Vor Aufnahme der offiziellen Beziehungen zwischen Deutschland und Korea, die durch Unterzeichnung eines Handels-, Schifffahrts- und Freundschaftsvertrages am 26. November 1883 begonnen hatten, gab es bereits einige Begegnungen zwischen Deutschen und Koreanern. So fand z.B. die nachweislich erste Begegnung im Jahre 1644 in Peking statt, als der koreanische Kronprinz Sohyon auf den deutschen Jesuitenpater Johann Adam Schall von Bell stieß, der ihm einige Schriften religiöser aber auch wissenschaftlicher Art überreichte. Es ließen sich noch weitere Ereignisse dieser Art auflisten, doch wäre das an dieser Stelle weniger angebracht.
Die meisten dieser frühen deutsch-koreanischen Episoden stellten zwar lediglich einen geringeren historischen Wert dar, doch waren sie durchaus von positivem Charakter geprägt. Eine dieser Begegnungen, die hier näher beschrieben werden soll, fiel jedoch völlig aus dem Rahmen und hinterließ alles andere als eine positive Einstellung der Koreaner zu Deutschland, bzw. zu westlichen Nationen. Sie trug vielmehr dazu bei, ihre Ansicht von barbarischen und unkultivierten Fremden zu bekräftigen und veranlasste die koreanische Regierung gleichzeitig zu einer Intensivierung ihrer Isolationspolitik.
Von allen asiatischen Ländern war Korea stets das verschlossenste und somit geheimnisvollste Land, ein Umstand, der viele Abenteurer unterschiedlicher Herkunft dazu verleitete, hinter den Grenzen Koreas Schätze und andere wertvolle Dinge zu vermuten. Die allgemeine Tendenz solcher Vermutungen ging dahin, dass das abgeschirmte Königreich große Mengen an Gold bergen müsste. Einer solchen irrigen Annahme erlag auch der deutsche Kaufmann in Schanghai Ernst Jacob Oppert (1832-1903), der gleich dreimal zum Versuch ansetzte, auf mehr oder weniger räuberische Art mit Korea in eine Handelsbeziehung zu treten.
Der amerikanische Kommodore Matthew Calbraith Perry hatte bereits 1854 Japan durch eine Flottendemonstration gezwungen, nach über 200jähriger Isolation einige seiner Häfen für einen Handel mit dem Westen zu öffnen. Oppert versäumte diese Gelegenheit nicht und versuchte sein Glück in Nagasaki im Jahre 1859. Seine Reise nach Japan blieb indes relativ erfolglos, so dass er sich nach seiner Rückkehr nach lukrativeren Geschäften umsah. Durch die Ausführungen ihm gut bekannter chinesischer Kaufleute über die angebliche Produktionsfähigkeit Koreas und die damit verbundenen Handelsmöglichkeiten wurde sein Interesse an dem hermetisch versiegelten Königreich bald geweckt und er entschloss sich kurzerhand, eine Handelsexpedition nach Korea zu unternehmen.
Auf der Suche nach einer entsprechenden Finanzierung seines Vorhabens wandte er sich an James Whittall, den Chef des größten englischen Handelshauses in China, Jardine, Matheson & Co., der in Opperts Plan ebenfalls Möglichkeiten sah, seine Geschäfte auf das Nachbarreich Korea ausdehnen zu können. Whittall war im Gegensatz zu Oppert jedoch ein realistischerer und demzufolge vorsichtigerer Mann und gab James Morrison, dem Kapitän des zur Verfügung gestellten Dampfers "Rona", zunächst nur die Anweisungen, innerhalb von fünf Tagen lediglich die Küste zu erforschen, die Mündung des Han-Flusses ausfindig zu machen sowie die Lage der Hauptstadt zu erkunden, um für eine zweite und somit vielversprechendere Expedition besser vorbereitet zu sein.
Im März 1866 erreichte Oppert das erste Mal die koreanische Westküste und unternahm mehrere vergebliche Versuche, die Beamten zu einer Handelsbeziehung zu bewegen. Als der deutsche Kaufmann daraufhin eine Exkursion ins Landesinnere unternehmen wollte und von den Koreanern am Weitergehen gehindert wurde, bedrohte er sie mit Pistolen. Durch diesen Misserfolg ließ sich Oppert jedoch nicht abschrecken. Da die Fünf-Tage-Frist, die ihnen Whittall gewährt hatte, verstrichen war, beabsichtigte er, sich an Land ein Haus zu nehmen, um direkt in Korea auf die Rückkehr der "Rona" zu warten. Der Gouverneur, der von diesem Plan in Kenntnis gesetzt worden war und um seinen eigenen Kopf bangte, wies Oppert mit Nachdruck auf die Politik des Landes hin, mit fremden Staaten keinerlei Handel zu treiben und forderte ihn auf, unverzüglich das Land zu verlassen.
Nach Schanghai zurückgekehrt gab Oppert sein Vorhaben indes nicht auf und rüstete unverzüglich zu einer zweiten Reise nach Korea. Dieses Mal konnte er allerdings nicht mehr mit der Unterstützung Whittalls rechnen, da dieser mittlerweile von der Undurchführbarkeit des Vorhabens überzeugt war. Allein auf sich gestellt war Oppert gezwungen, große finanzielle Investitionen in den Erwerb des britischen Schiffes "Emperor" und seiner Besatzung zu tätigen. Die Idee, Korea gewaltsam zu zwingen, sein Anliegen zu akzeptieren, musste wohl schon zu diesem Zeitpunkt in Oppert gekeimt haben, da er das Schiff mit genügend Waffen bestücken ließ und er seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, damit Korea dem Handel eröffnen zu können.
