Gibt es eigentlich soviel Deutsches in Korea, dass es sich lohnt, ein ganzes Heft damit zu füllen? Am Anfang waren wir uns nicht sicher. Doch je weiter die Suche ging, umso mehr wurden wir fündig. Deutsche Ausdrücke haben Einzug in die koreanische Sprache gefunden, nicht nur die Wörter Arbeit oder Hof, sondern z.B. Fachausdrücke in der Musik (Leitmotiv, Auftakt), in der Philosophie (Sosein), beim Bergsteigen (Schlafsack) und in vielen anderen Bereichen. Diese Wörter haben sich manchmal verändert (Jod-Ting statt Jod-Tinktur) oder gelangten über das Englische in die koreanische Sprache (Kindergarten).
Deutsche Namensgebung bei Restaurants, Gaststätten, Firmen, Geschäften oder Produkten ist ein weites Feld, das wir auch mit unserer Fotosammlung dokumentiert haben. Am populärsten dürften deutschklingende Namen beim Hof (der vielleicht vom Wort Gasthof stammt) sein, der in vielen Formen vom Löwenhof bis zum englisch mutierten Alps-Hof überall in Korea zu finden ist. Bäckereien mit Namen wie Bäckerei und Konditorei tauchen da auf, oder auch die German Bakery oder gar ganz koreanisch Togil Bang, was das Gleiche in der Landessprache bedeutet.
Firmen, die einen deutschsprachigen Namen tragen, haben nicht immer wirklich etwas mit Deutschland zu tun. Das betrifft besonders Mode-Marken wie Eigen, Trugen, Ansich (the thing itself) oder Autobahn. Im Geschäft Auto Straße werden deutsche Autos verkauft, Motorrad Seoul handelt mit schnellen deutschen Maschinen, und Hansung (das bedeutet Stern und Korea) verkauft hierzulande die deutschen Fahrzeuge mit eben jenem Stern. Man muss dazu sagen, dass nicht alle Autos in Korea, die einen Stern auf der Haube oder auf dem Kofferraum tragen wirklich aus Deutschland kommen. Mancher schmückt sich da doch mit falschen Symbolen ...
In letzter Zeit kommen auch Warenbezeichnungen auf, die zwar nicht wirklich deutsch in der Namensgebung sind, aber zumindest deutsch klingen und damit vielleicht ein solides, ordentliches Image verbreiten sollen: Zipel, Tromm, Hauzen, alles Haushaltsgeräte aus koreanischer Produktion.
Bei anderen Geschäftsnamen ist der Grund für eine deutsche Bezeichnung vielleicht eher in einem romantisch-künstlerischen oder literarischen Deutschlandbild zu sehen: Ein Einrichtungshaus heißt Kunst, ein anderes Raum, Cafés heißen Baum, Koolhaas oder Kafka, früher gab es eine Schokolade namens Liebe, heute die Kekse Choco-Heim. Heim oder Haus treten öfter zutage, der Käse Rosenheim, der mit größter Reinheit und Natürlichkeit wirbt, das Herrenhaus (eine Luxus-Wohnanlage in Seoul), nicht weit entfernt vom Herren-Club, in dem weder die Herren noch die Damen deutsch sind. Eine Nachhilfeschule (kor. hagwon) heißt eins, vielleicht um nicht allzu profan-englisch als No. One in Erscheinung zu treten.
Eine sechsköpfige koreanische Pop-Gruppe, die bis vor zwei Jahren existierte, nannte sich Sechs Kies, was auf ihrer Homepage mit Deutsch für: sechs Edelsteine erklärt wurde.
In einem anderen Teil dieses Heftes geht es um Deutsche Persönlichkeiten in Korea, allesamt bereits lange verstorbene Herren, die aber selbst etwas Deutsches nach Korea gebracht haben, wie etwa der Mediziner Wunsch oder der Kapellmeister Eckert, der deutsche und europäische Musik um die Jahrhundertwende nach Seoul importierte und auch hier begraben ist.
Deutsches in Korea ist also diesmal nicht oder nur am Rande Deutsch als Fremdsprache, sondern das koreanische Bild und die Vorstellung von Deutschland, deutschen Eigenschaften und vielleicht auch Vorurteilen über Deutschland.
Ein Tipp für Lektoren in Korea (oder auch in anderen Ländern): Lassen Sie einmal Ihre Schüler/Studenten in Ihrer Stadt nach solchem Deutschen suchen. Sie werden überrascht sein, was sie alles finden.