Hallo, ich heiße Myungjee Ryu. Aber meine deutschen Freunde nennen mich "Maggie". Ich machte diesen Namen für mich und für sie auch. Ich war für ein Jahr in Deutschland als Austauschstudentin. Da wohnte ich in einem Studentenwohnheim neben der Ruhr-Universität Bochum. Anfangs war ich nicht so glücklich, da ich keine Freunde hatte. Aber nach ein paar Monaten fand ich heraus, dass Deutschland sehr international ist. Deswegen konnte ich viele Europäer, Asiaten, andere Nationalitäten und ihre jeweilige Kultur (vor allem Küchen) kennenlernen. Wie interessant war das!!! Natürlich hab ich ihnen auch verschiedene koreanische Gerichte, wie zum Beispiel Kimchi, Bulgogi, Tokppokki beigebracht. Bestimmt war einiges zu scharf für meine Freunde, aber sie haben mir gesagt, dass meine Gerichte sehr lecker sind und sie sie kochen lernen möchten. Also, hier möchte ich meine Lieblingsfreunde und -gerichte, die sie mir beibrachten, vorstellen.
Mein bester Freund, Florian, ist aus Oberbayern und 25 Jahre alt. Ich nenne ihn einfach Flo. Flo studiert Mechatronik und arbeitet an der Fachhochschule. Wir bildeten eine Sportgruppe. Jeden Tag gingen wir zusammen im Wald laufen, oder gingen schwimmen. So der konnte schon 15 Kilo abnehmen. Überraschung!!! Aber immer noch über hundert hat er. Er kocht sehr gerne und ist auch wirklich ein guter Koch. Semmelknödel, eine typische bayrische Speise, kann er sehr gut machen. Ich glaube, niemand auf der Welt kann sie besser machen als er. "Semmel" ist bayrischer Dialekt und bedeutet "Brötchen".
Wir brauchen: 8 alte Brötchen, 100g Speck, eine Zwiebel, 250ml Milch, 3-4 Eier, Salz, Pfeffer, Muskatnuss, Backpulver und Petersilie. Zuerst schneidet man die Semmeln in dünne Scheiben. Danach wird der Speck in Würfel geschnitten und mit den Zwiebeln gedünstet. Den Speck und die Zwiebeln gibt man mit der Milch in eine Schüssel und weicht darin die Semmelscheiben ein. Diese Masse lässt man etwa eine Stunde stehen und formt dann aus ihr Klöße. Diese lässt man dann 20 Minuten in Salzwasser ziehen. Semmelknödel schmeckt wie "Mandu", ist also einer koreanischen Teigtasche sehr ähnlich, denke ich. Mit der Pilzsoße, sicher besser.
Dann gibt es da noch einen Marokkaner, Ouakim. Er ist 27 Jahre alt und studiert Physiologie an der Uni. Er ist immer wie ein Berater für mich gewesen und durch ihn hab ich auch mein stereotypisches Denken über Muslime verändert. Muslims waren mir fremd und in meinen Augen komische Leute. Was für ein dummes Mädchen ich doch war! Er erzählte mir über seine Probleme mit seiner Verlobten auch, welche mich an das deutsche Sprichwort erinnerten: "Gute Schwimmer ertrinken gern." Sehr erstaunlich, oder? Trotzdem lernte ich ein traditionelles marokkanisches Rezept von ihm. Es heißt Couscous, was ganz neu und besonders für mich war.
Für Couscous braucht man: 150g Kichererbsen, 600g Lammfleisch, eine Zwiebel, 2 Tomaten, 2 Möhren, 1 Zucchini, 1 Stange Porree, 150g Kürbisfleisch, 300g Couscous, 5 EL Olivenöl, 2 EL Tomatenmark, 2 Knoblauchzehen, 1 Zitrone, Salz und Pfeffer. Die Kichererbsen lässt man über Nacht in kaltem Wasser einweichen. Das Lammfleisch wird kalt abgespült, abgetupft und in Würfel geschnitten. Danach schneidet man das ganze Gemüse ebenfalls in kleine Würfel. Den Couscousgries vermengt man im kalten Wasser und bereitet ihn nach Vorschrift zu. Nach kurzem Anbraten des Fleisches gibt man das Gemüse dazu und dünstet es. Tomatenmark wird mit gepressten Knoblauchzehen gemischt und wird unter das Fleisch und das Gemüse gerührt. Couscous wird im Topf gegart und nachher servierfertig auf dem Teller serviert. Leider in Korea habe ich kein Couscous. Das ist wirklich schade.
Ich habe noch eine Lieblingsfreundin aus Spanien, ihr Name ist Elena. Sie studiert Germanistik und ist 23 Jahre alt. Sie war zur gleichen Zeit als Austauschstudentin in Deutschland wie ich. Jetzt wohnt sie aber wieder in Madrid bei ihren Eltern, wo ich sie in den letzten Sommerferien besucht habe. Vor ungefähr einem Monat ist ihre einzige Schwester gestorben. Woran sie gestorben ist hat sie mir nicht erzählt. Ich wünsche ihr, dass sie das gut verarbeitet und es ihr bald wieder besser geht. Als ich in Madrid war, war sie eine totale "Malohua" was in spanischer Umgangssprache soviel wie 'typische Hausfrau' bedeutet. Die coole Malohua hat ein paar mal Tortilla für mich gemacht, welche sehr einfach herzustellen sind und richtig gut schmecken.
Die Tortillas bestehen fast nur aus Kartoffeln und Eiern. Man schneidet die Kartoffeln und Zwiebeln in Scheiben, brät sie mit Olivenöl an. Dazu gibt man dann Eier, welche mit Milch und Gewürzen vermischt sind, und backt daraus einen dicken Pfannkuchen.
Super einfach, oder? Meine Mutter mag Tortillas sehr gerne, so heute machte ich die schon wieder. Die war totaaaal lecker.
Also, das ist alles. Haben Sie noch eine Frage über diese geilen Küchen? Dann mailen Sie, bitte (psyarang@hanmail.net). Ich gebe bestimmt das Detail. Im Oktober 2001 kam ich zurück. Alle Freunde, Professoren, und mein Leben in Deutschland wurden vermisst. Da war ich viel mehr fröhlich, ungezwungen und kraftvoller als hier. Das war meine wertvollste Erfahrung. Wenn ich genug Zeit und Geld habe, zuerst mache ich, was ich will. Wissen Sie, was? Das ist, wieder nach Deutschland zu fliegen natürlich!!!
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Copyright © 2002 by Ryu Myung-jee