Wenn man an Deutsches in Korea denkt, dann wird man nicht umhinkommen, an solche Dinge zu denken, die zwar deutsch sind, aber sich quasi international durchgesetzt haben. Ein solches "Ding" ist ein Begriff, den wir mittlerweile ganz gewohnheitsmäßig im Munde führen: East Asia bzw. Ostasien.
Tatsächlich sagte man früher "Ferner Osten" oder "Far East" oder "Orient extreme". Und Engländer und Franzosen sagen das ja auch heute noch. Mit dem Begriff "Ostasien" setzte sich aber ein Begriff durch, der nicht mehr eurozentrisch ist (oder sollte man nicht lieber westeurozentrisch sagen?). Ein Mann der dies bereits im 19. Jahrhundert bemängelte, war der Vater der modernen Geographie, Carl Ritter (1779-1856). Er stellte zu recht fest, dass dieser Teil der Welt ja nur von Europa aus gesehen im fernen Osten liegt. Wie ja überhaupt "Asien" eine Erfindung Europas zur Abgrenzung ist. Asien selbst ist nur die Verballhornung des assyrischen Wortes "Acu": Aufgang der Sonne.
Was nun Ostasien ist, welche Länder dazugehören und welche nicht, ist allerdings bis heute strittig. Plausibel erscheint eine Erklärung, die Ostasien klimatisch und gleichzeitig historisch-kulturell abgrenzt. Demnach wäre alles zu Ostasien gehörig, was vom außertropischen Monsun betroffen und gleichzeitig von der historischen chinesischen Zivilisation betroffen ist. Das erste Kriterium hat allerdings großen Einfluss auf die gesamte Region. In ganz Ostasien wechseln sich die Trocken- und Regenzeiten regelmäßig ab. Im Sommer fließt aufgrund des Druckgefälles zwischen dem australischen Winterhoch und dem asiatischen Sommertief feuchtwarme Luft aus Süd und Südwest nach Nordost. Umgekehrt zieht im Winter sibirische Kaltluft nach Süden vor, nimmt über dem Meer zwischen Japan und Korea Feuchtigkeit auf, die zu starken Schneefällen führt bzw. im Südchinesischen Meer zu den Taifunen (chines. tai feng, "Großer Wind"). Dies würde bedeuten, dass China, Korea, Japan und der Norden Vietnams zu Ostasien gehörig sind. Mit dieser geographisch-klimatischen Perspektive geht jedoch auch eine inhaltliche einher. Die Zusammengehörigkeit dieses "Kulturkreises" wird seit langer Zeit betont und hierbei besonders in der deutschen Asienwissenschaft der 1920er Jahre. Demzufolge haben sich Staat und Gesellschaft in den angesprochenen Ländern aus der chinesischen Kultur entwickelt und nicht umgekehrt (F.E.A. Krause: Geschichte Ostasiens, Göttingen 1925). Auch nach diesem Kriterium sind China, Korea Japan und Nordvietnam der Raum, der als Ostasien bezeichnet werden kann. Sie teilen ein gemeinsames, durch Chian vermitteltes Kulturerbe, dessen wichtigsten Elemente die chinesische Schrift, die chinesische Gesellschaftslehre (besonders Konfuzianismus und Legalismus) der dynastische Gedanke und das ostasiatische Völkerrecht sind. Auch gehört der Buddhismus in seiner Mahayana-Form hierher. Diese kulturwissenschaftliche Perspektive und die Bezeichnung Ostasien für den genannten Raum wurden nach dem 2. Weltkrieg weitestgehend von der internationalen Asienwissenschaft übernommen.
Nicht verschwiegen werden soll allerdings, dass die sogenannte "realistische Schule" um Huntington (Clash of Civilizations) in den USA eine wichtige Änderung in der Definition vornimmt, die nach Huntington die Probleme in der Region z. T. erklärt: Er schließt Japan aus der Definition aus und behauptet vielmehr, dass Japan ein eigener Kulturkreis (der kleinste weltweit) sei und von daher mit dem chinesischen zwangsläufig zusammenstoßen muss. Wie dem auch immer sei: Korea ist in jedem Fall ein Teil der von Carl Ritter zum ersten Mal so genannten Region Ostasien.
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