Prof. Dr. Kim Chon-Heh, Busan National-Universität

Das Deutschland-Bild in der koreanischen Literatur


Neulich habe ich ein Buch veröffentlicht: Das Korea-Bild in der deutschen Literatur und das Deutschland-Bild in der koreanischen Literatur - eine vergleichende  Studie. Der folgende Text ist eine Zusammenfassung des hinteren Teils.

Deutschland, die Deutschen und die deutsche Kultur kommen sehr oft in der koreanischen Literatur vor. Das erste literarische Werk war Hyoleunu (Die Blutträne), 1906, von Yi Inzik. Da steht "Herr Ku wollte Korea zu einem großen Bundesstaat mit Japan und der Mandschurei machen, wie dies Bismarck aus Deutschland gemacht hatte, wenn Ku nach dem Studium (in Amerika) nach Hause zurückkommen würde ..."

Im Roman Mujong (Kaltes Herz), 1917, von Yi Kwangsu, dem größten Vorläufer der modernen Literatur, kommt auch Deutschland vor. Die Figur Byonguk studiert Musik in Berlin und macht sich dort einen Namen.

Zum ersten Mal treten Deutsche als Figuren im Roman Bulsazo (Der Phoenix), 1930, von Sin Hun auf. Kyehun hat in Deutschland Musik studiert und ein Mädchen namens Julia geheiratet. Er nimmt sie nach Korea mit. Aber er hat dort schon Frau und Kind. Julia verlässt ihn verzweifelt und lebt mit einem Deutschen namens Stipin in Seoul zusammen.

In dieser Zeit war die deutsche Literatur in Korea schon bekannt, obwohl sie durch Japan importiert wurde. In der Erzählung Yakryonggi (Die Aufzeichnung der Jugend), 1930, von Yi Hyosok erschienen die Gedichte Heinrich Heines Lyrisches Intermezzo 65 und Erklärung. In dieser Erzählung handelt es sich um eine unglückliche Liebe, und die Gedichte tragen zu der Bildung der Stimmung bei.

Im Roman Takryu (Der trübe Fluss), 1937, spricht man deutsche Wörter in den Dialogen, z.B. Karte, Röntgen beim Arzt, eins, zwei, drei, nicht Neues, Liebe usw. Das bedeutet, dass man inzwischen in der Schule Deutsch gelernt hat. Damals war Deutsch wichtiger als Englisch.

Soninjangeu Hangeu (Der Protest der Kakteen), 1954, von Kim Songhan ist eine Erzählung, deren Hauptfigur Rosa, die Mutter Hitlers, ist. Der Schauplatz ist Braunau im 2. Weltkrieg. Sie hört im Traum die Proteste der Kakteen gegen Hitler. Rosa schimpft auf Hitler. Sie rät den Soldaten zur Kapitulation, die gegen die Amerikaner Widerstand leisten wollen.

Hoesaegin (Graue Menschen), 1977, von Choi Inhun enthält ein Essay über Kafka.

Nanjangiga ssoaolin jageun Gong (Der Ball, den ein Zwerg hoch geschossen hat), 1978, von Jo Sehi ist eine Sammlung von Erzählungen. Lilift, ein utopisches Dorf für Behinderte in Deutschland, ist hier dargestellt. Die Flasche von Felix Klein, einem deutschen Mathematiker, spielt hier eine große Rolle.

In Sangdo (Der Ehrenkodex des Kaufmanns), 2000, stirbt ein koreanischer Autoindustrieller auf der Autobahn in Deutschland. Er hat die deutschen Autos sehr hoch geschätzt, besonders Volkswagen.

Hangang (Der Fluss Han), 2001, von Jo Jongrae, ist ein roman fleuve, in dem das Leben der koreanischen Krankenschwestern und Bergleute in Deutschland dargestellt ist.

Die oben genannten Erzählungen sind nur einige Beispiele. In der koreanischen Literatur erscheint Deutschland als ein Kulturland von Musik, Philosophie und Naturwissenschaften. Der am häufigsten auftretende Name ist Karl Marx. Goethe und Kafka werden als Dichter am häufigsten genannt, Beethoven als Komponist.


Copyright © 2003 by Kim Chon-Heh


DaF-Szene Korea Nr. 17

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