Choi Kyeong-Eun / Mattheus Wollert

Das Institut für Europäische Kultur und Information an der Yonsei-Universität, Seoul


In vielen Ländern hat die Auslandsgermanistik Überlebensstrategien entwickelt, die ein Europakonzept beinhalten. Mit dem Angebot einer interdiszplinären, gesellschafts- bzw. kulturwissenschaftlichen Ausbildung reagiert man auf den Rückgang der Studierenden in den traditionellen Studiengängen der Germanistik. In einigen Ländern wie den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden, demnächst auch China, entstanden in diesem Zusammenhang sogenannte "Centers for (German and) European Studies", mit jeweils unterschiedlich starker Anbindung an eine Universität.

Im Folgenden sollen die Aktivitäten eines ähnlichen Instituts in Korea vorgestellt werden. Das Institut für Europäische Kultur und Information (bzw. ECIC, European Culture and Information Center) wurde am 1. November 2000 an der Yonsei-Universität Seoul gegründet. Organisatorisch wird das Institut von den Abteilungen für Deutsch, Französisch, Russisch, Geschichte und Philosophie getragen.

Zur Durchführung konkreter Aufgaben wurden vier Abteilungen errichtet: die Abteilung für Wissenschaft und Forschung, die Abteilung für kulturelle Information, die Abteilung für Fortbildung sowie die Abteilung für Übersetzung und Dolmetscherdienst. An diesen Abteilungen haben sich 40 fachlich ausgewiesene Professoren und 80 Hochschuldozenten zusammengeschlossen, die in den Bereichen Sprache, Literatur, Kultur, Kunstgeschichte, Soziologie, Geschichte oder Philosophie in Europa promoviert hatten.

Die akademischen Tätigkeiten des Instituts erstrecken sich unter anderem auf interdisziplinäre Zusammenarbeit, die Übersetzung klassischer Werke der europäischen Kultur, Programmangebote zur europäischen Kultur und Kunst sowie auf die Zusammenarbeit mit Instituten in Europa. Neben dem Transfer aus dem europäischen Raum nach Korea spielt auch der Austausch in die entgegengesetzte Richtung eine große Rolle. So beschäftigt sich ein Projekt mit dem Aufbau einer Cyberbibliothek koreanischer Literatur, die in europäische Sprachen übersetzt und dort veröffentlicht wurde, mit dem Ziel, diese Literatur und die koreanische Kultur einem interessiertem Publikum in Europa näher zu bringen.

Zu den wissenschaftlichen Forschungsaktivitäten des Instituts gehörten und gehören beispielsweise Projekte wie "Utopia und Distopia in der europäischen Literatur", "Die Identität der Familie in der europäischen Literatur" oder "Der 'Orient' in der europäischen Literatur". Außerdem wurden unter anderem Tagungen zu "Methoden der Kulturforschung" und zu "Europäischen Festen und Feiertagen" veranstaltet.

Das Institut ist auch im Internet zu besuchen: http://europe.yonsei.ac.kr


Copyright © 2002 by Choi Kyeong-Eun & Mattheus Wollert


DaF-Szene Korea Nr. 16

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