Mattheus Wollert & Thomas Schwarz

Editorial


In diesem Sommer kommen Menschen aus der ganzen Welt nach Korea, um zusammen mit den Koreanern das Großereignis der Fußballweltmeisterschaft zu feiern. Auf dieses Interesse an Korea hat sich die Lektoren-Vereinigung Korea durch einen öffentlichen Schreibwettbewerb vorbereitet. Wenn beispielsweise Deutsche nach Korea kommen, werden sie vermutlich in der Masse nicht viel mehr über Korea wissen als die üblichen Klischees über die ostasiatische Höflichkeit und Undurchschaubarkeit, den koreanischen Fleiß und die koreanische Hundesuppe. Aber wie denken die Koreaner über die ins Land strömenden Menschen? Wie erleben sie uns Deutsche? Die Ergebnisse des Schreibwettbewerbs, die wir hier in 22 Beiträgen - zusammengestellt in sechs thematischen Sektionen - vorlegen, geben Auskunft über die koreanische Sichtweise auf Deutschland und seine merkwürdigen Bewohner.

Den treuen Lesern unseres Rundbriefs wird nicht entgehen, dass diese Ausgabe in einem inneren Zusammenhang steht zur DaF-Szene Nr. 12, die unter dem Titel "Fenster auf Korea" die koreanische Wirklichkeit aus deutscher Perspektive in den Blick nimmt. Verfolgt man darüber hinaus die inzwischen bereits achtjährige Historie unseres Rundbriefs, zeigt sich eine Tendenz von überwiegend berufspolitischen und fachdidaktischen Fragestellungen hin zu kulturwissenschaftlichen und ethnographischen Themen. Dieser Prozess lässt sich vielleicht auch als ein Indikator für unterschwellige Verschiebungen begreifen, welche weltweit die Annäherung zwischen den Kulturen kennzeichnen und für die Wolf Lepenies die Formel "Von der Lehrkultur zur Lernkultur" geprägt hat - eine Formel, die uns heuristisch ergiebiger erscheint als jene Huntingtonsche Prognose vom "Clash of Civilizations". Was uns bei der Lektüre der ethnographischen Beobachtungen Mut macht, ist die immer wieder zu beobachtende Fähigkeit zur Selbstdistanz, gelegentlich zur Selbstkritik, weil in ihr der Wechsel der Perspektiven eingeübt wird: Ich kann einen anderen Standpunkt als meinen eigenen probeweise übernehmen - ein wunderbares Bildungsziel, das unserer Arbeit als Deutschlektoren in Korea über alle curriculare Beliebigkeit hinweg Sinn und Inhalt verleiht.

Dennoch stellt die LVK nach wie vor auch ein Forum für unsere ureigenen Belange zur Verfügung: Der Artikel "Deutsch für Zuwanderer" greift das aktuelle Thema der sprachlichen Integration von Ausländern in Deutschland auf und in "Landeskunde online" wird schnell abrufbares Unterrichtsmaterial vorgestellt.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat die langfristigen Bemühungen der LVK um Fortbildung ihrer Mitglieder dadurch honoriert, dass er die zur kulturwissenschaftlichen Konferenz "Querpass" (20.-23. Mai im Goethe-Institut Inter Nationes, Seoul) anreisenden Lektoren durch eine Erstattung von Reise- und Übernachtungskosten unterstützen wird. Dafür möchten wir besonders Dr. Werner Roggausch an dieser Stelle unseren Dank aussprechen. Es liegt nun an den Lektoren, dieses Angebot auch wahrzunehmen und die Diskussion, bei der das Thema Fußball trilateral aus koreanischer, japanischer und deutscher Perspektive beleuchtet werden soll, durch ihre aktive Teilnahme lebendig zu machen. Die Entwicklung von Spielergehältern im Zusammenhang mit der medialen Verwertung des Fußballs, aber auch das immer aggressivere Auftreten von Hooligans, die immer pompösere Inszenierung von Großveranstaltungen machen deutlich, wie notwendig eine Aufarbeitung des Fußball-Themas durch eine kritische Kulturwissenschaft ist. In diesem Sinne hoffen wir auf spannende Kontroversen!


DaF-Szene Korea Nr. 15

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