Im August 1866 startete er zu seiner zweiten Expedition, die ihn zunächst an den Ort seiner ersten Reise führte. Dort stieß er jedoch auf die gleiche ablehnende Haltung seitens der koreanischen Beamten. Nach tagelanger Suche fand er schließlich die Mündung des Han und drang bis zur Insel Kanghwa vor. Aber auch die von Seoul entsandten Beamten machten ihm lediglich noch einmal die Grundprinzipien der Regierung deutlich und griffen bei ihren Unterredungen zu einer Verzögerungstaktik, die nicht nur auf Oppert zermürbend wirkte, sondern auch dazu beitrug, den Kohlevorrat des Dampfschiffes drastisch zu reduzieren, so dass sich der Deutsche gezwungen sah, erneut unverrichteter Dinge die Rückkehr nach China anzutreten.
Knapp zwei Jahre nach diesen beiden Misserfolgen bot sich dem frustrierten Kaufmann, der sicherlich auch nach Wegen suchte, seinen finanziellen Verlust wett zu machen, eine Gelegenheit, seine koreanischen Absichten erneut in Angriff zu nehmen. Hätten sich seine Bemühungen auf die ersten beiden Versuche beschränkt, wäre seine Person zweifellos unter den etlichen Westlern, die entsprechende Annäherungen an Korea gemacht hatten, nicht weiter von Bedeutung oder Interesse gewesen. Doch gerade seine dritte Expedition sollte Anlass geben, in allen Korea bezogenen Geschichtswerken der Nachwelt als "Piratenstück" festgehalten zu werden, das sich besonders negativ auf die Haltung der Regierung sowie die koreanischen Christen auswirkte.
Während einer großen Christenverfolgung im Jahre 1866 erlitten u.a. 9 von 12 französischen Missionaren in Korea den Märtyrertod. Den restlichen drei Patres gelang erfolgreich die Flucht nach China. Einer von ihnen, Stanislas Féron, wandte sich in dieser Situation an den deutschen Kaufmann um Hilfe, da dieser bereits zweimal nach Korea gereist war und somit das Land zu kennen schien. Zusammen entwickelten sie den Plan, die Gebeine des Vaters des Prinzregenten Taewon-gun zu rauben, um so ein Druckmittel gegen die koreanische Regierung in der Hand zu haben. Féron bezweckte damit, die Einstellung der Christenverfolgungen zu bewirken, und Oppert, das Königreich zum öffnen seiner Häfen zu zwingen. Doch nicht nur in den Augen der Koreaner, sondern der gesamten konfuzianischen Welt, deren höchstes Prinzip in der Ahnenverehrung lag, musste diese Tat als äußerst frevlerisch gelten.
Nachdem Oppert dieses Mal von einem amerikanischen Kaufmann namens Jenkins finanzielle Unterstützung zugesagt worden war, begab er sich in Begleitung Férons auf den deutschen Schiffen "China" und "Greta" im April 1868 auf seine "Piratenfahrt". Die Grabplünderung scheiterte allerdings an der simplen Tatsache, dass ihre mitgebrachten Werkzeuge nicht dafür geschaffen waren, die steinerne Grabkammer zu öffnen. Damit aber nicht genug, fuhr Oppert erneut nach Kanghwa, wo er persönlich seine Freveltat bekannt gab und dem Prinzregenten obendrein noch einen Drohbrief schrieb. Bei einem weiteren Versuch, ins Landesinnere vorzudringen, kam es schließlich zu bewaffneten Auseinandersetzungen, bei denen die koreanischen Soldaten die Oberhand behielten, so dass Oppert und seine internationale Truppe endgültig den Rückzug antreten mussten.
In den Augen des streng orthodox-konfuzianischen Taewon-gun konnte der Deutsche wohl kein größeres Verbrechen begangen haben. Entgegen Opperts und Férons Hoffnungen ordnete der Prinzregent unverzüglich eine Intensivierung der Christenverfolgungen an und verstärkte seine Abschließungspolitik, um ein weiteres Eindringen westlicher "Barbaren" zu verhindern. Sämtliche Chancen, in Zukunft mit Korea auf freundschaftlicher Basis in Handelsbeziehungen zu treten, waren damit endgültig vertan, und sicherlich war die Vorgehensweise Opperts dem Ansehen der Westler auch in China nicht gerade förderlich. Der deutsche Kaufmann selbst wurde dann auch einige Zeit später für seinen angerichteten Schaden in Schanghai gerichtlich belangt und sowohl zu einer Gefängnisstrafe als auch zu einer hohen Geldbuße verurteilt. Seine koreanischen Abenteuer veröffentlichte Oppert 1880 in Leipzig in einem Buch mit dem Titel "Ein verschlossenes Land. Reisen nach Corea". Sein Werk stellt gleichzeitig die erste Monographie dar, die ein Deutscher ausschließlich über Korea schrieb.
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