Kai Rohs

Nachwort


Die Beiträge haben gezeigt, dass die deutsche Kultur in Korea keineswegs einen Fremdkörper darstellt. Dies kann auch nicht verwundern, insbesondere wenn man das hohe Niveau der Entwicklung der koreanischen Germanistik nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Koreas 1948 betrachtet. Noch heute  sind deutsche Lieder wie "Heidenröslein" und "Am Brunnen vor dem Tore" der koreanischen Jugend bekannt - dies ist eine Tatsache, die man vom deutschen Pendant nicht gerade behaupten kann. Sollten wir als deutsche Lektoren daher nicht eher genau diese Lieder in den Deutschunterricht einbringen als dem Trend der Zeit folgend HipHop und Co. zu präsentieren?

Und noch eine Tatsache scheint beachtenswert zu sein. Nicht nur in der Fußgängerzone der Stadt Jeju, sondern beispielsweise auch in den Ausländerhochburgen von Seoul - in Insa Dong oder Itaewon - wird man tatsächlich wenig Deutsche finden können. Abgesehen von den Möglichkeiten, in Seoul mit den Studenten die deutschsprachigen Kirchengemeinden oder die deutsche Schule zu besuchen - was im übrigen sehr zu empfehlen ist - bestehen kaum Kontaktmöglichkeiten zu Deutschen in Korea. Der einzige Kontakt, der den koreanischen Studenten möglich ist, ist der mit den deutschen Lektoren. Da wir zum größten Teil als einzige Deutsche an einer Universität die deutsche Kultur und Literatur vertreten, werden die Studenten uns leicht mangels anderer Vergleichsmöglichkeiten für den typischen Deutschen halten. Dieser besonderen Verantwortung, die uns als vermeintliche Repräsentanten der deutschen Kultur zukommt, sollten wir gerecht werden.

Zum Schluss sei noch die Aufmerksamkeit auf den bislang wohl berühmtesten Deutschen in Korea, nämlich Paul-Georg von Möllendorff, gerichtet. Tatsächlich trugen seine Kenntnisse der koreanischen Kultur und insbesondere seine Offenheit und Akzeptanz gegenüber den Sitten und Gebräuche des koreanischen Gastlandes dazu bei, dass er in Korea Vertrauen fand und eine erfolgreiche Arbeit leisten konnte. Daran sollte man denken, wenn man in Korea effektive Arbeit als Deutschlektor leisten möchte.

Aufgrund dieser vielfältigen Erkenntnisse erscheinen die im Eröffnungsbeitrag angemeldeten Bedenken hinsichtlich des Zwecks einer solchen Materialsammlung zum Thema "Deutsches in Korea" glücklicherweise nicht begründet gewesen zu sein.


Copyright © 2003 by Kai Rohs


DaF-Szene Korea Nr. 17

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