Die Tatsache, dass ich in zwei Kulturen aufgewachsen bin und darum auch die zwei verschiedenen Kulturen von beiden Seiten aus betrachten konnte, brachte mich darauf, über die Deutschen hier in Korea zu schreiben, die hier eine lange Zeit gelebt haben. Da ich an einer Uni studiere, wo man hauptsächlich Fremdsprachen studiert, fiel es mir viel einfacher, mit deutschen Lehrern Kontakt zu haben. Auch hatte ich die Gelegenheit, mit anderen koreanischen Professoren, die früher in Deutschland studiert haben, über einige Sachen zu diskutieren.
Nachdem ich mit viel Interesse, gerüstet mit Hunderten von Fragen, auf die Deutschen losging, dachte ich, dass es viele verschiedene Antworten zu hören gäbe. Aber zu meinem Erstaunen waren die Antworten fast gleich. Alle von den Leuten, die meine Fragen beantworteten, dachten im allgemeinen, dass Korea nicht mehr zur Dritten Welt gehöre und jetzt ein industriell sehr entwickeltes Land sei. Es gebe hier in Korea viel Lärm, nur wenig Zeiten, allein zu sein. Meine deutsche Lehrerin am Goethe Institut, hat mir gesagt: "Daran gewöhnt sich jeder, wenn es nicht laut ist, ist es auch nicht Korea." Die Deutschen hier in Korea sind mit der Kultur nicht unzufrieden. Aber über das Niveau der Studenten an den meisten Universitäten hatten sie vieles zu sagen. Wie ein Lektor anmerkte, dass er nicht verstehen konnte, wieso seine Studenten kaum Deutsch sprechen konnten, obwohl sie schon jahrelang von der Oberschule an Deutsch gelernt haben. Der Grund liegt darin, dass die meisten Koreaner meistens nur an Englisch und Japanisch interessiert sind, obwohl das Niveau in diesen Sprachen auch sehr schlecht ist.
Aber was die Deutschen gar nicht verstehen konnten, waren die Noten, die sie an der Universität den Studenten geben sollten. Sie konnten am Anfang keine richtigen Noten geben, weil die Noten eigentlich nicht deren Leistungen entsprachen. Damit meine ich, dass die koreanischen Studenten ganz schlechte Noten verdienen, aber dennoch gute Noten verlangen. Wie niedrig das Niveau dieser Studenten ist, kann man an folgenden Kommentaren merken. So hat ein anderer Lektor den Konversationsunterricht mit einem 'Kindergarten' verglichen. Und ein weiterer Lektor sagte mir mit einem satirischen Lächeln, dass die deutsche Schulnote 6 in Korea noch ein C, was dem koreanischen "befriedigend" entspricht, sei. Meine Lektoren sagten auch, dass die koreanischen Studenten nicht kreativ lernen würden. Das kommt daher, dass sie nur das Auswendiglernen von der Grundschule gewohnt sind. Auch im Unterricht der Deutschen, die vor der Tafel stehen und fordern, miteinander zu diskutieren, fällt es ihnen schwer, sie zum Reden zu bringen. Weil die Studenten meistens stumm bleiben und nur auf die Tafel gucken, um alles aufzuschreiben, was der Lehrer oder die Lehrerin auf die Tafel schreibt.
Aber wie verhalten sich denn die Deutschen, die hier in der koreanischen Gesellschaft leben? Die meisten bleiben ruhig und sagen nichts darüber, was verändert werden soll. Man kann verstehen, dass sie uns Koreanern nicht verletzen wollen. Aber auch andere Gründe gibt es, wie z. B die typisch koreanisch-konfuzianistische Bürokratie. Denn in Korea ist keinerlei Kritik erlaubt, auch wenn etwas falsch ist. Und man muss alles tun, was von oben angewiesen ist.
Trotzdem macht allen Deutschen, die ich getroffen habe, das Lehren Spaß, auch wenn es Hindernisse gibt. Und so stehen sie heute noch vor der Tafel und bemühen sich um die Studenten mit der Hoffnung, dass sich eines Tages Koreas Studenten so ändern, wie sie eigentlich sein sollten.
Copyright © 2002 by Kim Seong-su