Michael Menke

Deutsche Gräber auf dem Ausländerfriedhof in Seoul


Im Mapo-gu, in der Nähe der U-Bahn-Station Hapjeong liegt der kleine Ausländerfriedhof von Seoul. Die Friedhofsruhe ist relativ, da ein Expressway und eine U-Bahnlinie in direkter Nähe verlaufen, aber trotzdem fühlt man sich, wenn man oben auf dem Friedhofshügel steht, etwas vom tosenden heutigen Seoul entfernt. Und das nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich. Die Gräber datieren zurück bis Ende des 19. Jahrhunderts. Die meisten der hier liegenden Toten sind amerikanische Missionare, von denen eine große Anzahl aber deutsch klingende Namen wie Waldköhler oder Steinhuber trägt. Die Amerikaner, die hier missionierten, hatten ihre Wurzeln oft in deutschen Religionsvereinigungen, die im 18. und 19. Jahrhundert nach Amerika aussiedelten, somit ein deutscher Export nach Korea auf Umwegen. Auch der bekannte Missionar mit eindeutig schweizerischer Abstammung namens Appenzeller liegt hier. So weist denn das englische Hinweisschild an der Hauptstraße auch auf einen Missionarsfriedhof hin, nur in koreanischer Schreibweise heißt es Ausländerfriedhof. Andere Nationen, wenngleich fast nur "westliche", sind hier natürlich auch vertreten, Engländer, Franzosen, Russen. Außer Missionaren und Priestern findet man einige Ingenieure und Handelsleute. überraschend groß ist der Anteil an Gräbern von Kindern, nicht nur aus der Anfangszeit, sondern bis in die 60er Jahre hinein muss es mit der medizinischen Versorgung nicht zum Besten gestanden haben.

Deutsche Gräber gibt es drei, das wichtigste dürfte das des Hofkapellmeisters Franz Eckert sein, das sich auf dem Hügel befindet. Das Grabmal ist ein hoher Sandstein, die Beschriftung Hier ruht in Gott -Herr Franz Eckert - Kgl. preuss. Musikdirektor - geb. den 5. April 1852 - gest. den 6. August 1919 - RIP ist noch gut lesbar.

Früher muss sich im oberen Teil ein Foto befunden haben. Dieses soll im Korea-Krieg durch nordkoreanische Soldaten bei der Eroberung Seouls entfernt worden sein.

Vor dem Grab befindet sich eine Tafel, die in koreanischer Sprache auf das Leben und die Verdienste Eckerts hinweist.

Zwei andere Deutsche liegen auch auf dem Friedhof, der Kaufmann A. Gorschalki, der 1884 nach Chemulpo kam sowie ein Mädchen namens Olga Josefine Sofia Baumann, wohl die Tochter von Paul Friedrich Baumann, einem Teilhaber der Firma Meyer bzw. Wolter & Co. in Chemulpo. Sie hat scheinbar ihr ganzes, wenngleich kurzes Leben von 1914 - 1921 in Korea verbracht.


Copyright © 2003 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 17

Back Home