Meine überhaupt erste Übernachtung in Deutschland war die Stadt Bamberg in Bayern. Es war am Anfang der Osterferien. Nach dem Duschen in der Jugendherberge wollte ich was um 18 Uhr einkaufen. Ich ging deshalb zur Bäckerei. Ich hatte natürlich keine Ahnung davon, dass es in Deutschland Ladenschluss gab. Ich fragte nun eine Alte Dame, die vor der Bäckerei mit dem Besen kehrte, ob ich was noch kaufen durfte. Sie gab mir jedoch ohne Antwort etwas restliches Brot. Sie hielt mich wahrscheinlich für ein Asylbewerber oder Bettler. Am nächsten Morgen war ich wegen der Zeitverschiebung früh morgen wach. Ich hatte großen Hunger. Aber ich verstand nicht, dass Frühstück im Preis inbegriffen ist. Ich trank statt Frühstück eine Tasse Milch mit Vitamin. Dann kämpfte ich gegen Stille. Wegen der Osterferien war die Straße fast totenstill. Das bedeutete mir den ersten Kulturschock. Ich war damals der einzige Koreaner, und konnte diese Einsamkeit einfach nicht mehr tragen. So ging ich in vier Tage mit dem Zug von Bamberg nach Frankfurt. Seitdem war ich bedauerlicherweise kein mal mehr in Bamberg.
Meine zweite Stadt war Frankfurt. In dieser Stadt bekam ich ein bisschen Sicherheitsgefühl, denn es gab in dieser Stadt viele koreanische Studenten und Studentinnen. Was mich vielmehr stark beeindruckt hat, war die Alte Brücke. Diese Brücke existiert noch heute. Seltsamerweise wurde sie nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nie wieder zu einem harmonischen Bauwerk gestaltet, sondern ist ein hässlicher Zwitter, ein wiederaufgebauter Behelf aus Sandstein und Stahl geblieben. In wenigen Monaten war es die erste Weihnachtszeit in Deutschland für mich. Am heiligen Abend war die Straße ganz stillschweigend. Das war ein feiner Unterschied zwischen Seoul und Frankfurt. Weichnacht ist in Deutschland eine familiäre Volksfeier, während sie in Seoul ein Straßenfest ist. Leider konnte ich die Totenstille am heiligen Abend nicht ertragen. So wollte ich meinen Landsmann mit der U-Bahn besuchen. Aber die Bahn kam eine Stunde lang nicht. Natürlich wusste ich nicht, dass die U-Bahn am heiligen Abend selten fuhr. Mein Landsmann wartete nicht mehr auf mich. Ich ging allein zu Fuß nach Hause.
Als ich im Studentenwohnheim wohnte, lernte ich das Wort "mitnehmen" auf eine ziemlich peinliche Weise. In meinem Flur wohnten 16 Leute. Eines Tages sollte ich zum Flughafen meinen Onkel abholen. Als ich abfuhr, sah ich eine Studentin, die gerade zum Bahnhof fahren wollte, im Flur. Diese Studentin war sehr dick und kräftig und hübsch. Ich wollte sie zum Bahnhof mitnehmen. Deshalb fragte ich sie: "Soll ich dich nehmen?". Natürlich habe ich dabei "mitnehmen" gemeint. Aber sie antwortete mir ganz gelassen: "Meinst du hier?" Im gleichen Moment merkte ich meinen falschen Ausdruck, jedoch wusste ich nicht, inwieweit es mein Fehler war. Ein Student hörte unser Gespräch zufällig mit. Der erklärte alles in der Küche. Viele Studenten kamen plötzlich aus der Küche zu mir, und fragten mich, ob ich sie nehmen wollte. Seitdem sagten meine alten Wohnheimkollegen zu mir: "Soll ich dich nehmen?". Ich vermisse sie manchmal.
In den Sommerferien arbeitete ich als Aushilfe bei der Degussa. Die Arbeitszeit war von 6:30 bis 16 Uhr. Ich frühstückte ganz selten in Deutschland. Als ich bei Degussa arbeitete, frühstückte ich mit Arbeitskollegen in der Kantine. Ein Mitarbeiter fragte mich, warum ich so wenig frühstückte. Mein Frühstück war ein Brot, ein Joghurt und eine Tasse Kaffee. Aber sein Frühstück war zwei Wursten, vier Brötchen, ein Kotelett und ein Kännchen Kaffee. Er beschwerte sich sogar, dass ich für die wenige Arbeit wenig ass. Essen ist ja eigentlich eine Gewohnheitssache. Deshalb sagte ich ihn: "wenn man viel isst, muss man viel arbeiten". Danach wollte er mit mir nicht mehr zusammen frühstücken.
Bezogen auf die Alltagskultur ist Frankfurt vielseitig. Eine Sehenswürdigkeit ist die Paulskirche, die wohl bekannteste Kirche Frankfurts. Die Hauptwache ist ein Treffpunkt am Zeil. Eines der Wahrzeichen Frankfurts ist die Alte Oper. Für Biertrinker ist da Henninger Bier. In Sachsenhausen gibt es viele gemütliche Lokale, in denen man Äppelwoi trinken kann. Ein typisches Essen für Frankfurter ist Frankfurter Bockwurst. Im Grüneburgpark und Palmengarten kann man die Natur genießen. In Bezug auf die Wissenschaft ist die Stadt Frankfurt eine berühmte Stadt. Johann Wolfgang von Goethe ist der berühmte Sohn der Stadt. Ein anderen berühmter Philosoph ist Arthur Schopenhauer. Sein Gedanke ist pessimistische Ansicht, hat aber auch östliche Denkweise. Weiter ein sehr großes Vermögen besaß der Atomforscher Otto Hahn. Frankfurt ist heute eine pulsierende Großstadt im Herzen Deutschlands.
Frankfurt ist mir eine bedeutungsvolle Stadt, während Bamberg eine unvergessliche Stadt ist. Falls ich irgendwann nach Deutschland fliegen würde, würde ich unbedingt die Stadt Bamberg besuchen.
Copyright © 2002 by Lee Ho-kyoung