Kai Rohs

Die Lektoren in Korea


Im Mittelpunkt zweier sehr schöner, aussagekräftiger Aufsätze stehen in ganz unterschiedlicher Weise die deutschen Lektoren in Korea.

Im Aufsatz von Kim Seong-Su mit dem vielsagenden Titel "Was sie hier bleiben lässt, ist ihre Lust zu lehren" reflektiert ein koreanischer Student, der sowohl in Korea als auch in Deutschland aufgewachsen ist, über die Situation der deutschen Lektoren in Korea. Er spricht aus seinen Erfahrungen, die er im Gespräch mit deutschen Lektoren an seiner Universität, mit koreanischen Professoren, die in Deutschland studiert haben, und seiner deutschen Lehrerin am Goethe-Institut in Seoul gewonnen hat. Deutlich wird, dass das sich von Deutschland unterscheidende Erziehungs- und Gesellschaftssystem in Korea besondere Anforderungen an die Lehrtätigkeit stellt, dass es eben ein Unterschied ist, ob man Deutsch in Europa oder in Korea lehrt. Insgesamt wird die Wurzel der Schwierigkeiten der Tätigkeit eines deutschen Lektors ausschließlich auf der koreanischen Seite, nämlich im koreanischen Bildungssystem und mangelndem Interesse der koreanischen Studenten am Deutschen gesehen - sollte dies ein Indiz koreanischer Höflichkeit des Verfassers sein?

Im Aufsatz "Brief an Frau T." wählt Park Hye-Rim die Briefform, um ihrer ehemaligen deutschen Lektorin ihre Liebe zu Deutschland zu gestehen. Auffallend ist die Emotionalität, mit der die Autorin ihre Beziehung zu Deutschland beschreibt. Interessant ist, dass es die deutsche Lektorin war, durch die die Studentin Deutschland erstmals kennengelernt hat. Daran wird deutlich, dass der deutsche Lektor, der für viele Deutschstudenten in Korea der einzige Deutsche ist, mit dem sie im Laufe ihres Germanistikstudiums in Kontakt kommen, ganz erheblich - ob bewusst oder unbewusst, gewollt oder ungewollt- zum Aufbau des Deutschlandbildes der Studenten beiträgt.


DaF-Szene Korea Nr. 15

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