17

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