Keiner glaubt mir, wenn ich sage, dass ich ständig von Deutschland träume. Egal. Das war schon so, bevor ich mit bangem Vorgefühl und voller Neugier nach Deutschland geflogen bin und dann auch, nachdem ich mit den Abschiedsschmerzen nach Korea zurückgekommen bin. Ich freue mich, dass ich mich durch diesen Anlass noch mal daran erinnern kann, wovon ich gern träume und woran ich lächelnd denke.
Wenn man sich Deutschland vorstellt, dann denkt man ganz spontan an die Ordnung und die Pünktlichkeit. Ein Wort, das einem ein Deutscher gibt, das ist wirklich ein unbedingtes Versprechen; das sind auch die Worte meiner Bekannten und Freunde, die schon mal in Deutschland gewesen waren. Die Ordnung habe ich schon selbst erlebt, die Straße z.B. ist in drei und manchmal in vier Teile geteilt: der eine Weg ist für Autos, der zweite für Radfahrer, der nächste gilt als Gehweg und manchmal ist da noch ein anderer für die Busse. Jeder muss jeden respektieren.
Mit der Pünktlichkeit ist das etwas anders. Eigentlich landet auch das deutsche Flugzeug ein bisschen zu spät, aber vor allem die Züge, die ich während meines Aufenthalts in Deutschland genommen habe, hatten oft - na ja, zu 50 Prozent Verspätung, und der Unterricht mit meinem deutschen Lehrer ist auch erst mit 5 Minuten Verspätung zu Ende. Trotzdem bleibt der Ruhm komischerweise immer noch.
Hier darf ich nicht vergessen, darauf zu sprechen zu kommen, wie sparsam die Deutschen sind. Schön und gut, aber die Männer sind beim Rendezvous nicht sehr charmant. Sollten Sie nicht mehrmals die Frauen einladen, wenn sie essen gehen oder ins Kino gehen, wie die Koreaner? Ich erwarte es, aber dann muss ich plötzlich selbst bezahlen, und dann kommt immer so eine Stimmung auf, dass ich keine Lust mehr habe.
Ich mache gern Reisen: hier in Korea und auch ins Ausland. Besonders waren die Reisen durch die deutschen Städte am schönsten. Ich kann nie vergessen, was für ein Gefühl ich hatte. Die Landschaft in Deutschland ist so vielfältig und reizvoll. Es gibt Gebirge, Seen, Hügel, Wälder, Flüsse, Täler usw. Was ich aber schade finde, ist, dass die Deutschen keine Zeit haben, um diese wunderbare Landschaft zu genießen. Sie arbeiten die ganze Woche, und am Wochenende bleiben die meisten von ihnen zu Hause, weil sie vielleicht sehr müde sind. Auch wenn sie endlich Ferien haben, reisen sie lieber ins Ausland. Sie machen da freilich neue Erfahrungen, aber kriegen bestimmt Stress wegen der anderen Sprache und Kultur.
Gott sei Dank finden in Deutschland verschiedene Partys statt, auf denen sie sich von ihrem Alltagsstress befreien können, die bekannteste ist die Love Parade in Berlin. Meistens am Wochenende, aber auch unter der Woche feiern die Deutschen gern. Sie erquicken sich mit der Hilfe weltbekannter Getränke, mit ihrem Bier; für Deutsche ist Bier wie ein Cola. Wenn ich bedenke, dass sie ohne Probleme einige Gläser auch beim Essen austrinken, dann weiß ich, wozu jeder einen Bierbauch braucht und hat. Einmal war ich auf einer Grillparty und war wirklich die einzige Betrunkene auf der Party, obwohl ich genau so viel wie andere oder weniger getrunken habe. Ich hatte nur einen Saftbauch bei mir. Das war vergebens, meine Teilnahme am deutschen Bierwettbewerb. Am Ende musste ich blau von einem Freund nach Hause gefahren werden. Ich war ganz mutig und frech. Ach, doch peinlich ... ich breche das lieber ab.
Und noch Peinlicheres passierte der kleinen Koreanerin ständig. Die deutschen Liebespaare zeigen sich ganz offenbar. Sie versuchen so viel wie möglich vor anderen Leuten sich zu küssen und zu umarmen. Man küsst sich auf der Straße. Egal wo, ganz öffentlich. Ja, das ist okay. Ich kann das aber nur mit viel Mühe aushalten. Aber sie küssen sich nicht einfach zur Begrüßung oder so, sondern zu erotisch. Ich meine - zu tief . Stellen Sie sich mal vor! Wenn ich irgendwo stehe und ein Liebespaar neben mir ganz nah meinem Begriff nach tief sich küsst - Ich kriege dann eine ganz rote Wange! Um Gottes willen ... Und wenn ich besonders in der Nacht oder am Wochenende nachts fernsehe, kommen nur erotische Filme. Ich wollte vom Fernseher Deutsch lernen. Aber ich lernte nur, wie man auf Deutsch beim Sex stöhnt. Einmal war ich mit einigen Freunden bei einem Freund. Wir sahen zusammen fern. Es gab einen bestimmten Kanal, in dem nur eine Werbung kommt: Ruf mich an, mit der Telefonnummer von Frauen, die sich sexy auszusehen bemühen. Schon wieder ... Plötzlich zog ich die Decke über den Kopf und die anderen lachten mich aus. Aber durch die Decke sah ich schon genug. - Was noch ungewöhnlich für mich war, ist ein Laden, in dem Sexgegenstände verkauft werden. Wenn ich vorbeiging, sah ich meist absichtlich nur geradeaus. Aber ich war neugierig, wozu man jede Dinge braucht. Das macht mich lustig, wenn ich heute daran denke, dass ich manchmal am Schaufenster flüchtig überblickend, schnell, aber doch zusehend vorbeiging. Hehe! Aber psch! Bitte halten Sie das geheim!
Bis ich mich daran aber richtig gewöhnen und aus dem Kulturschock herauskommen kann, dauert es schon eine Weile noch, denke ich.
Obwohl ich in manchen Situationen immer noch eine rote Wange kriege und meine Freunde sich vor Lachen dann den Bauch halten, möchte ich immer wieder nach Deutschland, wo sich mein Traum erfüllte und ich viel Ungewöhnliches erleben kann, kommen. Ich bin immer gespannt auf Deutschland. Und es macht mir Spass, wenn ich von meiner zweiten Heimat, von Deutschland, etwas Neues kennenlernen kann. Zum Beispiel heute, jetzt, in diesem Augenblick, wenn ich über Deutschland nachdenke ...
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